Ein veganes Kind zu haben, ist großartig. Also, eigentlich ist natürlich nicht das Kind vegan, das besteht schon größtenteils aus Fleisch (und tierischen Nebenprodukten, wie es immer auf den Hundefutterdosen heißt. Also – hieß. Ich habe die Marke gewechselt). Aber sein Lebesstil ist vegan, und wenn es zu Besuch kommt, dann beschäftige ich mich vermehrt mit dem Thema. Besonders im Supermarkt, ich will ja nicht, dass es Hunger leiden muss. Und ich lerne immer Neues.
Wenn „vegan“ auf der Packung steht, dann ist auch vermutlich vegan drin. Oft steht aber auch nicht „vegan“ drauf. Das heißt, wie ich inzwischen weiß, nicht, dass etwas nicht vegan ist. Es kann auch bedeuten, dass der Hersteller die nicht vegan lebende Zielgruppe nicht zu verschrecken wünscht. Die sind nämlich, wie es aussieht, der Meinung, dass ihnen ohne die Beimischung tierischer Produkte etwas geklaut wird, und das wollen sie nicht. Die Produkte, die immer schon vegan waren, einfach weil die Beimschung von Milchpulver keinerlei Vorteile brachte, werden inzwischen von den unveganen Menschen geschmäht. Ich hatte keine Ahnung, dass es so schlimm ist. Was ich wusste ist allerdings, dass zwischen Vegetariern und Veganern irgendwelche Animositäten herrschen. Die Veganer können den Vegetariern einfach nicht verzeihen, dass die überhaupt noch Tierisches zu sich nehmen und dann auch noch denken, dass sie etwas Gutes tun. Was die Vegetarier darüber denken, da bin ich nicht ganz sicher. Es scheint sowas wie „Ach lass mich doch in Ruhe“ zu sein.
Vor vielen Jahren entschied ich mich, kein Fleisch mehr zu essen. Das war nicht ganz einfach. Meine Oma erkundigte sich damals angelegentlich, was denn alles „Fleisch“ sei („Was? Leberwurst isst Du auch nicht? Aber Hähnchen doch, oder???“) und kochte dann Gemüse und Fleisch getrennt. Ich wurde immer satt. Im Restaurant war das schon schwieriger. Vegetarische Gerichte gab es beinahe nirgendwo, und meistens musste ich mich an einem grünen Salat und einer Pommes satt essen. Einmal ging ich in ein vornehmes Restaurant, in dem es tatsächlich ein als vegetarisch apostrophiertes Gericht auf der Karte gab. Ich bestellte es und musste dann feststellen, dass die Pilze in Speck angebraten waren.
Damals beschloss ich, im Notfall Fisch zu essen. Der Begriff „Pescetarier“ war noch nicht erfunden, glaube ich, aber mit dieser Ernährungsform fühlte ich mich ganz wohl. Besonders, da es damals kaum Vegetarier (und gar keine Veganer) in meiner Umgebung gab, die mich dafür verdammen konnten.
Unser Supermarkt hat jede Menge Veganes. Wo „vegan“ drauf steht, ist allerdings meistens etwas drin, was normalerweise eben nicht vegan ist, wie Chicken Nuggets, Sushi, Döner oder Käse. Um bei diesen Produkten die gewünschte Veganheit (oder sagt man: „Veganität“?) zu erreichen, wird zumeist kräftig in den Chemietopf gegriffen. Da ich nicht will, dass mein Kind zuviel Chemie zu sich nimmt, mache ich um die meisten dieser Produkte einen Bogen. Dafür kaufe ich Äpfel, Zwiebeln, Hummus, Pilze und Brot (DAS Brot, das ohne Butter gebacken wird!). Das meiste Obst und Gemüse ist ja immerhin vegan. Aber… nicht alles. Nein. Wirklich nicht. Feigen zum Beispiel. Die werden befruchtet, indem eine Wespe in die Blüte kriecht und dort verendet. Dann zersetzt sie sich, und in der fertigen Feige kann man keine Spuren mehr davon finden, aber trotzdem, irgendwie… also neee… das zählt nicht.
Ich habe im letzten Jahr einen Feigenbaum gekauft. Es stand nicht dran, welche Sorte das ist, und ich dachte, wenn da keine Wespe rein kriecht (weil diese Sorte Wespe hier gar nicht heimisch ist), dann gibt’s eben keine Feigen, egal, hauptsache ich habe ein schönes Bäumchen.
Mein Feigenbäumchen stand auf der Terrasse, und dann wurde es kalt. Ich stellte es sicherheitshalber in den dunklen, kühlen Hausflur. „Oh“, dachte sich das Feigenbäumchen, „hier ist es warm und kuschelig und gar nicht sooo dunkel. Es scheint Frühling zu sein!“ Und es begann, Blätter zu produzieren. Und dann, zu meinem Erstaunen, auch Feigen. Ohne irgendwelche Blüten, ohne Wespen, ohne alles. Wir haben Januar, und im Hausflur befindet sich ein voll belaubter, Früchte tragender Baum.
Das kommt mir ein wenig merkwürdig vor, aber.. egal.
Ist vegan, das ist die Hauptsache. So ähnlich wie das hier, was ich neulich auf „Reddit“ fand:
Wie gesagt, man lernt immer was Neues…








