Diät

Ich habe eine neue Diät erfunden und gleich ausprobiert. Sie klingt total lecker, so erstmal, und sie funktioniert unglaublich gut. Man isst einfach soviel Schokoladenpudding und Dosenpfirsiche, wie man nur schafft. Der Trick bei dieser Diät ist, dass man nur einen halben Schokoladenpudding und einen Viertel Dosenpfirsich über den Tag verteilt schafft, weil man nämlich richtig, echt, fürchterlich krank ist. Sobald man versucht, irgendwas zu essen, fängt der Körper an zu meckern: He, ich bin gerade auf wirklich wichtige Sachen konzentriert. Ich kann mich jetzt nicht noch mit solchen Kleinigkeiten wie „Verdauung“ beschäftigen, mach das wann anders. Am allerbesten klappt diese Diät, wenn man einen allerbesten Mann von allen zuhause hat, der, sobald man mit ersterbender Stimme losjammert: „Ich habe solchen Appetit auf diesen gekauften Schokoladenpudding, du weißt schon, diesen billigen“ losrennt und einem das Leben rettet, indem er genau diesen Schokoladenpudding kauft, wobei er alle ethischen und geschmacklichen Grundsätze heldenhaft missachtet. Und wenn man dann nach drei Stunden noch nicht mal den halben Schokopudding geschafft hat und murmelt: „Eigentlich hätte ich doch lieber Dosenpfirsiche gehabt“, dann dreht er einem nicht den Hals um, sondern kauft Dosenpfirsiche.
Mittels dieser Diät ist es mir gelungen, in vier Tagen gut vier Kilo abzunehmen. Allerdings kann ich jetzt keine Dosenpfirsiche und keinen Schokoladenpudding mehr sehen. Der beste Mann von allen sagt, er kocht morgen. Broccoligratin. Wenn ich so darüber nachdenke, ist Broccoligratin genau das, was ich gerne essen würde.
Ich finde den besten Mann von allen total großartig (falls es da noch Zweifel geben sollte)

🙂

Echt jetzt?

Der beste Mann von allen schreckt aus dem Schlaf hoch, sieht sich verwirrt um, entdeckt mich und erklärt mir erleichtert: „Es war der Kaiserschmarrn“. Dann kippt er wieder um und schläft weiter, zufrieden, alle Probleme gelöst zu haben.

Allerdings habe ich jetzt Fragen.

Ganz einfach

Mal ehrlich… hat bei irgendwem schon mal „Plug & Play“ funktioniert? Ich meine, außer bei Toastern? Bei mir noch nie. Und jetzt hab ich einen kleinen, süßen Fernseher gebraucht gekauft, und dachte, Fernseher – Kabel – Wand, und dann könnte ich Fernsehen gucken. Nein, so ist das nicht. Tatsächlich läuft das so: Fernseher, Whatsapp, Kabel, Whatsapp, anderes Kabel, Amazon, Whatsapp, schlafen, Whatsapp, schlafen, Whatsapp, Fernseher, Kabel, Sat-Receiver, Stecker, Kabel, Stecker, Wand, Whatsapp, Whatsapp, Whatsapp, und dann Fernsehen gucken.
Ich habe jetzt fünfhundert verschiedene Programme, und was gucke ich? „Navy CIS“. Genau das, was ich auch ohne Fernseher immer auf dem Notebook geguckt habe.
Nur in viel cooler.
Und die Sache mit dem Toaster bekomme ich auch noch hin.

Absolut sicher

Neulich habe ich doch tatsächlich mein Passwort vergessen. Also, nicht das Passwort natürlich, sondern eins von den fünfzig Passwörtern, die man so im Alltag braucht. Denn natürlich soll man ja nirgendwo die gleichen Passwörter benutzen, also mache ich das auch nicht. Stattdessen gab ich immer verzweifelter alles ein, was mir so an Passwörtern einfiel, und jedesmal kam als Antwort: Ne, das isses nicht. Ne, das auch nicht. Und NEIN, das nun schon gar nicht! Schließlich gab ich auf und ließ mir ein Ersatzpasswort in mein Email-Postfach schicken. Mit dem enterte ich meinen Account, welcher daselbst zu mir sprach: „So, und nun gib bitte ein neues Passwort ein“. Ich tippte den Namen meines Hundes ein.
„Doofes Passwort“, erklärte mir mein Account. „Ein vernünftiges Passwort muss zumindest acht Buchstaben haben“. Ich grübelte ein wenig und entschied mich für ein echt langes Wort. Eins, das man nicht so schnell vergisst: katastrophenschutzalarmübung.
„Voll doof, das Passwort“, teilte mir mein Account mit. „Ein sicheres Passwort muss aus großen und kleinen Buchstaben bestehen“.
„Kein Problem“, murmelte ich und schrieb das schöne Wort abwechselnd mit großen und kleinen Buchstaben: kAtAsTrOpHeNsChUtZ… und so weiter.
„Joa, neee, ne“, meckerte mein Account. „Ohne Zahlen ist das Passwort immer noch unsicher“. Ich ergänzte 12345.
„Die Zahlen dürfen nicht in ihrer natürlichen Reihenfolge auftreten“, meckerte mein Account mich an. Ich googelte flugs die Telefonnummer des Vatikan und fügte sie hinter dem zweiten „T“ ein.
„Immer noch unsicher“, wurde mir erklärt. „Guck mal, auf einer Scala von eins bis acht bist du gerade mal bei zwei. Füge doch bitte noch ein paar Sonderzeichen ein“. Ich tippte einige %&/“$-Zeichen, die ich auf meiner Tastatur fand.
„Das sind die typischen Sonderzeichen, die hat ja wohl jeder“, teilte mir mein Account mit. „Nimm die coolen Sonderzeichen.“ Ich googelte das griechische Alphabeth und gab den Geburtsort meiner Großmutter auf Griechisch ein.
„Fünf von acht“, befand mein Account. „Geht das nicht besser?“ Doch, kein Problem. Ich googelte auch noch die henochische Schrift und fügte in selbiger den Anfang des Jabberwocky-Gedichtes von Lewis Caroll ein. Rückwärts. Mit einem Herzchen nach jedem Buchstaben und am Ende einem Ausrufezeichen. Dann drückte ich auf „Speichern“. Ich war sicher, mein Account würde zufrieden sein. War er nicht. Hier seine Antwort:

Tut mir echt leid, aber das alte und das neue Passwort dürfen nicht identisch sein!

Die Magie darin

Es wird wohl niemand ernsthaft bestreiten, dass wir Deutschen eine Nation von Wettergöttern sind. Wir vermögen es wie kaum ein anderes Volk, das Wetter zu beeinflussen. Wir waschen das Auto – zack, es fängt an zu regnen. Wir putzen die Fenster – es gibt ein Unwetter. Wir tauschen die Winterreifen gegen die Sommerreifen – es gibt Glatteis. Man fährt in den Urlaub und lässt die Pflanzen auf dem Balkon – es wird drei Wochen lang nicht regnen. Man kauft einen neuen Schirm – es wird garantiert drei Monate lang nicht regnen.
Neueste Forschungen haben ergeben, dass es sowas wie Hoch- und Tiefdruckgebiete gar nicht gibt. Stattdessen werden Menschen in ganz Deutschland von verschiedenen meteorologischen Abteilungen dafür bezahlt, zu bestimmten Zeiten ihre Autos zu waschen, ihre Fenster zu putzen oder dem Hund ein neues, warmes Mäntelchen zu kaufen, um das vorhergesagte Wetter auch wirklich eintreten zu lassen.
Natürlich besitzen auch Menschen anderer Nationen diese Fähigkeit (Gerüchten zufolge war die Sahara solange ein blühendes, fruchtbares Land, bis ein Tuareg namens Karl-Heinz – der Nachname verschwindet im Dunkel der Geschichtsschreibung – sich ein paar neue Gummistiefel kaufte). Aber es scheint mir, als sei diese Fähigkeit bei uns doch ausgeprägter. Ich meine, sonst könnten Karl Heinz‘ Nachfahren sich ja auch einfach einen neuen Sonnenschirm sowieso eine Großpackung Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 70 kaufen und es in der Sahara auf diese Weise wieder regnen lassen!

Wieso ich das schreibe? Ich habe einige Paprika ausgesät. Angeblich kann man das Ende Januar schon mal machen. Exakt an dem Tag, an dem sie ihre ersten zarten Blätter aus der Erde streckten, versank unser Dorf im tiefen Schnee. Was auch sonst.

Wenn ihr die Schnauze voll habt vom Schnee, sagt Bescheid. Ich brauche eigentlich gar keinen neuen Wintermantel. Aber ich würde ihn mir kaufen, nur um den Frühling für euch zu beschleunigen.

Kleinanzeigen

Schon blöd, wenn zwei Leute zusammenziehen, die beide der Teil einer kaputten Partnerschaft gewesen sind, der keine Lust hatte, um Toaster, Sofas und silberne Kuchengabeln zu streiten. Als der beste Mann von allen und ich zusammen zogen, besaßen wir als Hausstand folgendes: Fünf Kaffeetassen (drei davon mit Werbeaufdruck), eine Matratze, fünf Karl-May-Bände und zwei Bulldoggen. Der beste Mann von allen war damit nicht unzufrieden. Irgendwie spukte in seinem Kopf so etwas herum wie „frei und unbelastet von Konsumgütern, und außerdem, falls man mal wieder umziehen muss, ist das OHNE Sofa viel leichter“. Ich dagegen wusste nicht, wie man ohne silberne Kuchengabeln einen Haushalt führt. Omas Unterweisungen hatten mich darauf nicht vorbereitet. Beim nächsten Besuch in Hamburg nahm ich die Kuchengabeln einfach mit, dazu einen Schwung meiner Kochbücher, zwei Stühle, einige nicht zusammenpassende Teller (das Service gehört zwar mir, aber der Ex und vor allem mein Sohn brauchen ja auch Geschirr!) und mehrere Keksdosen. Dazu kaufte ich noch einen Kochtopf, eine Pfanne und einen hölzernen Rührlöffel. Jetzt besaßen wir zwar alles, was man so in einer Küche braucht, leider aber keine Küche. Die hatte der Vormieter mitgenommen.
Unsere Rettung waren die Kleinanzeigen unserer Umgebung. Es gelang uns, eine gar nicht mal so hässliche Küche mit Backofen und Spüle zu einem unschlagbaren Preis aufzutreiben. Seitdem bin ich ein Fan der Kleinanzeigen. Zwei bis dreimal am Tag arbeite ich mich durch die neuen Angebote und versuche, den besten Mann von allen zu überreden, wahlweise Meerschweinchen („…guck mal, wie niedlich!“), Axolotl mit Aquarium („…guck mal, wie billig“) oder Schäferhunde („Guck lieber nicht, sonst willst du den noch haben“) zu kaufen.
Ein paar wirklich schöne Schnäppchen sind mir da auch schon gelungen. So habe ich beispielsweise ein neues, bildhübsches Bügeleisen in hellem Gelb für ganze fünf Euro erstanden. Und seitdem nicht einmal gebügelt. Ich wollte es, wirklich, aber jetzt, wo ich es auch kann, erscheint mir das gar nicht mehr so erstrebenswert. Wir besitzen auch einen Arbeitstisch für jeden Raum, außer für die Küche, wo es einen Esstisch gibt. Der beste Mann von allen ist nicht der logischste Mann von allen. Er ignoriert die Arbeitstische und arbeitet am liebsten am Esstisch, weswegen wir beim Essen immer stapelweise Unterlagen, Kugelschreiber und Notebooks wegräumen müssen. Natürlich sieht der beste Mann von allen das etwas anders – er muss, um vernünftig arbeiten zu können, dauernd Essen wegräumen. Und dann beschwert er sich, dass er zugenommen hat. Irgendwie ist er ja niedlich.
Was mir jetzt noch fehlt sind Wollreste und Regale. Ich habe mal geguckt, die etwas weiter entfernten Städte sind voller Wollreste und Regale. Ich suche schon ewig, aber hier in unserem kleinen Dorf (zuzüglich zehn Kilometer, was einige etwas größere Ortschaften beinhaltet) wollen die Leute ihre Regale und Wollreste nicht rausrücken. Trotzdem bringt es einfach Spaß, die Kleinanzeigen durchzusuchen. Heute habe ich neben den üblichen Angeboten wie Betten und Kleiderschränken Folgendes gefunden: Auflösung einer Sammlung von 50er-Jahre Tortenplatten, einen Trecker, ein Buch „Der Sportbootführerschein“, einen Inhalator für Pferde, den Kühlergrill eines Ford Mondeo, eine Stahlstichreproduktion von Königsberg und eine alte hölzerne Wäschemangel („sehr schöner Zustand“).
Ich denke, ich werde versuchen, den besten Mann von allen für die Wäschemangel zu begeistern. Nicht, weil ich eine bräuchte, sondern weil er auf die anderen Sachen garantiert nicht mehr reinfällt. Und sein genervter Gesichtsausdruck, wenn ich seine „Wir brauchen ja eigentlich gar nichts“-Ideologie unterminiere, ist einfach zu liebenswert.
Wenn ich dann allerdings zum Geburtstag eine alte Wäschemangel („sehr schöner Zustand“) bekomme, dann habe ich verloren…

Worüber wollte ich schreiben?

Heute Nacht wachte ich auf, im Kopf die Idee für den ultimativen Blogeintrag, witzig, hintergründig und ohne unlesbare Nebensätze dritten Grades, als ich auch schon wieder einschlief und das Ganze vergaß. Worum mag es wohl gegangen sein? Bulldoggen vielleicht? Über die kann man gut schreiben; sie sind witzig. Ich schreibe auch über sie. Tatsächlich habe ich mich einer WhatsApp-Gruppe angeschlossen, die den ganzen Tag nichts anderes tut, als über ihre Bulldoggen zu schreiben und Bilder selbiger zu posten. Ich bin nicht sicher, ob ich mich da nicht unbeliebt gemacht habe, als ich nach dem hundertfünfzigsten zuckersüßen Bulldoggenbild gepostet habe: „Okay, langsam fange ich doch an, die Viecher zu mögen“.
Vielleicht handelte meine grandiose Idee auch von Corona? Zwar ist Corona an sich nicht unbedingt „witzig“, aber Sprüche wie „Was hättest du 2019 gedacht, wenn Du in der Zeitung gelesen hättest: Zum Schutz vor Mutanten werden die Grenzen dichtgemacht?“ sind es. Tatsächlich gibt es inzwischen eine ganze „Macht das Virus durch blöde Witze fertig“-Kultur, ähnlich wie damals die DDR-Witze. Die durften zwar nur hinter vorgehaltener Hand erzählt werden, aber ich denke, gerade das machte sie so erfolgreich. Ich wüsste nur nicht, warum ich darüber schreiben sollte. Tun doch alle anderen schon.
Chris hatte gestern Geburtstag. Ich gratuliere gerne Leuten zum Geburtstag, aber erstens hätte ich das eine Nacht vorher träumen müssen, damit es sinnvoll gewesen wäre, und außerdem, was ist daran witzig und hintergründig? Er hatte Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute. Hm. Wenigstens keine blöden Nebensätze.
Schnee. Natürlich könnte ich über Schnee schreiben. Erst hatten wir welchen, dann hatten wir keinen mehr, während Norddeutschland (MEIN Norddeutschland) in Schneemassen begraben wurde. Mein Sohn meldete sich mitten in der Nacht von der Strecke Berlin-Hamburg, wo sein ICE im Schneesturm stecken geblieben war. Er versicherte mir, er sei nicht am Verhungern, nicht am Verdursten und nicht am Erfrieren, und schlief dann vermutlich wieder ein. Ich bin nicht sicher, ob er inzwischen in Hamburg angekommen ist, habe aber auch keine Nachrichten über in ICEs erfrorenen, verhungerten und verdursteten Bahnkunden gefunden. Und ich habe gründlich gesucht. Im Übrigens schneit es jetzt gerade hier wieder. Nicht doll, aber doch genug, um Gassigehen doof zu finden. Das kann nicht das Thema gewesen sein. Es ist nicht lustig.
Ich denke und denke nach, was wohl dieses total umwerfende Blog-Thema gewesen sein könnte. Ich habe eine großartige Idee. Ich gehe einfach noch einmal ins Bett und schlafe eine Runde. Vielleicht fällt es mir dann wieder ein.

Ach ja, und NEIN, es hilft nichts, einen Notizblog und einen Stift neben dem Bett liegen zu haben. Erstens bin ich immer viel zu müde um nachts zu schreiben, zweitens denke ich, müde wie ich bin, sowieso immer „diesen unglaublich witzigen, tollen Gedanken KANN man gar nicht vergessen“, und außerdem, ihr kennt doch die Geschichte von dem Schriftsteller, der genau das versucht hat? Morgens guckte er voller Neugier auf seinen Notizblock und da stand „Junge verliebt sich in Mädchen“.

Es ist 13:20 Uhr.

Gute Nacht.

Dinge, die verschwinden

Entgegen dem, was die Überschrift vermuten lässt, soll es in diesem Blogeintrag nicht um Socken gehen. Obwohl Socken natürlich anerkanntermaßen am meisten verschwinden. Einzelne Socken jedenfalls. Allerdings, vielleicht verschwinden Socken auch paarweise, aber da merkt man es nicht, weil sie dann einfach weg sind und man sich nicht über die einzelne, übrig gebliebene Socke grämen muss. Ich meine, man denkt dauernd über diesen einzelnen Socken nach, zum Beispiel darüber, ob es besser „die Socke“ heißt oder „der Socken“ (aus Gründen der Gleichberechtigung habe ich da oben beides benutzt). Bei Sockenpaaren passiert einem das nie, da sind das einfach „die Socken“. Nur, dass Socken eben keine Rudeltiere sind, sondern konsequente Einzelgänger. Würde dieser Text von Socken handeln, würde ich über die Unmöglichkeit schreiben, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen, wann man eine einzelne Socke (oder einen Socken) weg wirft, weil der Moment, in dem man den… die… das Sock wegwirft, genau der Moment ist, an dem ihr/sein Partner wieder auftaucht. Ich hatte mal so einen Socken, der war ganz neu. Er war blau und hatte einen gelben Fisch auf der Seite, und ich hatte ihn gekauft, weil mein Sohn, damals noch begeisterter Windelträger, in selbige… naja… sie war halt nicht mehr sauber, die Windel. Natürlich hatte ich eine neue Windel mit, und auch eine neue Hose, weil die auch nicht mehr sauber war, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass man auch in seine Socken… jedenfalls, ich bin in den nächsten Laden gegangen, und da hatten sie nur die Fischsocken. Als wir wieder zuhause waren, zog ich dem Kind die Fischsocken aus, und einer der beiden verschwand auf Nimmerwiedersehen, und der andere… das blöde Mistding, echt, jedes einzelne Mal wenn ich Wäsche zusammen gelegt habe, dachte ich, ich könnte ihn mal wegwerfen, und immer dachte ich, nein, der andere muss irgendwo sein. Am achzehnten Geburtstag des ehemaligen Windelträgers fiel mir dann auf, dass die Socken sowieso nicht mehr passten, und ich habe den einzelnen Socken dann doch weg geworfen. Normalerweise hätte der andere jetzt auftauchen müssen, aber das tat er nicht. So ein Mist. Wenn ich gewusst, ja, wenn ich auch nur geahnt hätte, dass der gar nicht auftaucht, hätte ich den anderen schon Jahrzehnte vorher wegwerfen können!

Jedenfalls, darüber könnte ich schreiben, wenn ich über Socken schreiben würde, was ich aber nicht tue, weil ja nun wirklich jeder über Socken schreibt, wenn es um verloren gegangene Gegenstände geht. Es gibt sogar Bücher darüber. Kennt ihr das schöne Kinderbuch „Flusi, das Sockenmonster“? Traumhaft. Meine Kinder liebten es sehr, fast so sehr wie die Geschichte vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gekackt hatte. Wenn auch nicht ganz so sehr wie „Was ist dir lieber“. Das ist ja nun das absolut tollste Buch überhaupt. Da darf das Kind sich aussuchen, was ihm lieber ist (man ahnt es schon, wenn man die Überschrift liest), aber es hat die Wahl zwischen solchen tollen Sachen wie „Von einem Krokodil gefressen zu werden“ und „dass Mama im Badeanzug in der Schule herumtanzt“. Sowas. Ganz ehrlich, für Kinder mit schwarzem Humor (und ich bin stolz, sagen zu können, dass meine Kinder eine ganze Menge davon haben) ist dieses Buch noch besser als die Sockengeschichte, auch wenn Flusi wirklich süß ist (und endlich mal logisch erklärt wird, wohin die Socken eigentlich verschwinden).

Natürlich sind Socken ja aber gar nicht das Einzige, was verschwindet, sonst würde das hier ein sehr kurzer Blogeintrag werden, weil ich ja gar nicht über Socken schreiben werde, sondern über die anderen Dinge, die so verschwinden. Brillen zum Beispiel. Ich hab mich als Kind immer über meine Oma lustig gemacht, die dauernd ihre Brille verbummelte, aber ich habe inzwischen mit Entsetzen festgestellt, dass ich zumindest diese Gene von Oma habe. Bei vielen Menschen verschwinden auch Kugelschreiber, aber das ist eigentlich zu Maistream für mich. Mir ist neulich eine Birne(!) verschwunden. Also, keine Glühbirne, sondern so eine richtige, grüne, zum Essen. Im Gegensatz zu dem einzelnen Socken mit dem gelben Fisch drauf tauchte die Birne wieder auf, als sie beinahe vergammelt war – im Kofferraum des Autos. Auf die Idee hätte ich auch selber kommen können. Bin ich aber nicht. Vermutlich, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, den zweiten Weihnachtssocken mit rot-grünen Streifen und Micky-Maus drauf zu suchen. Der ist wirklich hübsch, der eine, und ich erinnere mich, dass der andere genauso hübsch war, und jetzt ist er weg. Und wegwerfen kann ich den einzelnen Socken natürlich nicht, denn irgendwann wird ja wieder Weihnachten sein, und bis dahin könnte der andere ja auftauchen.

Und dann wäre es ja schade drum.

Lockdown-Gedanken

In einem Baumarkt zu arbeiten, warf manchmal Fragen auf, die zu beantworten mir bis heute nicht gelungen ist. Zum Beispiel: Wieso kauft man eine Klobürste für 80 Euro? Weshalb geht man während einer lebensgefährlichen Pandemie in einen Baumarkt und kauft dort einen Topf Gänseblümchen? Und: Wo ist meine Gehaltsabrechnung von Dezember 2019? Ich würde sie schon brauchen, aber sie ist und bleibt verschwunden. Ich nehme ja an, sie liegt irgendwo in Hamburg.
Aber auch ohne Baumarkt tauchen hier Fragen auf, die ich mir nie zuvor gestellt habe. Zum Beispiel: Warum schläft der Hund im Koffer statt im Körbchen? Ich meine, bei Katzen würde mich das nicht wundern, aber als ich heute Nacht so merkwürdige Geräusche hörte, musste ich doch mal nachgucken. Es stellte sich heraus, dass ich die Wärmedecke, die ICH zu Weihnachten geschenkt bekommen habe, auf den Koffer gelegt habe, weil mir warm war – und da der Hund der festen Überzeugung ist, das sei IHRE Wärmedecke, hat sie sich eben drauf gelegt. Und dabei ist der Deckel sanft in den Koffer gerutscht. Mit Hund.
Ach ja, und eine ganz wichtige Frage: Was koche ich heute zum Abendbrot? Ich habe noch grüne Bohnen da und Cabanossi, aber auch Nudeln und Tomaten, Kartoffeln, Karotten und Spitzkohl (den wollte ich allerdings morgen machen).

Wenn ich so darüber nachdenke, kommt es mir doch ein wenig so vor, als seien meine Themen, seit ich nicht mehr arbeite, nicht mehr so für die Allgemeinheit tauglich. Aber seien wir mal ehrlich, wem geht das zur Zeit anders? Wenn der größte Teil der Zeit nicht mit anderen Menschen verbracht wird, sondern zuhause? Selbst die anfangs noch witzigen Berichte über die Isolierung im Lockdown sind irgendwann nicht mehr so spannend. Ich meine, ja, die Männer haben jetzt Bärte, die Frauen tragen Jogginghosen und schminken sich nur noch, um den Abfalleimer rauszubringen, und beide haben zugenommen, und das war’s eigentlich.

Übrigens, hier eine interessante, allgemeinheitstaugliche Information: Patricia Highsmith schrieb an jedem Tag ihres Lebens acht Seiten. Angeblich. Von Thomas Mann ist das auch überliefert, aber wenn man seine Tagebücher liest, hört sich das ein bisschen anders an. So etwa: „Heute zu spät aufgestanden“, „Verdammt nochmal, mir fiel nichts ein“, „rechtzeitig aufgestanden, aber was so müde, dass ich wieder ins Bett gegangen bin“, „Zuviel Orangensaft ist schlecht für die Verdauung“ und „die Kinder sind so laut, dass ich nicht schreiben konnte“. Trotz allem hat er es fertig gebracht, die ungefähr eine Millionen Seiten Buddenrooks zu schreiben.

Da hab ich ja noch Hoffnung.

Herzlichen Glückwunsch!

Als ich heute aus dem Fenster sah, ging mir der Spruch „Ein Wetterchen wie zu Kaisers Geburtstag“ durch den Kopf. Und dann fiel mir ein, dass ich eigentlich überhaupt keine Ahnung habe, wann Kaiser denn Geburtstag hatte. Klar, ich hätte meinen Bruder fragen können. Das Blöde, wenn man einen dermaßen geschichtsbesessenen Menschen fragt ist, dass mit der Antwort jede Menge Zeit verloren geht, weil man sich auch noch anhören muss, was derjenige zum elften Geburtstag bekommen hat, welche Torte seine Lieblingstorte war und wer alles zufällig am selben Tag Geburtstag hatte. Ich hab’s dann gegoogelt, und stellte fest, knapp daneben ist auch vorbei. Heute hatte er nicht, unser letzter Kaiser.
Allerdings hat heute Richard Geburtstag, und ich wette, mein Bruder hätte das nicht gewusst. Diese Geschichts-Freaks kennen doch immer nur die ganz alten Leute, und so schlimm ist es bei Richard doch noch gar nicht. Deshalb hier von mir:

Alles Liebe zum Geburtstag!

Feier schön und lass Dich feiern, wenn auch vielleicht nur am Bildschirm. Immerhin.

… Ach ja, und Wilhelm II hätte am nächste Woche Geburtstag gehabt, am 27. Januar. Seine Lieblingstorte war Omas Buttercremetorte (ich fand diese Information nicht bei Google, bin aber trotzdem sicher. Ich kenne niemanden, dessen Lieblingstorte das NICHT war!) und was er zum elften Geburtstag bekommen hat, verschwindet in der Dunkelheit der Geschichtsschreibung. Ich tippe auf Zinnsoldaten, ein Skateboard (naja, doch. Kein Witz. Ludwig II hatte ja auch eins, und der war nur wenig älter, also denke ich, dass Wilhelm auch gerne eins gehabt hätte) und eine Wii-Konsole mit dem Spiel „Game of Emperors“. Was man so braucht als Elfjähriger eben.
Als elfjähriger zukünftiger Kaiser.