Herzlichen Glückwunsch!

Heute vor zwei Jahren hat mich meine Hundeprinzessin mit zwei allerliebsten Welpen überrascht. Naja, eigentlich nur mit einem – der zweite kam nach Mitternacht. Und war dann auch nicht mehr so die Überraschung.

Ich bedaure immer noch, dass ich diese knuddeligen kleinen Kerlchen gar nicht wirklich genießen konnte. Ich meine, wie oft hat man schon mal so winzige Welpen von Anfang an? Stattdessen musste ich irgendwie herausfinden, wie man Arbeit und Hunde so ausbalanciert, dass nichts zu kurz kommt. Und außerdem musste ich ganz schnell alles Mögliche über Welpen lernen. Ich meine – ich wollte keinen. Wirklich nicht. Die Frau, von der ich die Prinzessin hatte, hatte mir ja einen angeboten, einen 13 Wochen alten Bulldoggenwelpen, und ich hatte ihn kategorisch abgelehnt – worauf sich die Prinzessin auf meinen Schoß setzte und „Dann nimm doch mich“ meinte. Ich wette, wenn sie gekonnt hätte, hätte sie gegrinst, als ich es wirklich tat.

Interessanterweise hat auch der Tierarzt vier Tage vor dem 25. November (bei einer Darmuntersuchung!) nicht bemerkt, dass die Süße hochträchtig war. Als sie bei meiner Schwägerin begann, Nester zu bauen, haben wir immer noch nicht begriffen, was sie uns sagen wollte (jaaa… hinterher, da schon!!!). Selbst als sie dann spätabends anfing zu pressen und ich eine Minute später ein kleines, schwarzes Etwas unter meinem Bett liegen hatte, konnte ich es noch nicht glauben. Nicht wirklich.

Inzwischen ist meine Prinzessin im Hundehimmel. Ich vermisse sie jede Minute, aber ich bin froh und dankbar, dass sie mir ihr Töchterchen hier gelassen hat. Auch ihrer Schwester geht es gut. Sie ist bei einer Freundin gelandet, die kurz zuvor ihren kleinen Hund verloren hatte. Sie versorgt mich mit Bildern und Informationen („…sie hatte wieder eine Ohrenentzündung!“ – „Oh, dann ist meine ja auch bald wieder dran…“). So im Nachhinein ist doch alles gut gegangen. Aber in jener Nacht vor zwei Jahren konnte ich das nicht so richtig glauben.

Was zu tun ist

Vermutlich sollte man vor dem Schlafengehen nicht zuerst einen Tatort sehen und dann noch schnell ein Youtube-Kunst-Tutorial. Ich habe danach wirklich merkwürdig geträumt und wachte von einem Gefühl der Dringlichkeit beseelt auf, unbedingt die Jacke von Matthias Schweighöfer malen zu müssen.

Die Lederjacke.

In rosa.

Mit Ölpastellkreiden.

Als ich davon aufwachte, dachte ich, das sei die Art Traum, die man sofort wieder vergisst, wenn man sie nicht aufschreibt (aber um ihn aufzuschreiben war ich viel zu müde) – doch tatsächlich erinnerte ich mich auch noch beim Aufstehen daran. Die Ölpastellkreiden wären hier… aber besitzt Matthias Schweighöfer überhaupt eine Lederjacke? Und warum muss die unbedingt rosa sein? Und wieso überhaupt Matthias Schweighöfer? Ich habe nie bewusst einen Film mit dem gesehen (Nicht persönlich zu nehmen. Tatsächlich gucke ich sehr wenig Fernsehen. Wenn, dann mal eine amerikanische Haus-Aufmotz-Sendung, bei der die Frauen immer „Oh my Gosh“ brüllen und dann in Tränen ausbrechen, weil die Designer das offene Raumkonzept verwirklicht und alle Wände eingerissen haben, weshalb man jetzt vom Klo aus mit dem Liebsten in der Küche quatschen kann und nie, nie, niemals wieder etwas unaufgeräumt herumliegen lassen darf, ganz zu schweigen vom Anbrennen des Essens. Dann ist gleich das ganze Haus verpestet. Ich kann die Tränen irgendwie verstehen!)

Ich glaube, ich male was anderes.

Lieber Matthias, wenn Du das hier liest und wirklich dringend Deine Lederjacke in Ölpastell verewigt haben willst, sag Bescheid. Ansonsten versuche ich den Traum schnell zu vergessen.

Und heute Abend gucke ich Harry Potter und zum Abschluss noch ein Kekse-Back-Tutorial. Ich bin sicher, ein paar selbstgebackene Kekse würden Lord Voldemort gnädiger stimmen…

Spanische Grippe

Heute unterhielt ich mich mit meinem Sohn über die sogenannte „Spanische Grippe“ und wieviel schneller sich das heutige „Covid-19“ dagegen wohl ausbreiten kann. Mein Sohn, für den hundert Jahre ziemlich viel ist, konnte sich nicht so ganz vorstellen, dass auch die Spanische Grippe eine weltweite Pandemie war (und das, obwohl ich vorschlug, man müsse von China aus nur nach Westen husten!). Um meine Meinung zu untermauern, googelte ich die Spanische Grippe und habe richtig viel dazu gelernt. Zuerst einmal:

  • Damals lebten auf der Erde 1,8 Milliarden Menschen. Etwa 500 Millionen von ihnen infizierten sich vermutlich, und von denen starben laut WHO zwischen 20 Millionen und 50 Millionen. Schätzungen gehen allerdings weit höher.
  • Fun Fact über die Spanische Grippe: „…spätere Studien zeigten, dass das Verbot von Massenveranstaltungen und das Gebot, einen Mund-Nasenschutz zu tragen, die Todesrate in amerikanischen Großstädten um bis zu 50 Prozent senkte…“ Das war 1918!!! Ich meine, diese Covidleugner lesen doch sonst allen Scheiß und glauben ihn. Warum nicht mal DAS? In dem Zusammenhang gab es da auch noch das Foto hier:
Bild: Wikipedia

Unterschrift: Ein Schaffner verweigert Fahrgästen ohne Schutzmaske die Mitfahrt (Seattle, 1918). Covidioten gab’s damals wohl noch nicht. Vielleicht nannte man sie Spanidioten.

  • Ach ja, und man vermutet inzwischen, dass die Spanische Grippe wohl in Amerika ausgebrochen ist. Und dass sie ursprünglich von der Vogelgrippe abstammt, mit der sie Ähnlichkeit hat.
  • Interessant an der Spanischen Grippe war auch, dass die älteren Leute nicht so oft starben wie die Gruppe der 20 bis 40-Jährigen. Man hat da so einen Verdacht: in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts gab es eine weitere Pandemie, die eventuell auf einem ähnlichen Virus beruhte (genau kann man das natürlich nicht mehr sagen). Wenn das aber so wäre, könnte es natürlich sein, dass die älteren Menschen einfach schon einen Schutz gegen das Virus entwickelt hatten.
  • Auch lustig: 1951 gelang es Wissenschaftltern, Opfer der Spanischen Grippe zu exhumieren und aus ihnen ein vollständiges „Spanisches-Grippe-Virus“ zu isolieren. Und Jahre später dieses auch zu rekonstruieren. Bis 2005 lag dieses Virus wohlverwahrt in einem Kühlschrank (neben der Cola) in Atlanta, aber seitdem bekommt man es auf Anfrage auch zugesandt. Das klingt fies, wenn ich das so schreibe. Tatsächlich lag das Virus nicht neben der Cola (aber neben der Fanta) sondern in einem Hochsicherheitslabor in Atlanta. Und auch um das Virus zu bekommen, muss man ein Hochsicherheitslabor besitzen. Aber trotzdem…
  • Ach ja, und das Allerlustigste: Unter den prominenten Toten der Spanischen Grippe befand sich ein Herr namens Frederick Trump, seines Zeichens (aber dafür konnte er nichts!) Opa des baldigen Ex-Präsidenten der USA. Ja. Derjenige, der der Meinung ist, so tödlich seien Viren ja gar nicht.

Und dann gab es da noch dieses Bild; auch über hundert Jahre alt:

Bild: Wikipedia

Wie ich meinem Sohn sagte: Hundert Jahre sind eigentlich… nichts…

Der deutsche Wald

So sehr ich es liebe, durch den Wald zu laufen, so stört es mich doch, dass ich nie ein Foto hinbekomme, das genauso ist, wie ich es mir vorstelle. Natürlich fehlt mir einerseits das passende Equipment (ich jammere immer noch meiner Vor-digital-Ausrüstung hinterher), andererseits habe ich manchmal das Gefühl, der Wald will mich einfach veräppeln. Wenn ich mir die Fotos zuhause in Ruhe ansehe, entdecke ich statt der erhofften scharfen Aufnahmen den verwackelten Hintern eines Rehs oder einen Parasol, der sich in photobomberischer Absicht einfach vor die Gruppe Steinpilze gedrängt hat, die ich eigentlich fotografieren wollte. Interessanterweise hält der Wald still, wenn ich seine weniger schönen Seiten fotografieren möchte. Vielleicht ist das auch kein Wunder – an diesen Stellen ist er ja schon tot.

Was man hier sieht, sind die Schäden, die eine verfressene Bande Borkenkäfer mit einem Stück Monokultur anstellt. Solche Stellen gibt es hier überall. Manchmal sieht man zwischen den kahlen Stämmen kleine Lauben und versucht sich vorzustellen, wie es mal gedacht war. War vielleicht mal hübsch. Inzwischen sind beinahe die einzigen Nadelbäume, die es hier noch gibt, diejenigen, die sich in den Teilen des Waldes selber ausgesäht haben, die man Jahrzehnte lang in Ruhe gelassen hat. Man sollte meinen, das überzeugt die Holzbauern, aber nein – die nächste Generation kleiner Fichten in Monokultur haben wir auch schon gesehen. Sie sind bereits gefressen worden, und waren noch keine zwei Meter hoch.

Andererseits ist es natürlich möglich, dass die unverbesserlichen Fichten-Monokultur-Befürworter einfach Mitglieder einer geheimen, vermutlich afrikanischen Sekte sind. Oder atlantisch. Ich denke, ich bin da einer ganz heißen Sache auf der Spur. Diese Borkenkäfer tun nämlich noch etwas anderes, als ihre Kumpels mittels ausgeklügelter Hinweise mitzuteilen, wo es das beste Essen gibt. Oh ja… sie schnitzen auch geheime Beschwörungen und Nachrichten in die Stämme, die man erst sieht, wenn man sich entweder unter die Borke begibt, oder, in meinem Fall, wenn die Borke abfällt:

Ehrlich… auch wenn die Viecher sehr unbeliebt sind und den Wald (der ja nicht mal ein Wald ist, sondern nur eine Holzwirtschaftsfläche) kaputt machen – irgendwie sieht das wahnsinnig schön aus…

Grünkohl!!!

…war mein erster Gedanke, als ich heute morgen zur ersten Pipirunde mit dem Hund aus der Haustür trat. Ich freue mich schon seit Wochen auf Grünkohl, und tatsächlich zeigte sich unser beschauliches Dörflein mitsamt der Weiden und Wälder – und der Autoscheiben! – über Nacht von einer dicken Frostschicht überzogen. Eigentlich müssen die heutigen Grünkohlsorten gar nicht mehr unbedingt Frost bekommen, da die Bitterstoffe weg gezüchtet wurden, aber im Gegensatz zu Norddeutschland ist Grünkohl hier anscheinend nicht sehr verbreitet. Jedenfalls nicht in den Geschäften. Und nicht vor dem ersten Frost. Ich hoffe mal, dass sich das jetzt ändert.

Am liebsten wäre mir übrigens frisch tiefgekühlter Grünkohl, weil mein Riesentopf nicht hier ist, und man benötigt nunmal einen Riesentopf, um die Unmengen an frischem Grünkohl zu einer kleinen Handvoll fertig gekochtem Grünkohl zusammenfallen zu lassen. Beim tiefgekühlten Grünkohl spart man sich das.

Ich weiß genau, ich wollte irgendwas über die Schönheit des weiß überzuckerten Grases schreiben, über die wie Diamanten funkelnden Wassertropfen dort, wo die Sonne den Frost weg getaut hat, und über die Kühe, die Gras auch gefroren noch lecker finden (und außerdem bringt der Bauer jeden Tag Kraftfutter auf die Weiden). Stattdessen denke ich darüber nach, dass man Pinkelwurst hier wohl nicht bekommen wird und ich stattdessen mal nach Kohlwurst gucken sollte. Und dass Kassler gerade im Angebot ist.

Es ist elf Uhr. Und ich habe jetzt Hunger…

Schockverliebt

Bisher war es immer nur ein Witz, wenn ich behauptet habe, ich bräuchte dringend Minischweine, Alpakas oder Zwergziegen. Ich meine, wie kann man so etwas Süßes wie ein Minischwein nicht brauchen?

Jetzt ist es allerdings ernst. Ich benötige dringend und ohne irgendeinen Zweifel Walliser Schwarznasenschafe. Ein paar davon. Und zwar deshalb:

Bild: Pinterest

Ehrlich, wie kann man so etwas NICHT dringend benötigen?

Der Peavy hat Gebuuurtstag…

„…tralalalalalaaaaa“

Okay, klingt vielleicht nicht besonders melodisch. Besonders, wenn ich schreibe, statt real zu singen (oder vielleicht ist das auch Glück). Aber für ein reales Ständchen hat er heute keine Zeit, wo er doch arbeiten muss. Darf. Will. Äh… wo er doch heute arbeitet.

Eigentlich sollte so ein halbes Jahrhundert ja wie verrückt gefeiert werden, aber dieses Jahr wird das wohl nichts. Wobei man ja auch den einundfünfzigsten Geburtstag feiern kann. Der ist ja sogar noch viel toller als der Fünfzigste. Egal, jedenfalls wird er heute fünfzig, und das feiern wir hiermit. In Gedanken.

Alles Gute und bleib, wie Du bist. Genauso. Du bringst Farbe ins Blogleben (besonders, wenn Du Bilder von Deinen Haaren oder Tattoos postest. Aber auch so). Du bringst auch Bulldoggen, Chilischoten und Esel ins Blogleben. Bei „Musik“ bin ich nicht so ganz sicher. Also, zumindest sind das Videos, und sie sind laut. Hat was.

Bild: Postkarte

Feier schön 🙂

Der frühe Vogel… macht Krach

Heute morgen bin ich, schon um halb sieben aufgestanden – weil der Hund pinkeln musste und aus Corona-Gründen. Besonders aus letzteren. Ich dachte, im Dunklen hat Samstags niemand Lust einzukaufen, und so war das auch. Die wenigen Kunden wankten ebenso verschlafen wie ich zwischen Klopapier und Brotaufstrich hin und her, und die Einhaltung des Mindestabstands war ausnahmsweise mal gar kein Problem. Die einzigen Personen, die wirklich wach waren, waren die Verkäufer, die emsig die Radieschen und den Käse in die Regale füllten.

Ich glaube, solange Corona uns derart in den Fängen hat, werde ich immer um diese Uhrzeit einkaufen. Das ist auch kein Problem, da ich ansonsten ja ein sehr entschleunigtes Leben führe. Nicht so ganz freiwillig, muss ich sagen. Ich hatte mir eigentlich schon vorgestellt, dass ich einen Job finde, aber da kam einiges zusammen und es klappte nicht. So ist zum Beispiel mein Auto kaputt gegangen. Ein Auto brauche ich aber, um von unserem Wohnort am hintersten Ende von Nirgendwo an irgendeinen Ort zu kommen, an dem es Jobs gibt. Ich müsste also ein neues Auto kaufen. Das kostet Geld. Und dafür braucht man einen Job…

„Nimm mein Auto“, sagt der beste Mann von allen, und fügt hinzu: „Ich kann auch mit der Bahn fahren. Wenn du mich morgens um halb sechs zum Bahnhof fährst!“

Bisher habe ich sein Angebot noch nicht angenommen. Außerdem gibt es auch gar keine Jobs, nicht, solange Corona uns vorschreibt, wo wir unsere Zeit verbringen sollen. Es sei denn, man füllt morgens um sieben Supermarktregale auf; die Supermärkte dürfen ja offen bleiben. Wäre eigentlich auch okay; besser als gar nichts. Im Moment gibt es allerdings genügend Supermarktregalauffüller, aber vielleicht ändert sich das ja bald mal.

Aber da ist auch noch der kleine Hund. Seit ihre Mami nicht mehr da ist, mag sie nicht mehr alleine bleiben. Da muss man schrecklich weinen und, wenn das nichts hilft, Dinge kaputt machen. Wir üben, das in den Griff zu bekommen. Vielleicht wäre ein zweiter Hund eine Lösung (und es wäre eine sehr knuddelige, liebenswerte, ganz großartige Lösung!) aber natürlich könnte es auch sein, dass man zu zweit einfach viel lauter weinen und die Möbel viel schneller kaputt machen kann. Ich bin da etwas unsicher.

Nachdem ich mich einmal aus dem Bett gewälzt hatte, war es wirklich schön, so früh aufzustehen. Die vielleicht hundert Bewohner unseres Dörfleins schliefen noch – also, die menschlichen Bewohner. Die rote Katze von nebenan war noch fleißig am Arbeiten und irgendwo im Wald verabschiedete sich ein schläfriges Käuzchen mit einem leisen „Schuhuuuu“ von der Nacht. Ich kam mir in dieser Idylle vor wie ein Störenfried, als ich den Automotor anstellte. Dafür stehen jetzt aber die Brötchen auch auf dem Tisch, der Hund hatte sein Frühstück und ich… ich glaube, ich gehe einfach wieder ins Bett.

Hab ja Zeit…

Bibliophil

Es ist Herbst. Zeit, die dicken Socken herauszuholen (oder, wie in meinem Fall, überhaupt Socken herauszuholen) und dafür die T-Shirts bis zum nächsten Jahr ganz hinten im Schrank zu verstauen und stattdessen die selbstgestrickten Pullover in Reichweite zu legen.

Die Zeitschriften reagieren wie jedes Jahr auf den Beginn des Herbstes: Sie malen Bilder von kuscheligen Abenden auf dem Sofa am Kaminfeuer, eingewickelt in eine warme, selbstgestrickte Decke (Strickanleitung auf Seite 54), mit einem schönen Tee, einem Teller voller Kekse (die Bikinifigur wird dieses Jahr nicht mehr benötigt) und ein paar guten Büchern. Die Sommerbücher, zu lesen unter Sonnenschirmen am Strand oder, dank Corona, auf dem heimischen Balkon, verschwinden zusammen mit den T-Shirts im Schrank und werden durch gehaltvollere Herbstlektüre ersetzt. Krimis sind klasse zu dieser Jahreszeit, vielleicht, weil Mord und Totschlag, eingemummelt in eine warme Decke, sich einfach viel entspannter anfühlen als in der Hängematte. Beliebt sind derzeit auch Familiengeschichten, gerne auch etwas opulentere. Das ist wie mit dem Essen, glaube ich. Im Sommer verträgt man eher die leichteren Varianten, aber in der kalten, dunklen, durch Kaminfeuer erleuchteten Jahreszeit kann es ruhig etwas Kräftigeres sein. Die Buddenbrooks beispielsweise sind so eine Art literarischer Grünkohl; „Krieg und Frieden“ gar die Ente mit Rotkohl (und der Füllung bitte so, wie Oma sie machte!). Dazu noch ein paar schöne Bildbände als Nachtisch, und man kann ziemlich sicher sein, den Herbst gut zu überstehen.

Ich bin noch nicht sicher, was ich in diesem Herbst lesen werde. Ich bin spät dran; der Sommer war so schön, dass ich mich nicht davon trennen konnte. Ich habe auch nicht viele Bücher hier; nur die, die mir die Allerliebsten sind, haben es schon den weiten Weg hierher geschafft. Die Auswahl mutet wohl eher absonderlich an. So liegt im Flur „Robbi, Tobbi und das Fiewatüt“, im Schrank steht „Der Herr der Ringe“, ein Stapel „Tim und Struppi“ – Hefte hat es nebst einigen Asterixausgaben (sowie einem Petzi-Buch) immerhin schon ins Gästezimmer geschafft, und auf dem Nachttisch (der Ort mit der wärmsten Decke) befindet sich mein E-Book-Reader, auf dem nicht nur die Gesamtausgabe der Werke von Agatha Christie zu finden sind, sondern auch Bücher von Joss Stirling, Marah Woolf und diverser Indie-Autoren, die manchmal tatsächlich überraschend gut sind (und wenn nicht, hat man nicht viel Geld ausgegeben, um das herauszufinden).

Ein paar spannende Bücher habe ich aber doch gefunden, die ich gerne gedruckt in der Hand halten würde. Da gibt es „The Five“ – das Leben der Frauen, die von Jack the Ripper ermordet wurden“ von Hallie Rubenhold. Die Autorin beschäftigt sich mal nicht mit der Frage „Wer war der Mörder“, sondern erzählt vielmehr anhand der Beispiele der Opfer, wie das Leben damals für die ärmeren Menschen in London war. Ich habe den Anfang bereits gelesen und es verspricht, eine faszinierende Millieustudie zu werden.

Dann habe ich da noch „Berlin – Anfänge einer Großstadt“ von Thomas Böhm gefunden; Erzählungen (und ebenfalls Millieustudien, aber von Zeitzeugen) von vor über hundert Jahren, nur eben nicht ganz so britisch, und vermutlich auch nicht ganz so mörderisch.

Und dann… ich weiß nicht, ob das Buch gut ist, aber es ist ein Bildband von der Sorte, die gut sein KÖNNTE, wenn man wie ich verrückt nach Büchern ist: „Do you read me?“ von Marianne Julia Strauss, eine Sammlung besonderer (und vielleicht auch besonders schöner?) Buchläden. Ich liebe Buchläden. Auch wenn ich meinen E-Book-Reader nicht mehr missen möchte, so ist ein Buchladen, ebenso wie eine Bibliothek, doch immer ein Ort für mich, wie er anregender und gleichzeitig beruhigender; wie er herrlicher kaum sein kann.

Ich bin absolut dafür, dieses Wohnzimmer hier umzubauen, damit es meinen Bedürfnissen entspricht. Eine Idee dafür habe ich schon:

Bild: Reddit

Nur sollten die Tische und Stühle weg, und stattdessen gehört da ein riesiges, flauschiges Sofa hin, mit Kuscheldecke und Tee. Und vielleicht einer schnurrenden Katze.

Das wäre der Himmel für mich.

Farblich divers

Meine Freundin meldet sich über Whatsapp und fragt, was sie tun soll. Zwei Kinder aus der Nachbarschaft haben ihren Sohn zum „draußen spielen“ abgeholt. Nach einiger Zeit kam der Kleine wieder rein und war total gekränkt. Die beiden – sieben Jahre alt, wie er – haben ihn als „blöden Braunen“ bezeichnet. Tatsächlich hat das Kind von seiner leiblichen Mutter sanft gebräunte Haus vererbt bekommen – wie meine Freundin selber übrigens auch, wenn man GANZ genau hinsieht. Ihr Vater ist Inder. Jedenfalls ist sie entsetzt, und weiß nicht, wie sie reagieren soll.

Ich auch nicht.

Tatsache ist, dass meinen Kindern, die eindeutig schwarzhaarig und braunäugig sind, so etwas bis zum Gymnasium erspart geblieben ist. Und danach haben sie es mir nicht mehr sofort erzählt, sondern erst Monate bis Jahre später. Dann, wenn sicher waren, dass ich NICHT sofort hinstürme und mich peinlich benehme.

Nun ist das so, dass ich „Dank“ meiner Gesichtsblindheit nicht besonders auf Hautfarben achte. Ich kann es nicht mal. Sollte ich jemals als Zeuge vorgeladen werden, würde sich das wahrscheinlich so anhören: „Er… naja, ich glaube, es war ein ‚Er’… hatte eine Nase und zwei Augen, da bin ich ziemlich sicher. Haare? Keine Ahnung. Vielleicht. Oder möglicherweise auch nicht“. Solche Kleinigkeiten wie Hautfarben entgehen mir gerne mal ganz. Tatsächlich habe ich erst in der Grundschule gelernt, dass es so etwas wie „bessere Menschenrassen“ gibt. Unsere Lehrerin nämlich, die etwas Gutes tun wollte, teilte uns salbungsvoll mit, dass „Türken und Neger tatsächlich auch Menschen“ seien, genau wie wir. Ich bin nicht sicher, wie das auf meine Klassenkameraden gewirkt haben mag; mich jedenfalls brachte es überhaupt erst auf die Idee, dass das auch anders sein könnte.

Selber lernte ich Rassismus dann erst kennen, als ich mich in einen Perser verliebte. Die Angestellte der Ausländerbehörde behandelte mich wie den letzten Dreck, als ich mich beim Buchstabieren des Nachnamens meines Partners versprach (sie bepöbelte mich, ich sei wohl Analphabetin, aber hey… den Namen KANN man weder buchstabieren noch aussprechen, dazu ist er zu persisch!!!). Und ich war sogar blond und blauäugig und hatte NUR den unverzeihlichen Fehler begangen, mich in einen Ausländer zu verlieben. Was mussten dann erst die richtigen Ausländer bei dieser Megäre erleben?

Einer meiner Söhne wurde, seit er fünfzehn Jahre alt ist, grundsätzlich von der Polizei angehalten (und grundsätzlich wieder laufen gelassen) weil „die Täterbeschreibung genau auf Sie passt“. Dass es keinen Rassismus bei der Polizei gibt, ist wohl ein Witz. Einmal kam mein Sohn total frustriert nach Hause. Sein Kumpel (noch viel dunkelhäutiger als er) kam aus der Haustür und wurde sofort als Tatverdächtiger für irgendwas „geschnappt“ – und: „Mama… er hielt das Butterbrot noch in der Hand, das ihm seine Mami gerade geschmiert hatte“. Damals hätte ich heulen können. Genauso, als mein Sohn (der das irgendwie witzig fand) mir erzählte, dass sein Kunstlehrer seinem blonden, blauäugigen Kumpel für ein Bild eine Eins minus gegeben habe. Und ihm, als er zwei Stunden später mit demselben Bild zu dem Lehrer ging, eine Vier minus. Der Lehrer war bekannt für seine rassistischen Ausfälle, aber das… mein Sohn hat es mir auch sicherheitshalber erst Jahre später erzählt.

Und jetzt der Lütte meiner Freundin. Gut, ich glaube nicht, dass die Kinder diesen Spruch irgendwie rassistisch gemeint haben. Entweder haben sie ihn nachgeplappert (was schlimm genug ist) oder sie suchten einfach einen Grund zum Streiten und der rote Pullover war nicht hässlich genug. Ich habe – ich weiß nicht, ob es richtig war – meiner Freundin gesagt, sie solle kein Drama draus machen, dann wird es auch keins. Sie solle nur erwähnen, dass es langweilig wäre, wenn alle Menschen gleich aussähen, und dass seine Hautfarbe ebenso gut ist wie die der beiden Kinder oder wie die vom afrodeutschen Kinderarzt, und „jetzt geht das Playmobil aufräumen. Das ist viel wichtiger. Heulen kannst du, wenn Dein Kind schläft.“

Und zehn Minuten später standen die beiden Kinder sowieso wieder vor der Tür und fragten, ob ihr Sohn nicht DOCH zum Spielen rauskäme…