Blaue Stunde

Manchmal, wenn ich abends zu müde war, um nochmal mit dem Hund Gassi zu gehen, muss er morgens. Dringend. Dann fängt er an, unruhig durchs Zimmer zu wandern oder steht vorm Bett und glotzt mich an, solange, bis selbst ich minderbemittelter Mensch merke, dass irgendwas nicht stimmt. Dann wälze ich mich, leise meine eigene Faulheit verfluchend, aus dem warmen Bett. Der Hund läuft derweil vor zum Badezimmer, weil er genau weiß, dass ich zuerst muss, sonst klappt das nicht. Dann werden irgendwelche Kleidungsstücke gesucht, die zu tragen mir im „wahren Leben“ peinlich wären, aber ehrlich, um 5:30 morgens im letzten Haus des Dorfes, wer soll mich da schon sehen. Ich gehe mit kaputter Jogginghose, Pu-der-Bär-Schlafshirt und zwei verschiedenen Schuhen raus, um den Hund zu retten. Es ist noch dunkel, aber ein schmaler Streifen Aquamarinblau unter dem Schwarz des Himmels über dem Berg im Osten verkündet, dass die Sonne vermutlich auch heute wieder aufgehen wird. Die Vögel haben das auch bemerkt, sie zwitschern sich Morgengrüße, Beschimpfungen, Liebesschwüre und Zitate aus „Harry Potter“ zu und machen einen Krach, dass man sich wundert, wie man eben noch schlafen konnte. Zwei der drei Straßenlaternen des Dorfes sind seit fünf Uhr wieder an (die dritte ist irgendwann im letzten Jahr kaputt gegangen, aber wen interessiert das schon). Ich kann also ungefähr sehen, was der Hund so macht. Und während ich warte, dass er endlich die perfekte Stelle findet (das weiß schließlich jeder, wenn es nicht perfekt passt, dann lieber gar nicht!) kommt mir im Schein der Laterne ein Nachbar mit seinem Hund entgegen. Er in karierter Schlafanzughose, mit Gummistiefeln und einer zu kleinen rosa Wolljacke, und man grinst sich verständnisinnig an. Musste wohl auch schnell gehen.
Am schönsten ist es dann aber, wieder ins Bett zu krabbeln, das noch ein bisschen warm ist, und zu wissen, dass man noch ein paar Stunden Schlaf dranhängen kann.
Während die Sonne im Osten über dem Berg ohne einen aufgeht.

Ausgesprochen

Der beste Mann von allen findet Fußball total gut. Wenn sein Lieblingsverein spielt, darf man ihn absolut nicht stören. Er muss dann erstmal das Spiel gucken, dann muss er ein bisschen über das Ergebnis weinen und dann guckt er Pressekonferenzen, in denen jemand erklärt, warum man genau so und nicht anders gespielt hat, was da falsch gelaufen ist, wer eigentlich Schuld hat und was man nächstes Mal besser machen wird.

Der beste Mann von allen findet auch Politik total… naja, vielleicht nicht gut, aber immerhin sehenswert. Deshalb läuft jetzt gerade die Nachbesprechung der Landtagswahlen. Da wird einem erklärt, wieso man genauso und nicht anders gespielt regiert hat, was da falsch gelaufen ist, wer eigentlich Schuld hat und was man nächstes Mal besser machen wird.
Ich schwöre, ich habe diese Reden schon gestern gehört:
“ Leider haben wir nicht genug Stimmen (Tore) bekommen.“
„Die Spendenaffäre (der Elfmeter) waren absolut nicht akzeptabel“
„Wir müssen aus dem Ergebnis personelle Konsequenzen ziehen“
„Möglicherweise waren die Entscheidungen der letzten Ministerkonferenz (die Trainerentscheidung / die Schiedsrichterentscheidung / die Entscheidung des Stürmers, nicht auf das Tor, sondern zum Gegner zu spielen) nicht so optimal“
„Wir geben jetzt weiter zu den Tagesthemen (Isch habe ferrrtig!)“

Ich glaube, der beste Mann von allen hat diese Reden auch schon gehört. Ich dachte, er sei vor Langeweile eingeschlafen (das kann man schonmal annehmen, wenn jemand schnarcht) also habe ich den Fernseher ausgemacht. Woraufhin er aufschreckte, behauptete, er sei die ganze Zeit wach gewesen und dann zusetzte „Es wurde nicht über Inhalte gesprochen“.

Ich glaube, ich unterschreibe das jetzt mal so.

Krankenhausimpressionen

Normalerweise mag ich das Essen hier. Aber diese Hähnchenkeule heute hatte statt knuspriger Haut etwas, was vermutlich in der Pathologie übrig geblieben ist. Die Soße befand sich im falschen Aggregatzustand (vielleicht hatte ich sie als Radiergummi benutzen können?) und der Gemüsereis war sehr, sehr salzlos. Besonders weil es nicht möglich war, die Soßenkrümel darüber zu verteilen.

Ich weiß, dass sie es können. Der Fisch gestern war super. Aber das jetzt…uuuurgs.

Naja, man ist ja nicht zur Erholung hier…

Diät

Ich habe eine neue Diät erfunden und gleich ausprobiert. Sie klingt total lecker, so erstmal, und sie funktioniert unglaublich gut. Man isst einfach soviel Schokoladenpudding und Dosenpfirsiche, wie man nur schafft. Der Trick bei dieser Diät ist, dass man nur einen halben Schokoladenpudding und einen Viertel Dosenpfirsich über den Tag verteilt schafft, weil man nämlich richtig, echt, fürchterlich krank ist. Sobald man versucht, irgendwas zu essen, fängt der Körper an zu meckern: He, ich bin gerade auf wirklich wichtige Sachen konzentriert. Ich kann mich jetzt nicht noch mit solchen Kleinigkeiten wie „Verdauung“ beschäftigen, mach das wann anders. Am allerbesten klappt diese Diät, wenn man einen allerbesten Mann von allen zuhause hat, der, sobald man mit ersterbender Stimme losjammert: „Ich habe solchen Appetit auf diesen gekauften Schokoladenpudding, du weißt schon, diesen billigen“ losrennt und einem das Leben rettet, indem er genau diesen Schokoladenpudding kauft, wobei er alle ethischen und geschmacklichen Grundsätze heldenhaft missachtet. Und wenn man dann nach drei Stunden noch nicht mal den halben Schokopudding geschafft hat und murmelt: „Eigentlich hätte ich doch lieber Dosenpfirsiche gehabt“, dann dreht er einem nicht den Hals um, sondern kauft Dosenpfirsiche.
Mittels dieser Diät ist es mir gelungen, in vier Tagen gut vier Kilo abzunehmen. Allerdings kann ich jetzt keine Dosenpfirsiche und keinen Schokoladenpudding mehr sehen. Der beste Mann von allen sagt, er kocht morgen. Broccoligratin. Wenn ich so darüber nachdenke, ist Broccoligratin genau das, was ich gerne essen würde.
Ich finde den besten Mann von allen total großartig (falls es da noch Zweifel geben sollte)

🙂

Echt jetzt?

Der beste Mann von allen schreckt aus dem Schlaf hoch, sieht sich verwirrt um, entdeckt mich und erklärt mir erleichtert: „Es war der Kaiserschmarrn“. Dann kippt er wieder um und schläft weiter, zufrieden, alle Probleme gelöst zu haben.

Allerdings habe ich jetzt Fragen.

Ganz einfach

Mal ehrlich… hat bei irgendwem schon mal „Plug & Play“ funktioniert? Ich meine, außer bei Toastern? Bei mir noch nie. Und jetzt hab ich einen kleinen, süßen Fernseher gebraucht gekauft, und dachte, Fernseher – Kabel – Wand, und dann könnte ich Fernsehen gucken. Nein, so ist das nicht. Tatsächlich läuft das so: Fernseher, Whatsapp, Kabel, Whatsapp, anderes Kabel, Amazon, Whatsapp, schlafen, Whatsapp, schlafen, Whatsapp, Fernseher, Kabel, Sat-Receiver, Stecker, Kabel, Stecker, Wand, Whatsapp, Whatsapp, Whatsapp, und dann Fernsehen gucken.
Ich habe jetzt fünfhundert verschiedene Programme, und was gucke ich? „Navy CIS“. Genau das, was ich auch ohne Fernseher immer auf dem Notebook geguckt habe.
Nur in viel cooler.
Und die Sache mit dem Toaster bekomme ich auch noch hin.

Absolut sicher

Neulich habe ich doch tatsächlich mein Passwort vergessen. Also, nicht das Passwort natürlich, sondern eins von den fünfzig Passwörtern, die man so im Alltag braucht. Denn natürlich soll man ja nirgendwo die gleichen Passwörter benutzen, also mache ich das auch nicht. Stattdessen gab ich immer verzweifelter alles ein, was mir so an Passwörtern einfiel, und jedesmal kam als Antwort: Ne, das isses nicht. Ne, das auch nicht. Und NEIN, das nun schon gar nicht! Schließlich gab ich auf und ließ mir ein Ersatzpasswort in mein Email-Postfach schicken. Mit dem enterte ich meinen Account, welcher daselbst zu mir sprach: „So, und nun gib bitte ein neues Passwort ein“. Ich tippte den Namen meines Hundes ein.
„Doofes Passwort“, erklärte mir mein Account. „Ein vernünftiges Passwort muss zumindest acht Buchstaben haben“. Ich grübelte ein wenig und entschied mich für ein echt langes Wort. Eins, das man nicht so schnell vergisst: katastrophenschutzalarmübung.
„Voll doof, das Passwort“, teilte mir mein Account mit. „Ein sicheres Passwort muss aus großen und kleinen Buchstaben bestehen“.
„Kein Problem“, murmelte ich und schrieb das schöne Wort abwechselnd mit großen und kleinen Buchstaben: kAtAsTrOpHeNsChUtZ… und so weiter.
„Joa, neee, ne“, meckerte mein Account. „Ohne Zahlen ist das Passwort immer noch unsicher“. Ich ergänzte 12345.
„Die Zahlen dürfen nicht in ihrer natürlichen Reihenfolge auftreten“, meckerte mein Account mich an. Ich googelte flugs die Telefonnummer des Vatikan und fügte sie hinter dem zweiten „T“ ein.
„Immer noch unsicher“, wurde mir erklärt. „Guck mal, auf einer Scala von eins bis acht bist du gerade mal bei zwei. Füge doch bitte noch ein paar Sonderzeichen ein“. Ich tippte einige %&/“$-Zeichen, die ich auf meiner Tastatur fand.
„Das sind die typischen Sonderzeichen, die hat ja wohl jeder“, teilte mir mein Account mit. „Nimm die coolen Sonderzeichen.“ Ich googelte das griechische Alphabeth und gab den Geburtsort meiner Großmutter auf Griechisch ein.
„Fünf von acht“, befand mein Account. „Geht das nicht besser?“ Doch, kein Problem. Ich googelte auch noch die henochische Schrift und fügte in selbiger den Anfang des Jabberwocky-Gedichtes von Lewis Caroll ein. Rückwärts. Mit einem Herzchen nach jedem Buchstaben und am Ende einem Ausrufezeichen. Dann drückte ich auf „Speichern“. Ich war sicher, mein Account würde zufrieden sein. War er nicht. Hier seine Antwort:

Tut mir echt leid, aber das alte und das neue Passwort dürfen nicht identisch sein!

Die Magie darin

Es wird wohl niemand ernsthaft bestreiten, dass wir Deutschen eine Nation von Wettergöttern sind. Wir vermögen es wie kaum ein anderes Volk, das Wetter zu beeinflussen. Wir waschen das Auto – zack, es fängt an zu regnen. Wir putzen die Fenster – es gibt ein Unwetter. Wir tauschen die Winterreifen gegen die Sommerreifen – es gibt Glatteis. Man fährt in den Urlaub und lässt die Pflanzen auf dem Balkon – es wird drei Wochen lang nicht regnen. Man kauft einen neuen Schirm – es wird garantiert drei Monate lang nicht regnen.
Neueste Forschungen haben ergeben, dass es sowas wie Hoch- und Tiefdruckgebiete gar nicht gibt. Stattdessen werden Menschen in ganz Deutschland von verschiedenen meteorologischen Abteilungen dafür bezahlt, zu bestimmten Zeiten ihre Autos zu waschen, ihre Fenster zu putzen oder dem Hund ein neues, warmes Mäntelchen zu kaufen, um das vorhergesagte Wetter auch wirklich eintreten zu lassen.
Natürlich besitzen auch Menschen anderer Nationen diese Fähigkeit (Gerüchten zufolge war die Sahara solange ein blühendes, fruchtbares Land, bis ein Tuareg namens Karl-Heinz – der Nachname verschwindet im Dunkel der Geschichtsschreibung – sich ein paar neue Gummistiefel kaufte). Aber es scheint mir, als sei diese Fähigkeit bei uns doch ausgeprägter. Ich meine, sonst könnten Karl Heinz‘ Nachfahren sich ja auch einfach einen neuen Sonnenschirm sowieso eine Großpackung Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 70 kaufen und es in der Sahara auf diese Weise wieder regnen lassen!

Wieso ich das schreibe? Ich habe einige Paprika ausgesät. Angeblich kann man das Ende Januar schon mal machen. Exakt an dem Tag, an dem sie ihre ersten zarten Blätter aus der Erde streckten, versank unser Dorf im tiefen Schnee. Was auch sonst.

Wenn ihr die Schnauze voll habt vom Schnee, sagt Bescheid. Ich brauche eigentlich gar keinen neuen Wintermantel. Aber ich würde ihn mir kaufen, nur um den Frühling für euch zu beschleunigen.

Kleinanzeigen

Schon blöd, wenn zwei Leute zusammenziehen, die beide der Teil einer kaputten Partnerschaft gewesen sind, der keine Lust hatte, um Toaster, Sofas und silberne Kuchengabeln zu streiten. Als der beste Mann von allen und ich zusammen zogen, besaßen wir als Hausstand folgendes: Fünf Kaffeetassen (drei davon mit Werbeaufdruck), eine Matratze, fünf Karl-May-Bände und zwei Bulldoggen. Der beste Mann von allen war damit nicht unzufrieden. Irgendwie spukte in seinem Kopf so etwas herum wie „frei und unbelastet von Konsumgütern, und außerdem, falls man mal wieder umziehen muss, ist das OHNE Sofa viel leichter“. Ich dagegen wusste nicht, wie man ohne silberne Kuchengabeln einen Haushalt führt. Omas Unterweisungen hatten mich darauf nicht vorbereitet. Beim nächsten Besuch in Hamburg nahm ich die Kuchengabeln einfach mit, dazu einen Schwung meiner Kochbücher, zwei Stühle, einige nicht zusammenpassende Teller (das Service gehört zwar mir, aber der Ex und vor allem mein Sohn brauchen ja auch Geschirr!) und mehrere Keksdosen. Dazu kaufte ich noch einen Kochtopf, eine Pfanne und einen hölzernen Rührlöffel. Jetzt besaßen wir zwar alles, was man so in einer Küche braucht, leider aber keine Küche. Die hatte der Vormieter mitgenommen.
Unsere Rettung waren die Kleinanzeigen unserer Umgebung. Es gelang uns, eine gar nicht mal so hässliche Küche mit Backofen und Spüle zu einem unschlagbaren Preis aufzutreiben. Seitdem bin ich ein Fan der Kleinanzeigen. Zwei bis dreimal am Tag arbeite ich mich durch die neuen Angebote und versuche, den besten Mann von allen zu überreden, wahlweise Meerschweinchen („…guck mal, wie niedlich!“), Axolotl mit Aquarium („…guck mal, wie billig“) oder Schäferhunde („Guck lieber nicht, sonst willst du den noch haben“) zu kaufen.
Ein paar wirklich schöne Schnäppchen sind mir da auch schon gelungen. So habe ich beispielsweise ein neues, bildhübsches Bügeleisen in hellem Gelb für ganze fünf Euro erstanden. Und seitdem nicht einmal gebügelt. Ich wollte es, wirklich, aber jetzt, wo ich es auch kann, erscheint mir das gar nicht mehr so erstrebenswert. Wir besitzen auch einen Arbeitstisch für jeden Raum, außer für die Küche, wo es einen Esstisch gibt. Der beste Mann von allen ist nicht der logischste Mann von allen. Er ignoriert die Arbeitstische und arbeitet am liebsten am Esstisch, weswegen wir beim Essen immer stapelweise Unterlagen, Kugelschreiber und Notebooks wegräumen müssen. Natürlich sieht der beste Mann von allen das etwas anders – er muss, um vernünftig arbeiten zu können, dauernd Essen wegräumen. Und dann beschwert er sich, dass er zugenommen hat. Irgendwie ist er ja niedlich.
Was mir jetzt noch fehlt sind Wollreste und Regale. Ich habe mal geguckt, die etwas weiter entfernten Städte sind voller Wollreste und Regale. Ich suche schon ewig, aber hier in unserem kleinen Dorf (zuzüglich zehn Kilometer, was einige etwas größere Ortschaften beinhaltet) wollen die Leute ihre Regale und Wollreste nicht rausrücken. Trotzdem bringt es einfach Spaß, die Kleinanzeigen durchzusuchen. Heute habe ich neben den üblichen Angeboten wie Betten und Kleiderschränken Folgendes gefunden: Auflösung einer Sammlung von 50er-Jahre Tortenplatten, einen Trecker, ein Buch „Der Sportbootführerschein“, einen Inhalator für Pferde, den Kühlergrill eines Ford Mondeo, eine Stahlstichreproduktion von Königsberg und eine alte hölzerne Wäschemangel („sehr schöner Zustand“).
Ich denke, ich werde versuchen, den besten Mann von allen für die Wäschemangel zu begeistern. Nicht, weil ich eine bräuchte, sondern weil er auf die anderen Sachen garantiert nicht mehr reinfällt. Und sein genervter Gesichtsausdruck, wenn ich seine „Wir brauchen ja eigentlich gar nichts“-Ideologie unterminiere, ist einfach zu liebenswert.
Wenn ich dann allerdings zum Geburtstag eine alte Wäschemangel („sehr schöner Zustand“) bekomme, dann habe ich verloren…

Worüber wollte ich schreiben?

Heute Nacht wachte ich auf, im Kopf die Idee für den ultimativen Blogeintrag, witzig, hintergründig und ohne unlesbare Nebensätze dritten Grades, als ich auch schon wieder einschlief und das Ganze vergaß. Worum mag es wohl gegangen sein? Bulldoggen vielleicht? Über die kann man gut schreiben; sie sind witzig. Ich schreibe auch über sie. Tatsächlich habe ich mich einer WhatsApp-Gruppe angeschlossen, die den ganzen Tag nichts anderes tut, als über ihre Bulldoggen zu schreiben und Bilder selbiger zu posten. Ich bin nicht sicher, ob ich mich da nicht unbeliebt gemacht habe, als ich nach dem hundertfünfzigsten zuckersüßen Bulldoggenbild gepostet habe: „Okay, langsam fange ich doch an, die Viecher zu mögen“.
Vielleicht handelte meine grandiose Idee auch von Corona? Zwar ist Corona an sich nicht unbedingt „witzig“, aber Sprüche wie „Was hättest du 2019 gedacht, wenn Du in der Zeitung gelesen hättest: Zum Schutz vor Mutanten werden die Grenzen dichtgemacht?“ sind es. Tatsächlich gibt es inzwischen eine ganze „Macht das Virus durch blöde Witze fertig“-Kultur, ähnlich wie damals die DDR-Witze. Die durften zwar nur hinter vorgehaltener Hand erzählt werden, aber ich denke, gerade das machte sie so erfolgreich. Ich wüsste nur nicht, warum ich darüber schreiben sollte. Tun doch alle anderen schon.
Chris hatte gestern Geburtstag. Ich gratuliere gerne Leuten zum Geburtstag, aber erstens hätte ich das eine Nacht vorher träumen müssen, damit es sinnvoll gewesen wäre, und außerdem, was ist daran witzig und hintergründig? Er hatte Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute. Hm. Wenigstens keine blöden Nebensätze.
Schnee. Natürlich könnte ich über Schnee schreiben. Erst hatten wir welchen, dann hatten wir keinen mehr, während Norddeutschland (MEIN Norddeutschland) in Schneemassen begraben wurde. Mein Sohn meldete sich mitten in der Nacht von der Strecke Berlin-Hamburg, wo sein ICE im Schneesturm stecken geblieben war. Er versicherte mir, er sei nicht am Verhungern, nicht am Verdursten und nicht am Erfrieren, und schlief dann vermutlich wieder ein. Ich bin nicht sicher, ob er inzwischen in Hamburg angekommen ist, habe aber auch keine Nachrichten über in ICEs erfrorenen, verhungerten und verdursteten Bahnkunden gefunden. Und ich habe gründlich gesucht. Im Übrigens schneit es jetzt gerade hier wieder. Nicht doll, aber doch genug, um Gassigehen doof zu finden. Das kann nicht das Thema gewesen sein. Es ist nicht lustig.
Ich denke und denke nach, was wohl dieses total umwerfende Blog-Thema gewesen sein könnte. Ich habe eine großartige Idee. Ich gehe einfach noch einmal ins Bett und schlafe eine Runde. Vielleicht fällt es mir dann wieder ein.

Ach ja, und NEIN, es hilft nichts, einen Notizblog und einen Stift neben dem Bett liegen zu haben. Erstens bin ich immer viel zu müde um nachts zu schreiben, zweitens denke ich, müde wie ich bin, sowieso immer „diesen unglaublich witzigen, tollen Gedanken KANN man gar nicht vergessen“, und außerdem, ihr kennt doch die Geschichte von dem Schriftsteller, der genau das versucht hat? Morgens guckte er voller Neugier auf seinen Notizblock und da stand „Junge verliebt sich in Mädchen“.

Es ist 13:20 Uhr.

Gute Nacht.