Tierisch vegan

Ein veganes Kind zu haben, ist großartig. Also, eigentlich ist natürlich nicht das Kind vegan, das besteht schon größtenteils aus Fleisch (und tierischen Nebenprodukten, wie es immer auf den Hundefutterdosen heißt. Also – hieß. Ich habe die Marke gewechselt). Aber sein Lebesstil ist vegan, und wenn es zu Besuch kommt, dann beschäftige ich mich vermehrt mit dem Thema. Besonders im Supermarkt, ich will ja nicht, dass es Hunger leiden muss. Und ich lerne immer Neues.
Wenn „vegan“ auf der Packung steht, dann ist auch vermutlich vegan drin. Oft steht aber auch nicht „vegan“ drauf. Das heißt, wie ich inzwischen weiß, nicht, dass etwas nicht vegan ist. Es kann auch bedeuten, dass der Hersteller die nicht vegan lebende Zielgruppe nicht zu verschrecken wünscht. Die sind nämlich, wie es aussieht, der Meinung, dass ihnen ohne die Beimischung tierischer Produkte etwas geklaut wird, und das wollen sie nicht. Die Produkte, die immer schon vegan waren, einfach weil die Beimschung von Milchpulver keinerlei Vorteile brachte, werden inzwischen von den unveganen Menschen geschmäht. Ich hatte keine Ahnung, dass es so schlimm ist. Was ich wusste ist allerdings, dass zwischen Vegetariern und Veganern irgendwelche Animositäten herrschen. Die Veganer können den Vegetariern einfach nicht verzeihen, dass die überhaupt noch Tierisches zu sich nehmen und dann auch noch denken, dass sie etwas Gutes tun. Was die Vegetarier darüber denken, da bin ich nicht ganz sicher. Es scheint sowas wie „Ach lass mich doch in Ruhe“ zu sein.

Vor vielen Jahren entschied ich mich, kein Fleisch mehr zu essen. Das war nicht ganz einfach. Meine Oma erkundigte sich damals angelegentlich, was denn alles „Fleisch“ sei („Was? Leberwurst isst Du auch nicht? Aber Hähnchen doch, oder???“) und kochte dann Gemüse und Fleisch getrennt. Ich wurde immer satt. Im Restaurant war das schon schwieriger. Vegetarische Gerichte gab es beinahe nirgendwo, und meistens musste ich mich an einem grünen Salat und einer Pommes satt essen. Einmal ging ich in ein vornehmes Restaurant, in dem es tatsächlich ein als vegetarisch apostrophiertes Gericht auf der Karte gab. Ich bestellte es und musste dann feststellen, dass die Pilze in Speck angebraten waren.
Damals beschloss ich, im Notfall Fisch zu essen. Der Begriff „Pescetarier“ war noch nicht erfunden, glaube ich, aber mit dieser Ernährungsform fühlte ich mich ganz wohl. Besonders, da es damals kaum Vegetarier (und gar keine Veganer) in meiner Umgebung gab, die mich dafür verdammen konnten.

Unser Supermarkt hat jede Menge Veganes. Wo „vegan“ drauf steht, ist allerdings meistens etwas drin, was normalerweise eben nicht vegan ist, wie Chicken Nuggets, Sushi, Döner oder Käse. Um bei diesen Produkten die gewünschte Veganheit (oder sagt man: „Veganität“?) zu erreichen, wird zumeist kräftig in den Chemietopf gegriffen. Da ich nicht will, dass mein Kind zuviel Chemie zu sich nimmt, mache ich um die meisten dieser Produkte einen Bogen. Dafür kaufe ich Äpfel, Zwiebeln, Hummus, Pilze und Brot (DAS Brot, das ohne Butter gebacken wird!). Das meiste Obst und Gemüse ist ja immerhin vegan. Aber… nicht alles. Nein. Wirklich nicht. Feigen zum Beispiel. Die werden befruchtet, indem eine Wespe in die Blüte kriecht und dort verendet. Dann zersetzt sie sich, und in der fertigen Feige kann man keine Spuren mehr davon finden, aber trotzdem, irgendwie… also neee… das zählt nicht.
Ich habe im letzten Jahr einen Feigenbaum gekauft. Es stand nicht dran, welche Sorte das ist, und ich dachte, wenn da keine Wespe rein kriecht (weil diese Sorte Wespe hier gar nicht heimisch ist), dann gibt’s eben keine Feigen, egal, hauptsache ich habe ein schönes Bäumchen.
Mein Feigenbäumchen stand auf der Terrasse, und dann wurde es kalt. Ich stellte es sicherheitshalber in den dunklen, kühlen Hausflur. „Oh“, dachte sich das Feigenbäumchen, „hier ist es warm und kuschelig und gar nicht sooo dunkel. Es scheint Frühling zu sein!“ Und es begann, Blätter zu produzieren. Und dann, zu meinem Erstaunen, auch Feigen. Ohne irgendwelche Blüten, ohne Wespen, ohne alles. Wir haben Januar, und im Hausflur befindet sich ein voll belaubter, Früchte tragender Baum.
Das kommt mir ein wenig merkwürdig vor, aber.. egal.
Ist vegan, das ist die Hauptsache. So ähnlich wie das hier, was ich neulich auf „Reddit“ fand:

Wie gesagt, man lernt immer was Neues…

Gute Idee

Ich fand ja immer, dass mein Sohn einen Hund haben sollte. Hunde und er, das ist einfach die große Liebe, und zwar von beiden Seiten. Wenn er zu Besuch kommt, bin ich abgemeldelt. Die Hunde wünschen mit ihm zu kuscheln, mit ihm Gassi zu gehen und von seinem Abendbrot etwas abzubekommen. Allerdings, selber hat er immer noch keinen Hund. Er begnügt sich mit meinen Hunden und denen von seinen Freunden. Das hat die verschiedensten Gründe, und er hat ja mit allen recht, aber trotzdem finde ich, braucht er was zum Liebhaben und zum Drum-Kümmern.
Und was soll ich sagen – jetzt HAT er so jemanden!
Er kümmert sich um sein warmes Plätzchen, füttert ihn regelmäßig und sorgfältig und freut sich daran, wie er wächst und gedeiht. Alle paar Stunden bekomme ich Fotos und Berichte.
Und ehrlich, ich war ein wenig neidisch. Obwohl ich ja die Hunde habe, aber das ist doch nicht dasselbe.
Auf meiner Heizung steht deshalb jetzt auch wieder ein Sauerteigansatz.

Januarblues

Gestern habe ich den Weihnachtsbaum rausgeschmissen. Habe vorher sorgfältig die Strohsterne und die kleinen, rot-weißen Holzfiguren abgehängt und in ihre Kartons gepackt. Von den goldenen Kugeln ist dieses Mal eine kaputt gegangen, aber die roten sind alle heil geblieben. In dem Karton mit den goldenen Kugeln ist jetzt so viel Platz, dass ich einfach das Holz-Osterei mit hinein gelegt habe. Dann muss ich es im nächsten Jahr nicht suchen. Die elektrischen Kerzen sind einfach abzunehmen. Früher, da musste ich die Kabel ganz vorsichtig aus den Zweigen ziehen, möglichst ohne dass der ganze Baum zu nadeln anfing, und dann musste das Ganze in den Karton gepackt werden – so, dass sich nichts vertüddelte und außerdem so, dass der Karton noch zu ging. Das hat eigentlich nie geklappt. Vorletztes Weihnachten habe ich mir endlich Kerzen ohne Kabel gegönnt. Da müssen jetzt jedes Jahr neue Batterien rein, und nach Weihnachten muss ich die wieder raus nehmen. Umweltfreundlich ist das auch nicht, aber es macht viel weniger Arbeit.
Jedes Jahr versuche ich irgendwie, ein wenig von dem Zauber der Weihnachtszeit meiner Kindheit wieder einzufangen. „Himmlische Chöre jauchzen dir Ehre“ hörten wir damals. Jetzt höre ich nur noch: „Sollen wir in diesem Jahr ‚White Christmas“ spielen oder nicht? Stimmen Sie ab unter folgender Rufnummer… mobil wird es teurer“. Da jauchzt niemand mehr.
Die Kinder sind groß geworden. Statt Lego und neuer Fußballschuhe gibt es jetzt eine Haftpflichtversicherung (bestes Geschenk überhaupt) und statt erwartungsvoller Vorfreude wird ausgeknobelt, wer wann welche Bahn nimmt, wie lange man zum Umsteigen braucht und wann es am wenigsten kostet. Das Kind schlägt vor, am 24. abends um 18 Uhr zurück zu fahren, weil es da am preiswertesten ist, und dann fährt er doch einen Tag später und schafft es kaum nach Hause, wegen eines angekündigten Suizids auf seiner Strecke.
Der Weihnachtsbaum war in diesem Jahr wirklich besonders schön. Trotzdem steht er jetzt auf der Terrasse, nadelt vor sich hin und wartet auf den Tag der Müllabfuhr. Wenn die ihn nicht mitnehmen – ich habe auf der Seite unseres Abfall-Entsorgers nachgesehen, man soll ihn in viereckige Pakete von nicht mehr als einem Meter Höhe zerkleinern, aber das tu ich nicht – dann kann ich ihn auch in den Garten werfen. Ein toter Baum mehr oder weniger, darauf kommt es nicht an.
Draußen ist alles verschneit und grau. Die Lichter von Weihnachten sind längst wieder weg geräumt. Es sind auch keine Menschen zu sehen. Nur einer der Nachbarshunde rennt fröhlich im Garten herum, vorbei an Rutsche und Schaukel, die da immer noch stehen, obwohl schon seit Jahren niemand mehr damit spielt. Ich fühle mich müde und schlapp. Seit mehr als einer Woche schlafe ich nachts nicht gut, weil dieser blöde Husten einfach nicht verschwinden will.
Noch drei Geburtstage, dann noch einer und dann sollte es wieder Frühling sein. Im Frühling wollen wir an die Nordsee fahren. Darauf freue ich mich. Ein bisschen blauer Himmel blitzt gerade durch die Wolken hindurch. Der Nachbarshund hat Besuch bekommen, und er hüpft und springt durch die Gegend. Der fragt sich nie, ob er auch überall Staub gewischt hat, der Glückliche. Ein anderer Nachbar kommt gerade nach Hause. Und da ganz hinten, da holen zwei Kinder ihren Schlitten aus dem Schuppen. Ihre kleinen Gestalten in dunkler Kleidung erinnern mich an das Gemälde „Die Heimkehr der Jäger“ von Brueghel. Sie brauchen nicht mal aus ihrem Garten zu gehen mit ihrem Schlitten. Es ist so hügelig im Garten, dass das völlig reicht. Oh, jetzt kommt noch ein Hund dazu, und, wenn ich das richtig sehe, auch ein Papa. Eins der Kinder wirft sich auf den Schlitten und rast den Abhang herunter, das andere scheint mit Papa (und dem darüber sehr begeisterten Hund) einen Schneemann zu bauen. Ich denke, sie schaffen sich gerade Erinnerungen, die sie später mal durch graue Januartage tragen werden.
Sie wissen es nur noch nicht.

Monet in Köln

Gestern habe ich mein Weihnachtsgeschenk bekommen. Wir waren nämlich in Köln, wo der Beste aller Männer mich aus dem Auto warf, um selber mit den Besten aller Hunde am Rhein spazieren zu gehen, während ich mir die Monet-Ausstellung ansah. Das Ganze ist eine Multimedia-Ausstellung, so dass ich nicht ehrfurchtsvoll vor einem originalen Monet-Gemälde versinken durfte (ein Ereignis, das mir noch auf meiner To-Do-Liste fehlt). Stattdessen versank ich ehrfürchtig vor Monets Lebenslauf auf Plakaten an Wänden und multimedial bearbeiteten Bildern seiner Seerosen. Gleich am Eingang kann man auf großen Leinwänden mehrere Kunstwerke betrachten, die sich plötzlich in Punkte auflösen und herumzuwirbeln beginnen. Und verrückt, trotz aller Wirbelei erkennt man immer noch genau, dass es sich um Monets Bilder handelte. Der hätte sich gar nicht soviel Mühe machen müssen, seine Seerosen zu erschaffen. Bunte Monet-Punkte hätten es auch getan.


Ein Raum weiter befindet sich das Haus von Monet in Giverny, leider nicht im Original, sondern nachgebaut. Dafür kann man statt normaler Betten, in denen der Meister persönlich geschlafen hat, ein Monet-Bild selber dirigieren. Die aus dem ersten Raum schon bekannten Punkte fliegen dann dahin, wo man es selber wünscht, und ja, das macht Spaß. Vor dem Haus ist ein Tisch aufgebaut, an dem Kinder sitzen und malen. Dass sie da sitzen entspricht der geschichtlichen Vorlage. Zwar hatte Monet nur zwei eigene Kinder, aber sechs weitere kamen dank Monets zweiter Ehefrau dazu. Dass die Kinder allerdings so friedlich malten, darf angezweifelt werden. Monet bestimmte genau, welches der Kinder wen zu heiraten hatte, wer welchen Beruf auszuüben hatte (und Maler durfte keiner werden!) und welche Tochter im Hause zu bleiben hatte, um sich um den Haushalt zu kümmern. Obwohl ich ein großer Fan von Monet bin, gilt das nur für dessen Malerei, nicht aber seinen Charakter. Allerdings wurden seine Charakterfehler in der Ausstellung nicht thematisiert, also beließ ich es dabei.


Jedenfalls, hier in Köln saßen die Kinder und malten Seerosen, und die wurden dann eingescannt, woraufhin sie in digitalisierter Form auf dem digitalen Seerosenteich (unter der durchaus echten Brücke) schwammen.
Super Idee.

Eine weitere interaktive Idee befand sich im nächsten Raum. Man konnte sich vor ein Bild stellen und den Partner umarmen. Und dann sollte irgendwas passieren. Mein Partner befand sich gerade (mit drei entzückenden Hündchen) am Rhein. Wenn man den schon mal für irgendwas braucht… Ich befahl dann ein darob leicht verwirrtes junges Paar mit Kleinkind auf die Umarm-Stelle und hielt sie an, sich mal zu knuddeln, um meiner Neugierde Genüge zu tun. Das taten sie auch. Daraufhin explodierte das Bild in einem phantastischen Feuerwerk. Sie boten mir an, mich auch zu umarmen, aber ich lehnte höflich ab. Während ich noch so grübelnd stand (die junge Familie war längst weiter gewandert) kam ein älteres Ehepaar mit erwachsener Tochter. Erst umarmte sich das Ehepaar, dann wurde die Tochter umarmt, aber nein, kein Feuerwerk. Ich habe keine blöden Witze drüber gemacht. Wer weiß, was da bei mir alles nicht geklappt hätte?

Die letzte Station war dann ein großer „Saal“ mit Hockern, Liegekissen, und Rundum-Informationen zu Monet und seinem Leben, mit allem, was Multimedia so aufzubieten hat (inklusive toller Musik).

Leider war ich fünf Minuten zu spät für Monets Geburt gekommen. Das war an sich kein Problem, außer, dass ich durch multimedial-tanzende Bilder zu meinem Hocker gelangen musste, woraufhin mir sofort schwindelig wurde. Nachdem Monet seine Camille kennengelernt hatte, ging es mir allerdings wieder gut und ich genoß das Programm. Nur ganz am Schluss, als die Sonnenblumen begannen, sich sehr SEHR merkwürdig zu benehmen und die Musik auch etwas zu laut wurde, wurde mir wieder ein wenig schwindelig. Ich blieb dann einfach sitzen, um Monets Geburt, so kurz nach seinem Tode, einfach nachzuholen, hatte aber nicht bedacht, dass ich dann wieder inmitten schwankender Seerosen und hopsender Häuser aufstehen musste. Ich torkelte trotzdem begeistert zum Ausgang, wo es von Seerosen-Pillendosen bis zu Brücken-Schals und Monets-Lieblingsessen-Rezeptbüchern alles Mögliche zu kaufen gab. Ich hab’s mir verkniffen (obwohl ich die Schals schon toll fand).
Und dann verließ ich glücklich die Ausstellung, zitierte Mann und Hunde zu mir und wir fuhren nach Hause.

Das war mal ein wirklich tolles Weihnachtsgeschenk.

Der gepanzerte Goldschakal

Neulich, da sehe ich so im Internet unter den mir vorgeschlagenen Themen ein Bild eines Muntjaks. Kennt ihr Muntjaks? Falls nicht: Das ist so eine Mischung aus Hase, Reh und rostige Trompete (wenn die was erzählen wollen. Die klingen echt ziemlich… naja, intensiv). Keinesfalls sind Muntjaks jedoch dasselbe wie Goldschakale. Das nämlich stand darunter: „Neue Tierarten in Deutschland – Goldschakale breiten sich aus“. Oh man, dachte ich, da hat die KI ja wieder ordentlich daneben gehauen. Das tut sie recht oft, die KI, ist mir aufgefallen. Da ist ein Bild unseres Bundeskanzlers, und darunter steht: „Kronprinzessin Victoria von Schweden lackiert sich die Fingernägel“ und man sucht verzweifelt nach einem Zusammenhang. Natürlich könnte sich auch unser Bundeskanzler die Fingernägel lackiert haben, so als von Victoria erfundene Challenge. Oder unser Bundeskanzler ist Victoria, nur weiß das keiner. Aber die Chance, dass die KI da irgendwie ihre künstlichen Pfoten drin, aber absolut keinen Plan hat, ist vermutlich größer.
Das muss ihr auch aufgefallen sein. Also nicht Victoria, sondern der KI. Einen Tag nach dem Muntjak entdeckte ich folgendes Bild:

Wie süß, dachte ich, sie gibt sich immerhin Mühe, ihren Fehler zu korrigieren. Wenn auch der gezeigte Goldschakal etwas anders aussieht, als ich ihn in Erinnerung hatte. Vielleicht soll die Schildkröte ja aber gar keinen Schakal darstellen, sondern bewundert einfach nur von Weitem die neuen Goldschakale? Das würde auch diese beiden Bilder erklären, die ich jeweils einen Tag später fand:

Nachdem ich feststellte, dass die KI offenbar jeden Tag einen neuen Versuch macht, den Goldschakal einem Bild zuzuordnen, begann ich die Bilder auf meinem Handy zu speichern. Ich bin schon gespannt, welche Sorte Goldschakal morgen so dran ist.
In dem Ordner mit diesen Bildern (der Kuriositäten-Ordner!) befindet sich seit ein paar Tagen ein weiteres Bild. Nämlich dieses hier:


Ich weiß nicht ob man es erkennen kann, aber neben dem tollen Bild mit den Bienenwaben, den Kiefernzapfen und-Nadeln (oder vielleicht sind es auch Fichten; ich bin kein Botaniker) und dem verlassenen Wespennest (jedenfalls hoffe ich, dass es verlassen ist) steht ganz klein „Serviervorschlag“. Der Beste aller Männer entdeckte diese super Idee, Honig zu servieren, als er mir selbigen einfach ganz profan in meinen Tee pladdern wollte. Wie doof, wo man sich das doch so richtig schön machen kann (und ich weiß sogar, wo es mehrere verlassene Wespennester gibt!)

Übrigens ist morgen der sechste Januar. Der einzige Tag im Jahr, der zu ernsthaften Unstimmigkeiten zwischen dem Besten aller Männer und mir führt. Es ist nämlich der Tag, an dem ich normalerweise den Weihnachtsbaum abschmücke. Aber zugegeben, ich finde auch, dass Weihnachten erst vorgestern war. Wir haben noch nicht einmal die Spekulatiusse… Spekulatien… naja, diese Weihnachtskekse eben… aufgegessen. Vielleicht hält der Baum ja doch noch ein bisschen…

Frauenprobleme

Ich habe etwas Neues gelernt. Ich kann jetzt auch Läufigkeitshöschen für Hunde nähen. Da ich diverse Jahrzehnte damit zubrachte, das NICHT zu können, kann man sich vorstellen, wie besonders unwichtig diese Fähigkeit ist. Nun allerdings doch. Unser Besuchshund, der eine völlig andere Größe als meine beiden Damen hat, begann plötzlich damit, zu kleckern. Die Hosen der Bulldogge passten ihr nicht, und der Chihuahua besitzt zwar einige sexy Höschen in maritimen Look, aber die passen niemandem außer vielleicht einem Hamster. Und ich habe noch nie einen Hamster mit maritim anmutenden Höschen herumlaufen gesehen. Wenn ich es mir so überlege, habe ich überhaupt noch nie einen Hamster mit Hosen gesehen.
Jedenfalls, Madame schmierte etwas herum, und ich hatte weder Lust noch Geld, um mit einer läufigen Hündin Dessous kaufen zu gehen, also vermaß ich den Hund) wobei sie gottergeben seufzend mitmachte), setzte ich mich an die Nähmaschine und nähte etwas, was man einem Hund anziehen kann. Jedenfalls einem kleineren Hund. Ihr eher nicht so.
Der zweite Versuch war erfolgreicher, allerdings ein bisschen ZU groß. Und war nicht so niedlich, denn der Bärchenstoff war mir ausgegangen. Stattdessen habe ich mich für grüne Kreise auf beigem Grund entschieden – hauptsächlich, weil ich davon noch genug Stoff da hatte. Der Stoff mit dem Leuchttürmen wäre hübscher gewesen, aber das hätte höchstens für einen Stringtanga gereicht. Und weil Madame nun diese Nacht doch noch bei uns schläft, und weil das erste – also zweite – Höschen schon ein bisschen dreckig ist, habe ich bis eben an Nummer drei genäht.
Irgendwann in den nächsten Tagen wird die arme, kleine Kleckerhündin abgeholt. Ich werd’s hassen, sie wieder abzugeben. Ich liebe die. Die ist genauso, wie ein Hund sein sollte, mit vernünftiger Schnauze, einer vernünftigen Größe und einem Körperteil, mit dem man wedeln kann (jedem meiner eigenen Hunde fehlen genau zwei dieser Attribute). Außerdem geht sie gerne spazieren ohne die Nachbarn anzupöbeln. Das Schlimmste aber ist: Ich kann jetzt Läufigkeitshöschen für genau DIESEN Hund nähen. Für keinen anderen. Meine Bulldogge braucht ganz andere Hosen, denn sie hat keinen Schwanz, und die Kleine ist inzwischen kastriert und braucht nicht mal mehr Hosen.
Vielleicht sollte ich einfach für andere Tiere Höschen nähen. Für Hamster zum Beispiel, da scheint es eine Marktlücke zu geben. Und ich habe gerade noch den richtigen maritimen Stoff hier herumliegen…

Versehentlich

Kennt ihr Norman? Falls nicht, kein Problem. Ich kannte ihn auch nicht. Ich lernte ihn erst kennen, als ich irgendeine Weisheit über Namen und die daraus resultierenden Charaktere in mein Handy eintippte, und die Autokorrektur statt „Nomen est Omen“ „Norman isst Oma“ schrieb. Ich hatte vorher keine Ahnung von Norman und seinen merkwürdigen Gelüsten gehabt, obwohl ich natürlich das Lied „Komm wir fressen meine Oma“ kannte. Wunderbares Lied. So… poetisch.
Ich musste vorhin an Norman denken, als ich meinem Sohn mitzuteilen wünschte, dass es heute auf unserer Straße vorm Haus megaviel Glatteis gegeben hätte. Tatsächlich war es so schlimm, dass ich mit zwei dringend müssenden Hunden kaum Gassi gehen mochte. Mein Handy war darob so geschockt, dass es die Tatsachen für das empfindliche Gemüt meines Sohnes abmilderte und behauptete, die Straße sei megavoll mit Glätteisen gewesen. Falls also irgendwer seine Locken nun so gar nicht mehr unter Kotrolle hat, kommt vorbei, Hilfe liegt hier auf der Straße (aber bitte vorsichtig laufen!).
Ich weiß, dass die Autokorrektur nicht nur bei mir so hilfsbereit ist, sondern auch bei anderen Menschen. So las ich zum Beispiel vor nicht allzu langer Zeit, jemand liebe diese orientalischen Schlabberhoden (gemeint waren eigentlich Schlabberhosen), und ein anderer behauptete ernsthaft, er habe gerade seine Haare gewaschen und sei nun dabei, seine Brüste zu suchen (kleiner Tipp: die sind irgendwo zwischen Hals und Bauch. Also, meistens). Ein anderes Mal bemerkte ein Schreiber, er habe total Bock auf Bürgerkrieg, was zu Verwirrung führte, bis sich herausstellte, dass er eigentlich Fast Food wollte – von Burger King – und einer teilte der Welt begeistert mit, dass er nunmehr Papa und der kleine Nazi auf der Welt sei – was ihn vermutlich ins Grübeln kommen ließ, ob „Maxi“ wirklich ein WhatsApp-freundlicher Name ist. Nebenbei gesagt, einer meiner Söhne hat einen Namen, der WhatsApp dermaßen verwirrt, dass er anfangs immer „Hämisch“ daraus machte. Inzwischen hat er aber aufgegeben. Sollte ich jemals jemanden ernsthaft als „hämisch“ bezeichnen, wird WhatsApp das sicherlich korrigieren und ihm den Namen meines Sohnes verpassen, selbst wenn er Gertrud heißen sollte.
Aber natürlich ist die Autokorrektur nicht an ALLEM Schuld. Ich erinnere mich da an die Mama, die ihrer Familie die tieftraurige Nachricht überbrachte: „Onkel Gustav ist gestorben. LOL!“ Auf die verwirrte Rückfrage hin stellte sich heraus, sie war der Meinung gewesen, „LOL“ bedeutete „Lots of Love“ und nicht etwa „Laughing out Loud“.
Ob die Mutter die Beziehung zu ihren Kindern dadurch nachhaltig gestört hat, ist nicht überliefert. Es ist aber ziemlich sicher, dass Freund Autokorrektur manchmal so etwas im Sinn hat:

Wirklich. Ja jaaaaa…

Gerade so…

So, Weihnachten haben wir auch geschafft. Komisch, neulich war es noch ewig hin bis dahin, und auf einmal war es da, und dann auch schon wieder vorbei. Diese Zeit-Sache werde ich nie verstehen. Manchmal krümeln kleine Zeitkörnchen wie durch ein Stundenglas und ein anderes Mal brechen dicke Zeit-Gesteinsbrocken ab und poltern mit Karacho ins Tal… aber naja, ich muss es auch nicht verstehen, ich bin ja nicht Einstein.
Eins meiner Kinder ist noch hier und arbeitet vom Gästezimmer aus. Ich höre ihn, wie er Kunden ganz ernsthaft erklärt, wie untröstlich er doch sei, dass da was mit ihrer Ware nicht in Ordnung sei, und dass er sich bemühen wird, alles, alles in seiner Macht stehende zu tun, um ihnen zu helfen… Eigentlich ist das gar nicht sein Job, aber er macht ihn trotzdem gut, und sehr, sehr glaubwürdig. Ich bin wirklich stolz auf ihn.
Weihnachten war schön; mir hat es gefallen. Komisch war nur, dass meine Keksausstecher nicht zu finden waren; lediglich ein Keksstempel mit „Frohe Ostern“ fand sich in der Speisekammer. Die veganen Kekse sind daher in diesem Jahr Marmeladenglas-Öffnungs-förmig. Das geht auch.
Jetzt ist erstmal Pause, die Zwischen-den-Jahren-Pause nämlich, und dann… mal gucken. Bestimmt wird 2025 toll. Ich hab ein paar Sachen auf meiner To-Do-Liste, zum Beispiel ein Aquarell zu malen. Bin ziemlich gespannt, ob ich das hinbekomme, aber ich habe ja 365 Tage Zeit dazu. Da wird ja wohl irgendwas funktionieren.
Also, bis dann erstmal…

Unser Ende der Welt

Ich erinnere mich daran, wie in Hamburg mal der Strom ausfiel. Ich arbeitete damals in einem Restaurant, und es war nicht leicht, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Kein warmes Essen, die Kühltruhen durften sicherheitshalber nicht geöffnet werden (man wusste ja schließlich nicht, wie lange der Stromausfall dauern würde), kein Abwasch, kein Orangensaft – und natürlich keine Kassen. Wir verkauften, wenn ich mich richtig erinnere, Kuchen, Brot und Aufschnitt, und berechneten die Preise per Hand. Das ist jetzt mehrere Jahrzehnte her.

Heute morgen um 5:30 Uhr klingelte hier das Handy des Besten aller Männer. Da er darauf grundsätzlich nicht hört, grabbelte ich im Halbschlaf nach dem Lichtschalter meiner Nachttischlampe. Und stellte fest, dass selbige nicht funktionierte. Ich stand also im Dunklen auf und warf einen Blick aus dem Fenster. Das ganze Dorf lag in tiefster Dunkelheit. Keine um halb sechs aufstehenden Menschen in Badezimmern, kein Kaffeekochen in den Küchen und vor allem keine Weihnachtsbeleuchtung. Ich war nicht überrascht. Hier in unserem Dorf passiert das andauernd. Mal kippt ein Baum auf die Leitung, ein anderes Mal vergisst der Stromversorger, dass es unser Dorf überhaupt gibt. Wenn so etwas tagsüber passiert, kann man immer dasselbe beobachten: Zuerst einmal wird es totenstill im Dorf. Die acht Rasenmäher, drei Heckenscheren und 24 Holzhäcksler stellen alle gleichzeitig den Betrieb ein. Nach einer Weile, in der man das Gefühl hat, die Welt wäre mal kurz zum Stillstand gekommen, hört man plötzlich einige Vögel zwitschern. Ein paar Hunde beginnen verwirrt zu bellen und dann vernimmt man plötzlich menschliche Stimmen: „“…bei euch auch kein Strom?“ – „Neee, ist wohl im ganzen Dorf…“
Natürlich ist man hier nicht gewillt, so etwas unwidersprochen hinzunehmen. Anstelle der strombetriebenen Rasenmäher werden Benzinrasenmäher oder uralte Handspindeln aus der Garage geholt. Hecken kann man auch ohne Strom schneiden und Holz wird dann eben mit der Axt zerkleinert. Geht alles, und außerdem, man kennt das ja. Und hat sich damit längst arangiert.

Heute morgen also wanderte ich im Dunklen zum Bad, ertastete meinen Weg zur Toilette und wollte es mir gerade gemütlich machen, als der Strom plötzlich wieder da war. Meine Nachttischlampe ging an, ebenso die Stehlampe an meinem Arbeitstisch (ein merkwürdiges Patent, das immer an geht, wenn man es neu an eine Stromzufuhr anschließt). Im Wohnzimmer sahen sich völlig übermüdete Fische plötzlich mit grellem Aquariumlicht konfrontiert und die eine Alexa-gesteuerte Lampe leuchtete ebenfalls auf, Alexa selber aber bekam das nicht mit, da sie verzweifelt nach dem WLAN suchte – welches allerdings mehr als 15 Minuten brauchte, um sich von diesem Schock zu erholen.
Ich tat, was man morgens in aller Herrgottsfrühe im Bad eben so zu tun pflegt und dann kochte ich erstmal Kaffee – ganz schnell, bevor sich der Strom das wieder anders überlegen konnte.

Ich erinnere mich so gut an den einen Stromausfall in Hamburg, aber wenn ich über diesen hier nicht schreiben würde, würde ich ihn in einer Woche wieder vergessen.

Dorfleben eben.

Dumm gelaufen, oder?

Ich hatte las gerade über Leute, von denen irgendwer dachte, sie sprächen eine Sprache nicht und über die irgendwas Fieses in eben dieser Sprache gesagt wurde, woraufhin diese Leute dann ganz cool in genau der Sprache irgendwas sagten, was zu peinlich roten Köpfen führte.
Himmel, der Satz ist kompliziert, aber verständlich oder? Typ beleidigt anderen Typ in Fremdsprache, anderer Typ spricht Fremdsprache aber und rächt sich dann. Hatte ich auch mal. Ich hab mal eine Ladung Kinder zur Schule gefahren (als mein Sohn sein Bein in Gips hatte, sonst sind die mit dem Fahrrad gefahren) und stand dann da und wartete, dass die Kinder ausstiegen. Plötzlich schreit eins meiner Auto-Kinder auf – es stellte sich heraus, dass eine persische Frau gerade daabei war, rückwärts auf mein Auto zuzufahren. Sie traf dann auch meine Autotür. Sofort scharrten sich Schulkameraden von DEREN Kind (es war ein paar Jahre älter als meine) um sie und versicherten ihr, sie würden alle aussagen, dass ICH das gewesen sei, damit sie keinen Ärger bekommt. Woraufhin ich die Polizei rief, die Fotos machte. Der große Tag vor Gericht kam. Wir saßen vor dem Gerichtssaal und warteten auf unseren Termin. Die Frau unterhielt sich mit ihrem Anwalt darüber, wie sie gedachten, mich reinzulegen – auf Persisch, was ich als blonde, blauäugige Frau natürlich nicht sprechen kann, logisch. Ich war allerdings seit Jahrzehnten mit einem dunkelhaarigen, braunäugigen Mann verheiratet – und verstand jedes Wort.
Das war dann aber auch egal, wir kamen nämlich rein, ich wurde befragt und sagte, ich KANN die Frau nicht aktiv angefahren haben, denn wie man auf den Aufnahmen sehen kann, ist die SEITE meines Autos kaputt, und seitwärts fährt mein Auto ja gar nicht.
Nach meiner Ausage wurde ich entlassen, beugte mich zu der Unfallgegnerin und ihrem Anwalt und wünschte höflich „Auf Wiedersehen und einen schönen Tag noch“. Auf Persisch. Ja, das mit dem roten Kopf funktioniert gut…

Ich hab aber auch mal das Gegenteil gemacht, nämlich NICHT gesagt, dass ich Persisch ganz gut verstehe. Ich hatte ein afghanisches Ehepaar an meiner Gartenkasse, damals, im Baumarkt – sie niedlich und still, er ein echter Kotzbrocken. Was sie auch sagte, er widersprach und wusste alles besser. Und das auf Persisch. Sie tat mir von Herzen Leid. Während er bezahlte nahm sie den Weihnachtsstern und sagte, sie würde den schonmal einpacken. Darauf er: „DAS BRAUCHST DU NICHT, ES IST WARM GENUG, BLABLABLA“. Sie blieb verschüchtert stehen. Woraufhin ich mit meinem freundlichsten Verkäuferinnenlächeln auf Deutsch (denn, nicht war, ich bin ja blond und blauäugug und KANN kein Persisch verstehen!) sagte: „Denken Sie bitte daran, den Weihnachtsstern gut einzupacken. Diese Temperaturen verträgt der nicht“
Sie durfte ihn dann einpacken. Sie hatte das Zucken ihrer Mundwinkel aber super unter Kontrolle.

Das war so großartig 🙂