Das ist mal süß…

Bei einem Konzert der Foo Fighters holte Frontman Dave Grohl den zehnjährigen Cash Rule aus dem Publikum auf die Bühne und bat ihn, zusammen mit der Band ein Lied zu performen. Leider musste der Junge gestehen, dass er nur Metallica-Songs spielen konnte. Kein Problem für die Foo Fighters, dann spielten sie eben Metallica.

Ich habe  lange nicht mehr so über ein Youtube Video gelacht.

Ach ja, und die Gitarre bekam der Kleine dann auch noch geschenkt!

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Wir üben noch

Der Hund, so sagte man mir, könne ohne Probleme alleine bleiben. So im Nachhinein denke ich, wäre es sinnvoller gewesen, das nicht mir, sondern dem Hund zu sagen. Der ist nämlich anderer Meinung. Am ersten Tag allerdings konnte sie noch alleine bleiben. Am zweiten Tag setzte sich ganz allmählich die Erkenntnis bei ihr durch, dass sie nun zu unserer Familie gehören sollte. Nicht nur zu Besuch, sondern für immer. Von diesem Moment an klebte sie an meiner Hacke. Ein simpler Toilettengang (bei dem ich es unverständlicherweise vorzog, alleine zu sein) sorgte für mittlere hysterische Anfälle ihrerseits und die Sache mit der Badewanne konnte ich vergessen. Wenn meine Söhne sich um sie kümmerten, war sie allerdings zufrieden. Besonders K2 liebt sie über alles (so sehr, dass ich schon vorgeschlagen habe, dass ich mir einen eigenen Hund anschaffe. Dieser da ist ja offensichtlich bereits vergeben).

Wenn ich zuhause bin üben wir jetzt, dass „Aufstehen“ nicht gleichbedeutend ist mit „man wird für immer alleine gelassen“. Eine schwierige Lektion für einen Hund, der aus solchen Verhältnissen kommt wie meine Prinzessin. Anfangs schreckte sie jedes Mal aus dem Schlaf auf, wenn ich begann, durchs Zimmer zu wandern – was alle zehn Minuten der Fall war, wie schrecklich (ich hätte ja auch lieber „Star Wars“ in Ruhe gesehen, aber was tut man nicht alles für seinen Hund). Gestern endlich war sie dann so gernervt von mir, dass sie ins Nebenzimmer ging, um in Ruhe schlafen zu können. Die Tür musste jedoch geöffnet sein, um eventuelle Fluchtversuche von mir sofort mitzubekommen. Heute Nacht dann durfte ich immerhin schon alleine auf die Toilette gehen, und als ich gegen sechs Uhr aufstehen musste, um mich zur Arbeit fertig zu machen (und vorher noch Gassi zu gehen), sah sie mich völlig entsetzt an: „Ey, es ist DUNKEL da draußen. Nicht dein Ernst, oder?“ Sie kam dann aber doch mit.
Als ich heute nachmittag allerdings für 20 Minuten das Haus verließ, fing sie, wie mir K2 erzählte (der in seinem Zimmer war, weswegen sie annahm, sie sei ganz alleine) fürchterlich an zu weinen, und sie hörte auch nicht auf, bis er sie dann rettete. In die Badewanne durfte ich dann später aber wieder alleine gehen.
„Der Trick“, sagt K2, „ist, dass sie nicht merkt, dass du rausgehst“.
Ich werde also das Haus nur noch aus dem Badezimmerfenster verlassen (und dann an der Terrassenüberdachung runterrutschen).
Wir bekommen das hin.
Denke ich.
Grinsebacke

Die Prinzessin…

…hat sich am Sonntag entschieden, von jetzt an mein Leben teilen zu wollen. Und das meiner Familie. Und das der Nachbarn. Und der zufällig vorbeikommenden Passanten. Überhaupt aller Menschen, die nett zu ihr sind.

Aber meins ganz besonders…

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Stressfrei ist aus…

Doch, ich bin sicher, früher war alles einfacher. Also, ganz früher. Damals, als mein Bruder und ich von unserer Mutter zum Zwecke des Sauberwerdens in die Badewanne gesteckt wurden und wir lediglich die Wahl hatten zwischen gelbem und grünem Schaumbad – das sich dann in der Badewanne sowieso in ungefärbten weißen Schaum verwandelte (ich erinnere mich, dass wir uns bestimmt ein Jahr lang immer für „gelb“ entschieden, weil in den Flaschen dieser Firma Schlümpfe schwammen. Die man nur rausbekam, wenn man fleißig badete).
Inzwischen ist das Leben nicht mehr so leicht. Wenn ich in die Badewanne gehe, muss ich schwerwiegende Entscheidungen treffen, die sich auf mein ganzes Leben auswirken können. Statt „Gelb mit Schlumpf“ oder „Grün mit Apfelgeruch“ habe ich Fläschchen mit Aufschriften wie „Tiefenentspannung“, „Rückenwohl“, „Stressfrei“, „Glückliche Auszeit“ und „Neue Energie“. Tja, und dann stehe ich da, und überlege, was genau schütte ich jetzt in mein Bad? Muss ich nachher noch arbeiten? Dann ist Tiefenentspannung ja wohl die falsche Entscheidung. Hatte ich einen langen, anstrengenden Tag? Dann vielleicht „Rückenwohl“ oder „Stressfrei“ (vielleicht hilft es gegen diesen einen Kunden. Den von vorhin. Wenn ich ganz viel nehme!). „Pure Sinnlichkeit“ wäre auch noch da, aber das lasse ich lieber. Könnte falsch verstanden werden.

Gestern, während ich noch grübelte, machte ich eine schreckliche Entdeckung. Sowohl von „Stressfrei“ als auch von „Rückenwohl“ und „Glückliche Auszeit“ war kaum noch etwas da. Nicht genug jedenfalls, um ein wunderbares, lebensveränderndes Bad zu nehmen. Was tat ich also? Ich kippte die Reste aller drei Badezusätze in mein Wasser, auf dass ich wenigstens ein wenig stressfrei würde, etwas weniger Rückenschmerzen bekäme und vielleicht – vielleicht ja nur – ein paar Minuten statt einer halben Stunde glückliche Auszeit genießen könne. Dazu noch ein satter Schuss „Tiefenentspannung“ um nicht mehr über meine Entscheidung nachdenken zu müssen (und nicht über die Farbe meines Badewassers. Es wurde schlammbraun mit dunkelblauen Farbschlieren. Schick). Ich bin nicht sicher, ob es gewirkt hat, aber wenigstens wurde ich sauber davon. Und wünschte mir den Schlumpfschaum meiner Kindheit zurück.
Heute ist die Sache einfacher. Erkältungsbad steht auf dem Plan. Ehrlich, ich habe keine Ahnung, wie Menschen ihr Leben ohne Badezusätze in den Griff bekommen…

Schlumpf

(das Bild stammt von Ebay. Und der Schlumpf – aus der Schaumbadflasche – war der erste Schlumpf meines Bruders – grün, wie man sieht. Vielleicht weinte er deswegen. Ich weiß gar nicht, ob der noch existiert. Also, der Schlumpf. Mein Bruder schon noch, denke ich.)

Fataler Fehler

Mamaaaaa„, schreit das Kind zwei Stockwerke unter mir, „da sind tatsächlich zwei zusammen passende Socken in dem Sockenkorb in der Waschküche!
Woraufhin ich zurückbrülle: „Tut mir leid, das war ein Versehen. Nimm einen davon raus und schmeiß ihn weg!

Socke

So ein Irrtum

Gerade lese ich von einer Frau, deren Leben sich auf den Kopf gestellt anfühlt, weil sie soeben erfahren hat, dass rote und grüne Paprika von derselben Pflanze stammen, nur ist die eine Sorte reif und die andere unreif.
Vermutlich jeder hat so Aha-Momente, in denen er etwas erfährt, was ihn völlig aus der Bahn wirft. Bei mir war es zum Beispiel das Wort „Firmament“ – ich hatte immer gedacht, es hieße Firnament. Ich war schon in den Zwanzigern, als ich meinen Irrtum zufällig bemerkte. Ebenso zufällig fand ich heraus, dass es in dem Weihnachtslied „Süßer die Glocken nie klingen“ an einer Stelle heißt „Wie sie gesungen in seliger Nacht“. Ich war meine ganze Kindheit lang überzeugt gewesen, es hieße „Riesige Summen in seliger Nacht“ – ich meine, ehrlich, was die Leute da so alles an Geld ausgeben… ich fand das völlig selbstverständlich und habe diese merkwürdige Textzeile nie weiter hinterfragt.
Schlaflose Nächte bereitete einem Bekannten die Tatsache, dass Vögel sich nachts nicht gemütlich in ihr Nest legen, um zu schlafen, sondern höchst ungemütlich auf Ästen sitzen – und das auch noch bequem finden. Auch die Behauptung seiner Grundschullehrerin, Strauße seien die einzigen flugunfähigen Vögel, machte ich mit einem Hinweis auf Pinguine zunichte, als er schon lange der Grundschulzeit entwachsen war. Nachdem er so drüber nachdachte, erschien ihm das auch nicht unlogisch.
Ach, und übrigens… der hundertjährige Krieg dauerte 114 Jahre. Erdbeeren sind keine Beeren, sondern Sammelnussfrüchte. Man stirbt nicht, wenn man destilliertes Wasser trinkt. Eva pflückte keinen Apfel (das steht auch nirgendwo in der Bibel. Sie pflückte einfach nur „eine Frucht“. Vermutlich war’s ne Banane. Oder eine Stachelbeere?). Es war nicht James Watt, der die Dampfmaschine gebaut hat, sondern Thomas Newcomen, zwanzig Jahre vorher. Haare wachsen nicht schneller, wenn man sie kurz schneidet. Spät abends essen macht nicht dicker als morgens zu essen. Und Einstein war auch kein schlechter Schüler (in der Schweiz war die beste Note eine Sechs, nicht die schlechteste wie in Deutschland).
Aber das weiß ja jeder…

Himmelblaue Sommermotten

Ich sitze auf dem Rasen. Eigentlich sollte ich aufräumen und Kartons packen und staubsaugen und ausmisten – eben all die Dinge tun, die man so zu tun hat, wenn sich das Leben so verändert. Stattdessen sitze ich hier und beobachte die Schildkröte, die von einer gelben Blüte im Rasen zur anderen wandert und sie – schnapp – vernichtet. Meine Gedanken wandern zurück. Wie anders sah es hier, aus, damals, als wir dieses Haus kauften, und dachten, es sei für ewig. Damals, als wir all die toten Bäume auf dem Grundstück beiseite geräumt haben, einige auch gefällt, und die zwei Schuppen, die da hinten standen, abgerissen haben. In einem der Schuppen hatte eine uralte Säge gehangen und einer der Jungen, die uns halfen, fragte, ob er sie behalten könne. Klar konnte er. Er hat uns dann gezeigt, wozu er sie brauchte. Ich hatte vorher nicht gewusst, dass man mit Sägen wirklich Musik machen kann.

Um mich herum fliegen wilde Bienen und eine himmelblaue Motte. Von Zeit zu Zeit lassen sie sich auf den gelben Blüten nieder. Die Schildkröte wartet, bis die Insekten weg sind und frisst die Blüte erst dann.

Wann habe ich mir mal die Zeit genommen, einfach nur hier zu sitzen und gar nichts zu tun? Meistens bin ich herumgelaufen, habe den Rasen gemäht, die Brennnesseln entfernt, aufgeräumt. Auch hier im Garten.

Der Gatte wollte damals einen richtig schönen, unkrautfreien Rasen haben. Und eben sollte die Fläche sein. Er hat doch tatsächlich die gesamten tausend Quadratmeter Garten umgebuddelt, und dann die Erde dort, wo sie zuviel war, dahin transportiert, wo sie fehlte. Und den Garten eingeebnet. Mit einer Wasserwaage. Ist echt wahr.

Eine von den Bienen der Imker hier in der Gegend kommt vorbei, setzt sich in eine Butterblume zu meinen Füßen und beginnt zu sammeln. Ich denke darüber nach, dass nun bald ein kleines Tröpfchen Honig in einem der Gläser sein wird, das seinen Ursprung hier in meinen Garten hat. Früher hätte es keine Blumen hier gegeben. Der Gatte hatte Rollrasen ausgelegt und hat jedes Unkräutlein akribisch herausgerupft. Inzwischen hat er das aufgegeben. Der Rasen ist jetzt mehr bunt als grün. Die Schildkröte freut‘s.

Als die Kinder noch klein waren, sind sie im Winter mit ihren Schlitten den Abhang hinunter gesaust. Wer am weitesten kam, hatte gewonnen. Bis zu dem Ahorn haben sie es nie ganz geschafft. Aber fast.

Meine blaue Sommermotte setzt sich auf mein Bein, bleibt eine Weile sitzen und zittert mit den Flügeln. Ich weiß nicht, was sie mir sagen will.

Später dann haben die Kinder im Garten Fußball gespielt. Irgendwann habe ich meine Ambitionen eines blühenden Gartens zugunsten von Fußballtoren und hunderten von Lederbällen in allen Ecken aufgegeben. Josie hat das geliebt. Josie war der Nachbarshund. Sie ist immer auf der Höhe des Balles mitgelaufen – auf ihrer Seite des Grundstücks. Abends war sie dann müde, und das Unkraut auf ihrer Laufstrecke war weg. Josie ist auch schon lange tot. Genau wie meine Bessi. Bessi fand Bälle nicht ganz so spannend. Mir zuliebe hat sie ab und zu mal einen Ball vorbei gebracht, aber ihr Herz hing nicht daran. Dafür ist sie mit mir Gassi gegangen. Im Garten. Wenn ich den Rasen gemäht habe. Auf und ab, auf und ab, immer hinter mir und dem feuerspeienden Ungeheuer namens Rasenmäher hinterher. Sie war meine beste Freundin.

Die himmelblaue Sommermotte hebt von meinem Bein ab, als ein Tropfen direkt neben ihr landet. Ich habe nicht einmal gemerkt, dass ich weine. Die Kinder sind groß, mein Hund ist, daran glaube ich, im Himmel. Bei meiner Oma, die beiden haben sich geliebt. Zwei alte Damen am Schluss, beide mit grauen Haaren. Meiner Oma, die sonst wirklich keinerlei Erscheinungen dieser Art zeigte, fiel beim Essenkochen öfter mal ein Stück Wurst aus ihren plötzlich zitternden Händen, wenn meine Bessi daneben stand. „Das Alter“, sagte sie dann entschuldigend, und Bessi und sie grinsten sich verständnisinnig an.

Die Schildkröte kommt vorbei und stupst mich mit ihrem Kopf an, bevor sie zur nächsten Blüte wandert. Es wird wohl der letzte schöne Tag sein, an dem ich hier in meinem Garten sitzen kann. Einer der letzten Tage, an dem dieses hier mein Garten sein wird. Bald wird das alles vorbei sein. Andere Menschen werden hier wohnen, andere Erinnerungen werden geschaffen. Die Schildkröte wandert plötzlich in Richtung des Hauses. Sie ist jetzt satt. Ich halte Ausschau nach meiner Sommermotte. Sie fliegt jetzt um den Gartenzaun herum, dort, wo früher immer Josie stand und schwanzwedelnd auf meine Kinder und deren Fußbälle wartete. Und sie ist nicht alleine. Eine zweite himmelblaue Sommermotte flattert im strahlenden Sonnenschein um sie herum.

Ich schaffe das.

Ich will das glauben.