Unterschied

Mensch zum Schäferhund: „Sitz“
Schäferhund: sitzt.

Mensch zur Bulldogge: „Sitz“
Bulldogge: „Wer? Ich? Was soll ich? Sitzen? Wieso? Da wird doch mein Popo dreckig. Echt jetzt? Sitz hast Du gesagt? Hab ich das richtig verstanden? Ich meine, ich könnte auch Pfote geben, das kann ich auch… Sitz? Sicher? Bekomm ich was dafür? Ok, ich setze mich. Warte, nicht so schnell. Eile mit Weile und so… Moment, der GANZE Po soll auf den Boden? Aber eine Pobacke würde doch auch reichen? Ist ja gut… bekomme ich jetzt ein Leckerli? Guck mal, ich SITZE!!!“

Einheimisch

Manchmal frage ich mich, ob das Landleben wirklich so gesund ist. Zumindest geistig muss man, scheint’s, einige Abstriche machen. Eben fand ich mich, wie ich im Internet nach rosa Handtaschen suchte und dabei „Schni-schna-schnappi, Schnappi Schnappi SCHNAPP“ sang. Ich könnte das erklären, aber „Jetzt isse völlig durchgedreht“ ist die schnellere Erklärung, glaube ich. Eigentlich heißt es übrigens „ist sie“ und nicht „isse“, aber ich versuche mich dem hiesigen Dialekt anzupassen. Seit letzter Woche weiß ich, dass es mir nicht gelingen wird. Da standen im Supermarkt zwei Kunden, die sich wohl ewig nicht gesehen hatten und begeistert auf Arabisch aufeinander einredeten. Ich umrundete sie vorsichtig mit meinem Einkaufswagen, und als ich mich einige Meter von ihnen entfernt hatte, hörte ich in meinem Rücken: „Na, denn mach et ma jut, Kaal-Hainz!“.
Kölsch scheint mir wahrlich ein Dialekt zu sein, zu dessen Benutzung man in diese Ecke Deutschlands hinein geboren sein muss. Mir jedenfalls gelingt es nicht einmal, die Grundbegriffe des als „Kölsch“ apostrophierten Idioms zu meistern, und das trotz fleißigen Hörens von „BAP“. Blöd auch, dass mir, wenn ich meine Sprachenkenntnisse, die ich aufgrund von „Verdamp lang her“ erworben habe, zusammensuche, neuerdings immer die Version von Otto Waalkes dazwischen gerät. Die mit Hänsel und Gretel. Passt eigentlich nie.
Übrigens habe ich nach langen Suchen die perfekte Damenhandtasche gefunden. Rosa, mit leichtem Glitzer, gute Größe und ohne Einhörner. Im Gegensatz zu Wolfgang Niedecken, der „vür lauter Sökerei et Finge jlatt versäump hat“. Aber immerhin hat der vermutlich auch keine Damenhandtaschen gesucht. Ich bin allerdings nicht sicher, weil ich nicht weiß, was Damenhandtasche auf Kölsch heißt. Vielleicht handelt das Lied ja doch davon.
Ach ja, und wir haben inzwischen August, das bedeutet, Ende des Monats gibt es tatsächlich die ersten Weihnachtskekse. Ich bin fest entschlossen, mich nachdenklich in den Supermarkt zu stellen, einen Karton in der Hand, und zu murmeln: „…dat kömmt mir vür als ob dat Pfefferkuchen wär!“
Ich wette, dann würde mich jeder für einen Einheimischen halten.


Probleme

Nachdem ich im letzten Jahr erwähnte, dass ich gerne Wollreste hätte, um mich abends vor dem damals noch nicht vorhandenen Fernseher mit Stricken zu beschäftigen, nahm meine Mutter das wörtlich. Ich glaube, das war ihre Art, sich dafür zu rächen, dass ICH es wörtlich nahm, als sie erwähnte, sie liebe Elche über alles. Wenn man bei ihr reinkommt, wird man von allen Ecken von Elchen angeglotzt, und an nicht wenigen davon bin ich Schuld. Jedenfalls besitze ich jetzt genügend Wollreste, für alles Mögliche, aber es muss klein sein. Oder sehr bunt. Sind ja Reste.

Nachdem ich endlich mein letztes, im Krankenhaus begonnenes Projekt (Krankenhäuser sind großartig, um zu handarbeiten. Zu Handarbeiten. Handzuarbeiten. Ähm… zu STRICKEN, ja, dafür sind die toll. Hatte ich mal erzählt, dass meine Bettnachbarin auch strickte? Sie wickelte, um den Faden auf Spannung zu bringen, diesen erst fünfmal um ihren Finger und dann noch um ihren HALS. Ich war ziemlich erstaunt und musste die dauernd anstarren während… ähm…. Wo war ich? Ach so, Klammer zu und dann weiter im Text) beendet habe, kam ich auf die Idee, Socken im Norwegermuster stricken zu wollen. Die beste Methode, sagt das Internet, sei „Fair Isle“ Stricken, weil da keine doofen Schlaufen auf der Rückseite entstehen. Ich hab es eben versucht. Stimmt. Die Rückseite ist damit absolut Schlaufenfrei, allerdings habe ich immer noch Probleme, meine Finger zu entwirren. Und das nach nur einer Reihe. Ich bin nicht sicher, ob ich dieses Verfahren hinbekomme. Ich meine, eigentlich sind Schlaufen auf Rückseiten doch auch ganz hübsch?

Ein anderes Problem ist mein Dachterrassen-Garten. Ich hatte, da wir es grün haben wollten und die Dachterrasse eigentlich ziemlich langweilig ist, alles Mögliche schnell Wachsende gepflanzt, wobei ich es besonders toll fand, wenn das Grüne auch noch essbar ist. Die Kürbisse, entzückende kleine Dinger in Leuchtgelb und Ufo-förmig, wurden bis auf eine von der Schildkröte bereits im Babyalter vertilgt. Also, im Babyalter der Kürbisse, nicht der Schildkröte. Lediglich einer ist noch übrig, und den kann sie auch noch haben, denn der ist gammelig. Der Beste aller Männer findet das toll, denn er hasst Kürbis. Ich habe den Verdacht, dass er die Kürbispflanze extra nach unten geleitet hat, damit die Schildkröte besser dran kommt, aber ich kann es nicht beweisen.
Radieschen versuche ich jetzt schon zum zweiten Mal in diesem Jahr zu züchten. Sie werden, ebenso wie die Salatpflanzen, nichts. Ich weiß nicht, woran es liegt; ich hatte schon Radieschen und Salat im Balkonkasten und weiß, dass das sehr wohl funktionieren kann.
Die Stachelbeerpflanze im Kübel hatte ein paar niedliche kleine Früchte, die aber alle verschwunden sind. Blaubeeren allerdings durften wir einige ernten, bevor der Hund und die Vögel sie entdeckten. Ebenso befindet sich eine wunderschöne Gurke (an vier Gurkenpflanzen!) auf der Terrasse. Besonders toll ist der bunte Mais. Im extra besorgten Hochbeet, in dem ich sie nach der Packung beigelegter Anleitung liebevoll mit den spitzen Enden nach unten auspflanzte („O-Ton BaM: „…ja, ich stelle mir auch gerade vor, wie die Bauern alle zehntausend Maiskörner mit der Spitze in den Boden stecken, weil die sonst nicht wachsen“ – BaM ist übrigens die Abkürzung für „Spielverderber“) wächst er nicht, sehr wohl aber in der alten Zinkbadewanne, die noch von den Vormietern da stand und in die ich die letzten zwei Kerne achtlos geschmissen hatte. Jedenfalls WUCHSEN die beiden Pflanzen da und wurden groß und kräftig, bis ein unerwarteter Windstoß den Sonnenschirm auf die vordere Pflanze schmiss. Seitdem kümmert die hintere Pflanze und die vordere steht schief und fängt an zu blühen. Ich versteh’s auch nicht.
Ja, und das Allerbeste sind die Bohnen. Ich hatte ein paar Buschbohnen besorgt, weil die schnell wachsen und gut schmecken, und als mein Sohn das hörte, sandte er mir ein paar SEINER Bohnen. Er hat Yin-und-Yang-Bohnen. Tolle Teile: Die Kerne sind schwarz-weiß gestreift und man fühlt sich gleich erleuchtet, wenn man sie ansieht. Ich kann sie tatsächlich ansehen – es hat geklappt, ich habe Yin-und-Yang-Bohnen im Balkonkasten. Und ein Problem. Was zum Kuckuck macht man mit denen? Mit dem Grün drumherum in den Topf schmeißen und kochen? Ohne das Grün kochen? Und wenn ja, dann frisch oder trocknen lassen? Oder lässt man sie traditionell trocknen und verwendet sie im nächsten Jahr als Samen, und NUR dafür?

Ich habe bei Google recherchiert, und das Ergebnis ist eindeutig. Wenn man die Dinger gezüchtet hat, verkauft man sie im Internet.
Ich denke, das bekomme ich hin.

Und dann geh ich los und kaufe mir von dem Geld Gemüse im Supermarkt…

Ich mag’s nicht!

Ich kaufe nicht gerne Schuhe ein. Ehrlich nicht. Meistens gehe ich erst dann in ein Schuhgeschäft, wenn mein Lieblings- und einziges -paar Schuhe seine Sohlen verliert oder an den Seiten große Löcher bekommt. Heute ging ich, weil mein Lieblings- und einziges -paar Schuhe seine Sohlen verlor UND an den Seiten große Löcher bekam.
Einer der Gründe, warum ich nicht gerne Schuhe einkaufe, ist, dass ich eine Schuhgröße habe, die – ich habe es bis heute nicht herausgefunden – entweder so beliebt ist, dass alle Leute sie sofort kaufen müssen, oder aber so unbeliebt, dass sie gar nicht hergestellt werden. Meistens kann ich froh sein, wenn ich ein nicht zu hässliches Paar in meiner Größe finde. Da es sich aber ohne Sohlen (und mit großen Löchern an den Seiten) so schlecht läuft, kaufe ich auch manchmal hässliche Schuhe in meiner Größe.
Nun, ich wanderte so durch das Schuhgeschäft, fand nach langem Suchen und zunehmend genervt dann doch EIN Paar Schuhe in meiner Größe und in nicht-zu-hässlich, zog es an – und gleich darauf jammernd wieder aus. Wir sind gestern durch die Brombeerbüsche gelaufen, mit Schuhen mit Löchern (und ohne Sohlen). Ich habe böse Kratzer an den Füßen, und alles, was diese Kratzer berührt, tut weh. Ich musste also Schuhe finden, die genauso geschnitten sind wie die alten, und möglichst auch keine Sohlen haben und Löcher an denselben Stellen, aber dabei heil sind. Das war nicht einfach.
Schließlich, nach weiterem langen Suchen, entdeckte ich ein Paar akzeptable Schuhe. Ich hatte schon schönere, aber sie marterten meine Füße nicht übermäßig. Nur ein bisschen. Ich stellte sie sorgfältig zurück ins Regal und guckte noch weiter. Und fand tatsächlich noch ein Paar. Nicht regengeignet, aber mit Gemütlich-Sohlen, und so schlecht sahen die gar nicht aus. Und – hey!!! – sie waren um 50 Prozent reduziert! Ich entschied mich, die Schuhe zu nehmen UND die anderen auch; So teuer war das zusammen gar nicht. Ich ging zum Regal mit dem ersten Paar Schuhe, schnappte mir den Karton und eilte zur Kasse.
Die Kassiererin holte die Schuhe aus dem Karton („Möchten Sie ein Spray dazu?“) und ich stellte fest, dass ich das falsche zweite Paar gegriffen hatte. Huch… „Einen Moment bitte“, sagte ich, nahm den Karton und lief zum Regal zurück. Und suchte MEIN Paar Schuhe. Nur – es war weg! Ich suchte und suchte und… fand noch ein Paar Schuhe. Gefiel mir sogar besser als das erste. Und es war sogar um 30 Prozent reduziert! Super! Endlich hatte ich alles und musste nicht mehr suchen.
Zurück zur Kasse, und da sagt die Verkäuferin zu mir: „Wie schön! Sie haben jetzt zwei Paar reduzierte Schuhe, also bekommen Sie ein drittes Paar reduzierte Schuhe geschenkt!“ Mit freundlicher Geste wies sie auf die Regale voller für mich ungeeigneter Schuhe. „Suchen Sie sich noch ein Paar aus“, sagte sie.

Der Beste aller Männer hat sich gewundert, wieso ich SO genervt aus dem Schuhgeschäft kam, nach ewig langer Zeit (er hatte inzwischen die Herman-van-Veen-CD einmal durchgehört) und mit drei Paar Schuhen.

Das Schönste ist, jetzt brauche ist erst 2023 wieder welche. Wenn diese hier ALLE Löcher an den Seiten haben und sich ablösende Sohlen.

Oder ich laufe einfach barfuß.


Die rechte hintere Ecke der Ampel

Wie es scheint, haben mein elektronisches Postfach und ich uns überworfen. Von mir völlig unbemerkt (und ich bin mir auch keiner Schuld bewusst) begegnet es mir seit heute morgen mit tiefstem Misstrauen. Statt mich fröhlich zu begrüßen und mir meine Post auszuhändigen, besteht es darauf, ich solle beweisen, dass ich menschlich bin und nicht etwa ein Roboter. Und ich sage euch, singen und tanzen reicht da nicht aus, das können Roboter nämlich auch. Ebenso ist mein Postfach nicht zufrieden mit Beweisen wie „Fingernägelknabbern“, „Nachts aufstehen und Schokolade essen“ oder „Beim Fernsehen stricken“. Oh nein, all das kriegen Roboter ja auch hin. Stattdessen hat sich mein Postfach etwas viel Perfideres ausgedacht. Etwas, woran jeder gute, handelsübliche Roboter scheitern wird. Es zeigt mir sechzehn Fotos und befiehlt mir, jedes Feld mit einem Fußgängerüberweg drauf anzuklicken. Oder jedes Feld mit einem Taxi. Oder mit einem Bus. Oder mit einem Schornstein. Bei Taxi und Bus versage ich regelmäßig. Mein Postfach, das hinterlistige Ding, zeigt mir nämlich gelbe Autos, die, wie ich finde, keinerlei Ählichkeit mit den hiesigen Taxen haben. Dasselbe Spielchen mit den Bussen – ich bekomme amerikanische Busse vor die Nase gesetzt. Der einzige amerikanische Bus, den ich eindeutig wiedererkenne, ist der, in den Forrest Gump einsteigt und zur Schule fährt. Alle anderen sehen… nunja, anders aus. Eine gewisse Chance habe ich bei Fußgängerüberwegen, aber manchmal sind die Bilder so unscharf, dass ich keine Ahnung habe, ob das wirklich ein Fußgängerüberweg ist, oder nicht doch eher ein Papagei. Vorhin sollte ich Schornsteine anklicken, und kurzsichtig, wie ich bin, bestand ich darauf, der Eiffelturm sei ein Schornstein. Woraufhin mich mein Postfach als Roboter einstufte und meine Post nicht rausrückte. Blödes Ding. Und dann diese hübschen Straßenbilder, bei denen Freund Postfach unbedingt die Ampeln benannt haben will. Kennt ihr? Die sehen zum Beispiel so aus:

Zweite Reihe, klar, Alles voller Ampeln. Jedenfalls im ersten Feld, im zweiten und im dritten. Aber was ist mit Nummer vier? Ist jener sanft angedeutete schwarze Streifen, dieser äußere Zentimeter der äußeren Hülle, noch eine Ampel oder nicht? Und wenn ja, gehört dann auch der Ampelmast in Bild vier, dritte Reihe, dazu? Ich meine, so ganz unwichtig ist der nicht, immerhin laufen da die Stromkabel lang?

Ich habe es versucht. Ich schwöre, ich habe alles eingegeben, was mir einfiel, und das in jeder möglichen Kombination. Mein Postfach ist überzeugter als je zuvor, dass ich nur ein Roboter sein kann.

Oder – und das erscheint mir viel wahrscheinlicher, ich habe einfach keine Post, und ihm war es peinlich, das zuzugeben.

Falls ich recht habe – schreibt mir nette Mails. Ich mag nette Mails, und dann kann ich einfach testen, ob meine Theorie richtig ist. Falls ich nicht antworte, dann könn te es sein dass ich doch ein ro bo ter bin a ber ver ra tet es nie man dem.

Wenn’s geht.

Glaubensfrage

Nach langer Pause habe ich wieder angefangen, Alpha Betty auf dem Handy zu spielen. Alpha Betty ist die Handy Version von Scrabble, und ich mochte es immer sehr gerne. Ich erinnerte mich allerdings auch fast sofort, warum ich aufgehört hatte. Ich war damals bei Level fünfhundertirgendwas und bin jetzt – drei Wochen später – bei Level fünfhundertirgendwasundzwei. Es ist schwer, in diesen einsamen Höhen noch Punkte zu machen.

Und dann sitze ich da vorhin und tippe vor mich hin, und auf einmal liegt es da. Ein Wort mit vier Buchstaben. Das ist großartig, denn AlphaBetty schlägt einem immer nur Worte mit drei Buchstaben vor, so komische Dinger wie „TNT“ oder „MTV“ oder „KSX“, und dafür gibt’s ja gar keine Punkte. Aber dieses Wort… es hat sogar einen Vokal, ein „O“! Und dann gerate ich ins Grübeln. Ist das jetzt ein göttliches Zeichen, dass ich bei diesem Spiel „Gott“ legen kann, oder ist es ein Test, um meine Standfestigkeit bezüglich des „Du sollst den Namen deines Herrn nicht missbrauchen“ zu prüfen? IST es denn überhaupt Missbrauch, Gott beim Scrabble zu legen? Schließlich gab ER mir diese Buchstaben, oder vielleicht war’s auch nur ein Programmierer, aber irgendwer entschied schließlich, dass das Spiel jetzt „Gott“ freigeben könne. Und ich will, verdammt nochmal – ach ne, fluchen geht ja auch nicht – aber ich will doch endlich mal ein Level weiter kommen. Ich bin also sehr für „göttliche Fügung“. Also will ich gerade das „G anklicken, da sehe ich etwas, das mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ich kann, statt des „G“ auch ein „P“ anklicken. Das gibt genauso viele Punkte, aber dann ist zusätzlich in der nächsten Runde der Stein neben dem „P“ freigespielt und ich komme vielleicht… vielleicht… weiter? Was genau will mir das jetzt sagen? Ist es eine Prüfung? Ein Ausweg aus dem Dilemma möglicherweise? Oder ein blöder, nichtssagender Programmier-Algorithmus?

Ich hab dann das P-Wort genommen und verloren. Und die ganze Zeit denke ich drüber nach, ob nach „Gott“ die ganzen Vokale runter gepurzelt wären und ich gewonnen hätte.

Verbummelt

Dank der eigenwilligen Akustik unseres Dorfes bekommen wir hier auf dem Berg alles mit, was unten passiert. Niemand kann sich auch nur die Nase putzen, ohne dass wir darüber informiert sind. Besonders gut sind wir über die Nachbarstochter informiert. Nicht, dass wir das wollen, sondern sie lässt einem nicht besonders viel Wahl, etwas, was sie sagt, NICHT zu hören.
Natürlich sind wir auch über ihr Kind informiert. Wir wissen, wie es heißt, dass es keine Karotten mag und dass es gerne auf die Straße läuft, wenn ein Auto kommt. Das ist nachvollziehbar. Nachdem ich gestern hörte, wie seine Mama sagte „Wenn ein Auto kommt machst Du BUMM“ – also, meine Kinder hätten es toll gefunden, BUMM zu machen.

Vor einiger Zeit sang Mama den ganzen Tag lang das tolle Lied „Meine Nase ist verschwunden, ich hab keine Nase mehr“. Ein Brüller, das Ding.
Und eben höre ich, wie sie zu ihrem Sprössling sagt: „Wo ist Oma? Wo ist Opa? Wo ist Papa?“
Ganz ehrlich, langsam zweifle ich, ob die Frau wirklich Kinder erziehen sollte. Bei ihrer Neigung, nicht nur Körperteile zu verlegen, sondern gleich auch noch ganze Familienmitglieder, ist es vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis auch das Kind weg ist. Und dann macht es BUMM.

Ziemlich sicher.

Ähm…

…ich bin die ganze Zeit am Überlegen, ob das hier ernst gemeint ist:

Und wieso zum ****** besteht mein blöder Drucker darauf, dass ich die cyanfarbene Druckerpatrone auswechsle (die nebenbei gesagt, noch voll ist) wenn ich eine Seite in Schwarz-Weiß drucken will?

Wenn Fliegen hinter Fliegen fliegen…

Ich halte ja nicht allzuviel vom vielgepriesenen Sonarsystem der Fledermäuse. Angeblich können die ja Insekten orten, indem sie kleine Quieker ausstoßen und anhand des zurück kommenden Schalls herausfinden, ob das Hindernis essbar ist.
Nun, Insekten vielleicht. Aber wie oft ich schon mit Fledermäusen zusammen gestoßen bin, das ist kaum noch zu zählen. Das erste Mal, dass mir Zweifel kamen war, als mein Sohn wissen wollte, ob Fledermäuse auch vom Boden losfliegen können. Batman kann das nämlich nicht, der muss sich immer irgendwo runter stürzen. Statt zu googeln (das Internet war zwar schon erfunden, aber die wirklich wichtigen Fragen standen noch nicht drin!) packte ich am nächsten Tag alle Kinder ein und wir fuhren zusammen zum Wildpark, von dem ich wusste, dass es dort ein Fledermaushaus gibt. Jeder von uns knallte bei diesem Besuch mit mindestens einer Fledermaus zusammen; und einer meiner Söhne hatte danach matschige Banane im Haar. Auch die Fledermäuse in unserem Garten in Hamburg umflatterten einen nicht nur, sie streiften einen zumindest, und manchmal rempelten sie einen auch an. Und gestern… also, wir saßen so vorm Fernseher und guckten Fußball, und draußen war es dunkel, da flatschte etwas – relativ sanft, aber es flatschte – gegen die Fensterscheibe. Entweder war es eine Fledermaus, die wissen wollte, ob England gewinnt, oder es war eine Fledermaus, die zu blöd war, NICHT gegen Scheiben zu fliegen, oder, dritte Möglichkeit, es war eine Fledermaus, die wissen wollte, wie ihr Lebensretter aussah, und die deshalb unbedingt durch das Fenster gucken musste.
Vor zwei Nächten nämlich, kurz vor Mitternacht, ging der Beste aller Männer zum Rauchen auf die Terrasse und kam kurz darauf wieder, um in der Speisekammer herum zu wühlen. Da er das sonst nie macht, fragte ich, ob er Hilfe brauche. Brauchte er aber nicht, er hatte den Akkuschrauber schon gefunden. Und fing an – kurz vor Mitternacht, sagte ich das schon? – die Holzverkleidung des Hauses abzumontieren. Auf meine erstaunte Frage erklärte er, dass das Einflugloch unserer Flugmonster durch den Regen zugequollen war.
„Jetzt sitzen die da drinnen und quieken“, sagte er. Nach einigen nervenaufreibenden Minuten sah die Hauswand nicht mehr so toll aus (wie gut, dass sie vorher schon nicht so toll aussah) und die Piepser konnten raus.
„Hoffentlich finden sie noch was zu Essen“, sagte der Beste aller Männer.
Gestern kam zufällig unser Vermieter vorbei und guckte etwas erstaunt über die Umgestaltung der Fassade, aber da er die Holzverkleidung sowieso doof findet, und weil tote Fledermäuse in der Wand irgendwie noch schlimmer sind als lebendige, äußerte er sich nicht weiter dazu.
Es ist also nachvollziehbar, wenn die Fledermaus am Fenster gar nicht so sonargestört war, sondern nur mal gucken wollte.

Übrigens – Fledermäuse können sehr wohl vom Boden aus starten. Wir haben damals mehr als eine Viertelstunde gebraucht (im Dunklen und in ECHT stickiger Luft), um den endgültigen Beweis zu finden. Es gelang uns, nachdem wir die Banane aus den Haaren des Kindes entfernten und auf dem Boden lagerten. Dort wurde sie dann von einer Fledermaus abgeholt, die es tatsächlich schaffte, sich vom Boden aus in die Luft zu schwingen.

Übrigens, hab ich mal erzählt, dass mein Kind auch irgendwann mal wissen wollte, wie Fliegen eigentlich an der Decke landen? Ich meine, sie fliegen ja nicht auf dem Rücken! Wir beobachteten STUN-DEN-LANG Fliegen, bis wir schließlich herausfanden, dass sie sich mit zwei Beinen an der Decke festhalten und dann eine Rolle machen. Wir waren echt stolz auf uns. Am nächsten (UNGELOGEN!) Sonntag guckten wir die Sendung mit der Maus, und da fragte Armin: „Wie landen Fliegen eigentlich an der Decke?“

Wir haben uns bis heute nicht so ganz von dem Lachanfall erholt.

Waldfrüchte

Eben, als ich etwas abseits der Wege durch den Wald kletterte, rief mir von unten ein Wanderer zu: „Na, gibt’s schon Pilze?“ Ich fühlte mich höchst geschmeichelt, für jemanden gehalten zu werden, der Ahnung von Pilzen hat. In Wahrheit weiß ich nur, dass man Fliegenpilze nicht essen sollte, und dass jeder essbare Pilz einen Doppegänger hat, der so giftig ist, dass man schon beim bloßen Anblick ins Koma fällt. Ich habe noch nie Pilze gesammelt; außer, als ich acht war. Mit meiner Oma und meiner Mutter. Ich erinnere mich an die Diskussionen:
„Den kann man essen!“
„Glaub ich nicht“
„Doch, ich bin sicher“
„Aber er ist doch lila!“
„Dann esse ich den eben und du isst die anderen“
Ich erinnere mich auch, dass ich nur den Reis gegessen habe…
Jedenfalls rief ich dem Wanderer zu: „Nein, ich sammle Blaubeeren. Sind aber nicht viele.“ Und das sind sie wirklich nicht. Man stelle sich vor, ein ganzer Waldboden voll mit Blaubeerbüschen, hunderte und aberhunderte von Metern, Und alles, was ich sammle, ist ein Viertel Marmeladenglas voll. Eins von den kleinen.
Besonders demoralisierend ist in diesem Zusammenhang, dass der Hund, nachdem er begriffen hatte, dass es was zu Essen gibt, neben mir schmatzend durchs Unterholz pflügte. Und sie frisst beileibe nicht alles (die Pilze lässt sie auch lieber stehen). Sie sammelt sehr sorgfältig, Stück für Stück, die Blaubeeren ab – und DANN schmatzt sie. Diese Leidenschaft hat sie im letzten Jahr entdeckt. Am Wegrand unseres damaligen Zuhauses wuchsen wilde Erdbeeren, und die liebte sie. Sie war ziemlich verstört, als wir irgendwann zu ihrer Lieblingssammelstelle kamen, und die letzten Erdbeeren waren weg. Ich versuchte, sie mit Brombeeren zu trösten, die kurz danach reif wurden, und sie fraß die auch, aber mehr, weil man ja nichts liegen lässt als aus wirklicher Begeisterung, und außerdem pieksten die. An ihre Erdbeeren kamen die Dinger einfach nicht ran. Blaubeeren findet sie aber gut, und sie zeigt sich beim Sammeln auch viel erfolgreicher als ich. Und ich bin ja froh, wenn es Blaubeeren sind. Sie frisst nämlich auch Kirschen, was nicht zu vermeiden ist, weil hier alle Wegränder, sogar IM Wald, voller zumeist herrenloser Kirschbäume sind, und sie frisst die Früchte mit Kernen. Die dann unverdaut und in Klumpen wieder rauskommen. Ich würde mir mehr Sorgen machen, wenn sie nicht zusammen mit ihrer Mama im letzten Jahr ein ganzes Kirschkernkissen gefressen hätte; ohne das störende Fruchtfleisch drumherum. Auch das kam wieder raus, und die beiden hatten nicht mal Bauchweh danach.

Jedenfalls ist der Hund jetzt mehr oder weniger satt (weniger, sagt sie gerade) und in der Küche befindet sich der Boden eines Marmeladenglases (des kleinen) voll mit Blaubeeren. Für Marmelade reicht’s nicht. Auch nicht für Kuchen. Vielleicht für einen einzelnen Pfannkuchen? Oder ich trockne sie und benutze sie für Tee und freue mich der Antioxidantien, die mich nach dem Genuss des Tees jung und faltenfrei aussehen lassen. Obwohl… faltenfrei klappt bestimmt nicht. So viele Blaubeeren, wie der Hund gefressen hat, und sie ist immer noch knautschgesichtig und faltig.

Ich glaube, in diesem Jahr möchte ich wirklich gerne eine Pilzwanderung mitmachen. Aus Büchern lernen sich die Unterschiede zwischen mehrmals essbaren und nur einmal essbaren Pilzen einfach nicht so gut, und vielleicht bekomme ich ja auch raus, was dieser lilafarbene Pilz damals eigentlich war. Er muss tatsächlich ungiftig gewesen sein. Jedenfalls ist er Oma damals gut bekommen.