Und heute so…

Nachdem ich neulich schon schonungslos aufgedeckt habe, WO genau Joanne Rowling ihre Winkelgasse geklaut hat, hier ein weiterer, skandalöser Tatbestand: Auch Monet… jep, unser aller Lieblingsimpressionist, von dem wir doch alle dachten, er sei ein waschechter Franzose… der hat seine Camille hier gemalt, hier, gleich um die Ecke von Köln. Guckstu:

Monet, alles nur geklaut

Das links im Bild ist das Feld, an dem ich vorhin vorbei ging, rechts ging Monet vorbei, und nur Camille latschte mitten durch (und das gleich zweimal in demselben Bild). Jetzt, wo ich weiß, dass der gar nicht so französisch war, wie alle dachten, kommt es mir logisch vor, dass auch Camille gar keine Französin war, sondern den guten, deutschen Namen „Kamille“ trug. Oder Gertrud.

Bei all den verschiedenen Blumen am Wegrand musste ich daran denken, wie ich als Kind immer für meinen verstorbenen Opa kleine Blumensträuße am Wegrand gesammelt habe, die wir dann vor sein Bild im Wohnzimmer stellten. Ich war versucht, heute dasselbe zu tun, musste dann aber feststellen, dass die Natur viel schönere Blumenarrangements herzustellen vermag, als ich das kann, und habe es gelassen.

Natürlich hat die Natur, das Luder, auch das Gegenteil drauf. Ich HABE die Spinne fotografiert, die am Fensterrahmen wohnte, aber ich zeige das Bild nicht. Nicht hier. Bekommt man nur schlechte Laune von. Und die Spinne wohnt jetzt auch nicht mehr hier; ich habe sie gerade mitsamt dem Haken, den sie als „MEINS“ deklarierte, in ein Blumenbeet gesetzt. Ich hoffe, sie findet den Weg nicht zurück. Ich weiß, bei Mäusen muss man einen Aussetz-Abstand von mehreren Kilometern einhalten, aber wie klug mögen Spinnen sein? Schnecken, das weiß ich, schaffen es, sich innerhalb eines Radius‘ von 500 Metern zu orientieren. Mist, vielleicht sollte ich rausgehen und die Spinne doch noch weiter weg packen? Ihren blöden Haken kann sie auch behalten, ich kaufe gerne einen neuen…

Ich bin am überlegen, wie man so einen Blogeintrag etwas versöhnlicher abschließt. Spinnen hinterlassen so ein schales Gefühl. Ich hätte da noch die „Frieden“ und „Hoffnung“ -Steine, die ich gestern nicht gepostet habe, aber beim Suchen im Ordner fand ich das hier:

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Ganz ehrlich, es macht mich glücklich, zu wissen, dass ich irgendwann mal modern war, und das sogar, ohne 14,70 DM auszugeben.

Darauf ein Stück Schokolade…

Der Mut steht Kopf

So… jetzt bin ich also vom (beinahe) lebenslangen Großstadtgewächs zum Landei mutiert. Also, ehrlich gesagt noch nicht ganz; diese Siedlung hier ist ein Vorort einer Kleinstadt, aber wenn man mal das Brot vergessen hat (oder wenn Pfingsten ist), kann man nicht „eben mal schnell“ einkaufen gehen. Da muss man dann entweder etwas anderes essen, oder man probiert Pfannebrot. Ich fand es lecker. Der Mann meines Herzens hat es zumindest tapfer gegessen.
Seinetwegen bin ich jetzt hier in NRW gelandet, und ich muss sagen, es gefällt mir. Obwohl es, bis auf kleine Höhenunterschiede, eigentlich überall gleich aussieht. Also, fast gleich. Berge, ein Fluss, Wiesen (mit Zecken drin) und über all dem kreisen Greifvögel. Ich, als lebenslanges Stadtkind, bin immer noch ganz verblüfft, wenn so ein riesiger Rotmilan plötzlich direkt über mein Auto fliegt, nur um mir kurz klarzumachen, wem all diese Berge ud Flüsse eigentlich wirklich gehören.
Wir sind ziemlich viel durch die Gegend gefahren, um herauszufinden, wo man gut mit den Hunden spazierengehen kann, haben aber inzwischen festgestellt, dass eben jenen Hunden völlig egal ist, ob sie in der Agger, der Sieg oder im Rhein plantschen (obwohl der Rhein tatsächlich ein wenig anders aussieht!).

NaturNeulich kamen wir bei unseren Streifzügen an einer der Corona-Nebenwirkungen vorbei. Wenn man wochenlang nicht aus dem Haus gehen kann, dann muss man eben Steine bemalen. Steine gibts hier ja genug (warum eigentlich bemalt man keine Zecken? Davon gibt’s gefühlt noch viel mehr und vielleicht sind sie „in bunt“ auch sympatischer!). Die Steinkette hatte schon eine beachtliche Länge erreicht. Und natürlich musste ich sie (teilweise) fotografieren: Mut

Während „Glaube“ und Hoffnung“ mir ordentlich vor die Kamera gerieten, stellte ich erst zuhause fest, dass der „Mut“ auf dem Kopf stand. Übrigens kann ich feststellen, dass die Kamera meines neuen Handys einiges mehr drauf hat, als die alte. Es ist mir gelungen, den Mond nicht nur als weißen, verwaschenen Fleck zu fotografieren, sondern man sieht (wenn man genau hinsieht) tatsächlich die typischen Mondstrukturen. Und sogar kleine, zappelige Insekten sind mit dieser Kamera ganz gut zu erkennen:

KameraDoch, ganz ehrlich, es ist schon wirklich schön hier (wenn man Brot hat!). Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Rhein

Sonntag

Auf der Heizung im Badezimmer blubbert ein neuer Sauerteigansatz vor sich hin. Ich hatte mir das schwieriger vorgestellt – das Internet ist voller Geschichten über Sauerteige, die eklig riechen, schimmeln, nicht blubbern wollen und sich merkwürdig färben. Meiner sieht – jetzt nach drei Tagen – einfach nur hübsch aus und stinkt auch nicht. Hier:
Sauerteig

Ist er nicht niedlich?

Sonst ist eigentlich nicht besonders viel los. Ich gucke Fernsehen. Da lief eben der Hundeflüsterer. Guck ich ganz gerne, wenn nicht besonders viel los ist. Mein kleiner Hund guckt das auch gerne. Irgendwie steht sie auf Cesar Millan. Ich bin allerdings nicht immer einer Meinung mit ihm. Manchmal hat er aber auch sowas von Recht. Heute zum Beispiel. Da sagte er: „Die Energie des Hundes muss zur Energie seines Besitzers passen“ und ich guckte nachdenklich auf meine beiden Fellnasen und dachte: „Jo, stimmt!“
Energie

Einen schönen Sonntag noch…

Elendige Mistviecher

Nein, nicht meine Hunde, die sind völlig in Ordnung. Auch meistens artig. Oder wenigstens ab und zu mal. Nein, die in der Überschrift angesprochenen Mistviecher sind die Zecken, die es hier gibt. Es gibt schwarze und rote, und davon Unmengen. Wenn man darüber nachdenkt, wie viele Zecken man zufällig findet… eben ca 10 Stück, die nur  so rumkrabbelten. Dazu zwei in meinem Hund und eine, die gerade dabei war, sich in ein Fortuna Shirt zu bohren. Keine Ahnung, ob das schmeckt. Die norddeutschen Zecken sind nicht so fußballbegeistert; jedenfalls habe ich noch nie eine in einem HSV-Shirt stecken gesehen. Andererseits ist der HSV natürlich keine Erstligamannschaft, und ich nehme an, selbst Zecken haben ihren Stolz.
Ist euch schon mal aufgefallen, dass niemand Zecken als Haustiere hält? Ich meine, die Menschen halten doch sonst alles mögliche merkwürdige Getier an Haustieren, wie Spinnen, Fauchschaben, Riesenschnecken und Meerschweinchen in California Brindle, aber wirklich niemand hat eine Kuschelzecke zum Liebhaben. Stattdessen wird allenthaben empfohlen, die Mistviecher, um sie wenigstens eine Weile am Blutsaugen und Krankheitenübertragen zu hindern, einfach abzufackeln. Ich hab es ausprobiert (ich mag die Dinger wirklich nicht!). Funktioniert.
Fun Fact: Die roten Zecken, wenn sie abgefackelt werden, verwandeln sich in die schwarze Abart. Und man sollte Zecken nicht auf den Fortuna-Shirts abfackeln, sondern sie erst runternehmen. Nur so als Tipp.

Das Brötchen

Der Supermarkt hier um die Ecke hat eine Brötchentheke. Klar, da gibt’s Brötchen. Aber nicht nur so normale, sondern auch andere Backwaren, wie Pizza, Donuts und Muffins. Und jetzt – ganz neu: Frikadellenbröten.

Interessanterweise ist die Einzahl von Frikadellenbrötchen genau wie die Mehrzahl davon:  Frikadellenbrötchen.

Tatsächlich scheint es nur ein einziges Frikadellenbrötchen bei denen zu geben. Wann immer ich da vorbei komme, egal ob morgens, mittags oder kurz vor Geschäftsschluss; in dem Frikadellenbrötchenfach befindet sich genau ein Frikadellenbrötchen. Es ist schön mit einer Papierbanderole umwickelt, damit die Frikadelle nicht herausfällt und es sieht nicht besonders spannend aus, eher ein bisschen trocken. Ich meine, es sind keine Gurken da drauf oder das obligatorische Salatblatt, und Ketchup gibts auch nicht. Es ist einfach nur ein Brötchen, welches zu zwei Drittel aufgeschnitten ist, und in das man eine Frikadelle gestopft hat, an der einen Seite herausquellend, damit es nach mehr aussieht.

Warum ich so viel über das eine Brötchen schreibe? Nun… heute war ich in einem anderen Supermarkt. Andere Kette, anderer Stadtteil (genau genommen sogar andere Stadt). Ich wanderte an der Brötchentheke entlang, und da fiel mein Blick auf ein Fach. „Neu“ stand da, und „Frikadellenbrötchen“. Und in dem Fach lag ein Brötchen, zu zwei Drittel aufgeschnitten und mit einer an der Seite herausquellenden Frikadelle. Ohne Salat, Ketchup oder andere schmückende Beilagen. Dafür aber mit hübscher Papier-Banderole, damit die Frikadelle nicht herausfällt.

Genau ein Frikadellenbrötchen lag da.

Das kann nur eins bedeuten: Mein Supermarkt hat sein Frikadellenbrötchen endlich an die Konkurrenz verkauft!

 

Nun doch…

„…die Einfahrt rein, an den Parkplätzen vorbei, dann steht da ein einsames Dixi-Klo. Das rechts liegenlassen und dann kommt eine Schotterpiste. Da abbiegen, und ganz am Ende steht eine Baracke…“
Normalerweise, wenn mir jemand so eine Wegbeschreibung geben würde, würde ich den entgegengesetzten Weg gehen. Klingt doch etwas gruselig. Tatsächlich aber befand sich in dieser Baracke die Ärztin, die den Corona-Test-Abstrich machte.

Jetzt scheint es auch mich erwischt zu haben. Husten, Halsweh und noch so ein paar andere Probleme – aber kein Fieber, das nicht! – und die Ärztin mit der ich telefonierte, fragte: „Hatten Sie einen nachgewiesenen Kontakt mit einem Corona-Infizierten?“ Nein, hatte ich nicht. Nur Kontakte mit tausenden von Leuten, bei denen es vermutlich – vielleicht aber auch nicht, wer weiß das schon – nicht nachgewiesen wurde.

Meine Freundin sagt, jetzt, so die Beschränkungen wieder aufgehoben wurden, werden die Leute sofort wieder unvernünftig und es ist voll bei ihr auf den Straßen. In meinem Lieblingsbaumarkt haben wir eigentlich auf das Gegenteil gehofft – nun, da die anderen Geschäfte wieder geöffnet sind, könnte sich das Ganze etwas entzerren. Na gut, wir konnten vorgestern schon mal eine Minute Luft holen, was in den Wochen vorher nicht möglich war (keine Übertreibung. Wir hatten fünf Wochen lang keine Minute niemanden an der Kasse. Jetzt schon mal ab und zu, aber mehr als eine Minute eben auch nicht. Und das mit voller Kassenbesetzung!). Aber es ist immer noch schrecklich voll. Viele Kunden sagen: „Wie schön, dass Sie wieder auf haben“, und irgendwie sind wir dann sauer. Wir hatten die ganze Zeit geöffnet, Himmel nochmal. Deshalb sind wir ja so genervt. Nicht, weil wir alle einen schlechten Charakter hätten, sondern weil es einfach fürchterlich anstrengend ist.

Ich bin nicht die Einzige, die krank ist. Mehrere Kolleginnen sind einfach umgekippt. Als ich anrief, um mich für ein paar Tage abzumelden, sagte man mir, dass aus meiner Schicht eine weitere Kollegin krank geworden ist, am selben Tag. Viele sind wir nicht mehr. Keine Ahnung, wie wir am Samstag auch noch länger geöffnet haben sollen, so ohne Kassiererinnen.
Um die Kollegin, die krank geworden ist, mache ich mir Sorgen. Hoffentlich ist es nicht so schlimm. Bei mir geht’s noch. Husten, ja klar. Ich hatte aber schon schlimmeren Husten. Problematisch ist nur, dass ich mich nicht traue, einen Hustenanfall an der Kasse zu bekommen. Obwohl es witzig wäre, den Laden mit einer solchen Aktion einfach leer zu fegen. Trotzdem habe ich mich dagegen entschieden. Es ist aber schwierig und nicht gut für den Kreislauf, sechs Stunden lang die Luft anzuhalten. Deshalb habe ich dann ja auch die Ärztin angerufen und ihr telefonisch etwas vorgehustet. Sie meinte, ich solle (nach dem Covid-Test) im Bett bleiben. Die Idee war wirklich super, der beste medizinische Rat, den ich jemals gehört habe. Genau da wollte ich schon seit einiger Zeit am liebsten sein. Egal, was der Test ergibt, es wird helfen.

Jetzt sitze ich hier und habe das, was viele anderen schon seit Wochen haben – Ruhe, keine Menschen um mich, und als Gesellschaft zwei Bulldoggen.

Es könnte schlimmer sein.

Wer wird denn gleich… SPINNEN!

Hinter dem kleinen Abfalleimer im Badezimmer wohnt eine Spinne. Das ist okay. Das Haus hier ist alt, und ein gewisses Kontingent an Spinnen muss ihm einfach zugestanden werden. Außerdem ist es eine freundliche Spinne. Neulich warf ich ein Stück Staniolpapier in Richtung des Abfalleimers und es landete versehentlich in ungefähr fünfzig Zentimeter Höhe im Wohnzimmer meiner Spinne, wo es zitternd liegen blieb. Ich überlegte, es zu entfernen, hätte dabei aber ihr Netz zerstört, also ließ ich es bleiben. Einen Tag später hatte die Spinne das Staniolpapier sorgfältig aus dem Netz herausgetrennt (und dabei ihr Wohnzimmer gleich nach den neusten Feng Shui Erkenntnissen umgestaltet) und es auf den Boden fallen lassen, wo ich es dann wegnehmen und entsorgen konnte. Wir verstehen uns, die Spinne und ich.

Anders sah es mit der Spinne aus, die neulich neben der Fensterbank im Schlafzimmer saß. Sie war riesig. Also, richtig riesig. Geradezu absurd riesig. Weder ich noch der beste Mann von allen hatten jemals (außer im Zoo) eine Spinne mit solchen Ausmaßen gesehen. Für dieses eine Mal überlegte ich, meinem lebenslangem Grundsatz untreu zu werden und die Spinne zu töten, aber der Gedanke an das Geräusch, das eine Spinne dieser Größe macht, wenn man mit dem Schuh… und dann die Flecken auf der Tapete… nein, das funktionierte nicht. Andererseits hätten wir das Haus evakuieren müssen, wenn sie entwischt wäre. Der mutigste Mann von allen erklärte sich nach kurzem Nachdenken bereit, ein Glas über sie zu stülpen und sie ins Freie zu befördern, wollte sie aber vorher noch fotografieren, denn „das glaubt einem kein Mensch“. Nun, ich zückte mein Handy und fotografierte sie, während der lebensmüdeste Mann von allen mit dem extra großen Glas in der Hand auf seinen Einsatz wartete. Blöderweise bemerkte das Monster (also, die Spinne, nicht der tierfreundlichste Mann von allen) was wir taten – und hüpfte rasch hinter die Heizung. Das war der Moment, wo ich überlegte, es mit einem niedlichen hysterischen Anfall zu versuchen, aber der Mann mit den besten Reflexen von allen erwischte die Monsterspinne dann tatsächlich und brachte sie nach draußen („…aber setz sie HINTER den Zaun ab. Hinter der Stadtgrenze. Irgendwo so bei Dänemark!!!“). Vielleicht war die Spinne ja eigentlich auch ganz nett und nur ein bisschen… naja, groß eben. Riesig. Riesengroß.

Übrigens habe ich natürlich gegoogelt, und der Körper der größen Spinnenart  Deutschlands soll so um die zwanzig Millimeter messen. Bei den großen Exemplaren. „Unsere“ Spinne schaffte locker das Doppelte. Und ja, ich habe das Foto, ein leicht verwaschenes, da mit zitternden Händen aufgenommenes Foto, aber ich kann es hier nicht posten, denn dann flüchten alle Leute kreischend von meiner Seite. Ihr könnt einfach den ehrlichsten Mann von allen fragen, Adresse auf Anfrage.

Jedenfalls finde ich seit dieser Geschichte meine Klospinne lieb und nett und süß. Außerdem ist sie verschwiegen. Hab ich mal erzählt, dass meine Waage mein Gewicht immer lauthals herausplärrt? Anfangs fand ich das klasse, weil ich immer wusste, was ich wiege, auch ohne dass ich die Kontaktlinsen in die Augen tun musste. Aber seit der schlankste Mann von allen bei mir wohnt, habe ich Angst, dass er hört, was die Waage so zu meinem Gewicht zu sagen hat, und das ist mir peinlich – also wiege ich mich nur noch im Geheimen, und wenn er nicht zuhören kann. Nur meine Spinne bekommt die ganze Wahrheit zu hören. Und die sagt nichts dazu.

Sie kichert nur ganz leise.