Heute so…

Stromausfall im Dorf. Man merkt es daran, dass plötzlich alles im Dorf totenstill ist. Fast wie nachts, nur ohne die Eulen und das Gebell der Füchse. Es bleibt einige Sekunden ruhig, dann hört man Fenster klappern und eine Stimme ruft ins Dorf hinein: „Habt ihr auch Stromausfall?“ und man hört eine andere Stimme antworten: „Ja, der Mixer ist gerade ausgegangen. Warte, ich guck mal im Kühlschrank nach“. Ein Momant Stille, dann aus einer anderen Richtung: „Ja, das IST Stromausfall. Verdammt. Ich wollte doch gerade den Rasen mähen“. Als guter Deutscher werfe ich einen Blick auf eine nicht vom öffentlichen Stromnetz abhängige Uhr und stelle fest, es ist gleich 14 Uhr. Rasenmähen? Echt jetzt? In der Ferne kräht ein Hahn, zwei Hunde gehen sich an die Gurgel und man hört das leise Stromausfallsgemurmel der Dorfbewohner. Dann, plötzlich, Krach. Nein, der Strom ist nicht wieder angegangen, aber der Typ mit dem Rasenmäher ist nicht bereit, sich vom Schicksal oder wer auch immer für Stromausfälle zuständig ist, ins Handwerk pfuschen zu lassen. Er hat seinen Benzinmäher rausgeholt. Das bringt die Nachbarn auf lustige Ideen. Einer klappert mit der Autotür und Sekunden später hört man laute Radiomusik.
Unten hört man die Nachbarstochter mit ihrem Sohn reden. Der kann eigentlich nur „Da“, aber das stundenlang und mit diversen Nuancen, so dass es kaum jemals langweilig wird. Ein Gespräch zwischen den beiden klingt so:
„Da!“
„Das ist Omas T-Shirt“
„Da!“
„Das ist Omas Hose!“
„Da!“
„Das ist Omas T-Shirt“
„Da!“
„Das ist Omas… das hatten wir doch schon. Guck mal, da oben hängt Omas Schlüppi an der Leine!“
Beide gackern los. Irgendwie trifft Omas Schlüppi den Humor von beiden.

Inziwschen ist der Strom wieder da. Das Kind hat sich gerade den Schuhanzieher geschnappt („Da!“). Der Rasen rechts hinten ist gemäht, aber links legt gerade jemand los. Wenigstens scheinen alle Bäume für heute gefällt zu sein. Allerdings, dem Krach nach haben sich die ehemals spinnefeinden Hunde verbrüdert und bringen gemeinsam gerade einige Hähne um. Oder umgekehrt.

Landleben.

Trödeldorf

Das Schicksal hatte wirklich einen eigenartigen Humor, als es ausgerechnet in jenem Moment sämtliche Flohmärkte Dank Covid schließen ließ, als ich mich plötzlich ohne die grundlegenden Gegenstände des Lebens wiederfand, als da wären: Muskatnussreibe, Gewürzmörser und Kartoffelstampfer. Wie, dachte ich panisch, soll ich jetzt meine Muskatnüsse reiben, wie meine Gewürze mörsern und meine Kartoffeln stampfen? Klar, kann man alles neu kaufen, diese Sachen, aber da mir auch alle anderen Dinge fehlten und nur mittels Geld zu beschaffen waren, trauerte ich doch den Flohmärkten hinterher, auf denen ich zu einem Bruchteil des Preises und aufgrund mangelnder Benutzung leicht angestaubte Muskatreiben hätte kaufen können.

Seit einiger Zeit haben die Flohmärkte wieder geöffnet. Vorsichtig erst, mit Gesichtsmasken und auf genügend Abstand bedacht, schlich man sich durch die breiten Gänge, sorgfältig jedes Gedränge vermeidend und immer unter den wachsamen Blicken irgendwelcher Ordner, die dafür sorgten, dass alle Viren beim Besitzer blieben.
Jetzt, nach ein paar Monaten, in denen Flohmarkte nicht als Superspreader-Event ausgemacht werden konnten, sieht man das wohl etwas lockerer. Vielleicht sind die Leute auch alle geimpft, ich weiß es nicht, aber auf dem Flohmarkt heute trugen nicht mehr alle Menschen Masken. Es war beinahe ein richtiges Vor-Covid-Feeling. Die übliche Mischung „Gewerblicher“ mit ihren Handyhüllen, den DVDs und den „Alles nur 10 Euro“-Klamotten, dazu die Mamas, welche die zu klein gewordene Babykleidung an den Mann / die Frau “ das Kind bringen wollten, ältere Leute mit überzähligen Siebzier-Jahre-Kuchenplatten (drehbar und mit Pril-Blümchen-Muster) und der obligatorische türkische Obst-und-Gemüse-Händler („Eine Tüte drei Euro, zwei Tüten fünf Euro!“).
Ich war so glücklich, zwei Bücher von Erich Kästner zu erwischen, Stück einen Euro, welche die dem Wasserschaden zum Opfer gefallenen Exemplare ersetzen können, und außerdem besitze ich jetzt eine Hose („Nur zehn Euro!“), welche ein wenig wie eine Schlafanzughose aussieht, aber total gemütlich ist.
Rundum gelungen, der Flohmarktbesuch.

Und dann fuhren wir in Richtung der heimischen Dachterasse, um es uns auf dem Liegestuhl mit „Emil und die drei Zwillinge“ gemütlich zu machen (zumindest die Hälfte von uns), als wir plötzlich ein Schild sahen: „Trödelmarkt. Prombach“.
Ich finde es spricht für eine Beziehung, wenn man sich gut genug kennt, um ohne Rückfrage einfach abzubiegen und nach Prombach zu fahren, nur auf den vagen Verdacht hin, dass da eine Muskatnussreibe sein könnte. Genau das tat der Beste aller Männer nämlich.
Um es vorweg zu sagen: Nein, es gab keine Muskatnussreibe. Aber sonst eigentlich alles. Es gab nämlich nicht etwa einen Trödelmarkt in Prombach, sondern Prombach WAR der Trödelmarkt. Jeder, der irgendwas loswerden wollte, stand mit seinen Schätzen einfach vor der Haustür oder in der Garageneinfahrt, und während man durch das Dörflein wanderte, könnte man von Reitstiefeln über Darth-Vader-Wecker bis hin zu Schaukelstühlen alles bestaunen. Wir blieben standhaft bei dem Kuschelschaf, erwägten kurz den Kauf eines Schokoladenfondues (für zwei Personen) und versuchten verzweifelt, einem Prombacher mit wirklichem Verkaufstalent zu erklären, dass wir weder Flipcharts noch einen Grundkurs Französisch benötigten. Dazu machten wir noch einen netten Spaziergang durch das ganze Dorf, und alle paar Grundstücke fand der Hund einen Napf mit Wasser vor (nur die Katze, die wollte uns lieber nicht auf dem Grundstück haben!).
Schließlich fand ich, wenn schon keine Muskatreibe, so doch den ultimativen Kartoffelstampfer, und jetzt sind wir wieder Zuhause und ich habe die Wahl, entweder Kartoffeln zu stampfen, oder Emil und die drei Zwillinge zu lesen.
Hund und Mann sind erschöpft auf der Dachterrasse eingeschlafen, neben mir summen die Hummeln um die letzten Sommerblüten herum und die Schildkröte randaliert sich einen Weg durch die Blumentöpfe auf der Suche nach Unkraut oder wonach auch immer Schildkröten suchen mögen.

So ein wenig spürt man den Herbst schon, sieht ihn in den Blättern des Vogelbeerbaumes, die sich rötlich färben, und in den Tomatenpflanzen, die jetzt ihre letzten Früchte noch schnell rot werden lassen, aber sonst… Sommer. Eindeutig. Einer der Momente, die man sich für die langen, grauen Wintertage aufbewahrt.

Es ist schön hier.

Aufräumen Teil 2

Normalerweise, denke, ich, wächst man zusammen mit seiner Bibliothek. Man bekommt nicht alle Bücher auf einmal, sondern kauft sich hier ein Buch, bekommt da eins geschenkt, und wenn man es gelesen hat (im besten Fall) sortiert man es im Schrank ein. Bei meinen Büchern war das so – ich konnte die meisten meiner Bücher blind finden, und es waren wirklich nicht wenige.

Jetzt besitze ich nur noch einen Teil meiner Bücher – ein großer, nicht wieder gut zu machender Teil ist Dank eines schlimmen Wasserschadens nicht mehr lesbar – dafür aber neue Bücherregale. Und endlich auch genügend Regalbretter, so dass ich auch die Bücher einordnen kann, die ich beim letzten Mal aus dem alten Haus mitgenommen hatte. Ich hatte keine Ahnung, welche es waren, und packte eingermaßen überrascht Bücher aus wie“Das doppelte Lottchen“ (habe ich gleich nochmal gelesen!), „Kakteen und andere Sukkulenten“, dreimal Winnetou Band eins (liebe Güte, wann ist denn das passiert?), zweimal „Der Alchimist“ (beide noch in Folie. Ist das gut? Sollte ich es lesen? Braucht jemand eins?) und „Backen für Freunde“.
In meinem Fundus befindet sich jetzt „Laura und das Geheimnis von Aventerra“, aber nur drei der Bände, die restlichen fehlen. Überhaupt fehlen viele Bücher, was gerade bei Serien auffällt. Ich besitze derzeit Teil zwei einer Trilogie – soll ich die anderen Bände nachkaufen, oder finden sich die wieder an? Oder sind sie im Wasser ertrunken?
Einige der Bücher, ich muss es zugeben, habe ich nie gelesen. Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt dazu. Andere werde ich, ganz ehrlich, nie wieder lesen. Das große Lexikon der Vornamen benötige ich, glaube ich, nicht mehr unbedingt. Ich mag den dicken Wälzer über den Baader-Meinhof-Komplex nicht mehr lesen, ebenso einige veraltete wissenschaftliche Abhandlungen über Autismus. Besonders schön in dem Zusammenhang: Das Buch „Simplify your life“ steht hier eigentlich nur herum.

Und dann, wenn man sich entschieden hat, welche Bücher man wirklich und für alle Ewigkeiten braucht (den „Herrn der Ringe“ zum Beispiel) und auf welche man eigentlich auch verzichten kann („111 Gründe, Fortuna Düsseldorf zu lieben“… mal ehrlich, wenn man nachlesen muss, wieso man die lieben muss, dann muss man die gar nicht lieben, oder? Aber okay, das Buch bleibt. Um sich daran zu erinnern, warum man sie lieben SOLLTE, auch wenn sie tatsächlich ausnahmsweise mal verlieren. Mal wieder), muss man sie ja auch noch sinnvoll einsortieren.
Ich habe mal versuchsweise einige Bücher nach Größe geordnet. Sieht super aus, dafür steht jetzt der „Selbstversorger-Balkon“ aber auch neben dem „großen Buch vom Häkeln“, daneben kommt der „Altlas zur Weltgeschichte“, dann „Plötzlich Prinzessin“ von Meg Cabot und danach „Petzi in Pingonesien“.
Es wird eine Weile dauern, bis ich wieder blind nach meinen Büchern greifen kann und das Gewünschte erwische. Andererseits liest man so vielleicht Bücher, auf die man sonst nie gekommen wäre. Die drei Fragezeichen hab ich wirklich ewig nicht mehr gelesen.

Und jetzt, wo alles ordentlich im Regal steht, habe ich sogar noch etwas Platz frei. Es wird Zeit für neue Bücher, glaube ich…

Nostalgisch

Eigentlich wollte ich aufräumen.
Das klingt wie der Anfang eines Selbsthilfebuches, fällt mir gerade auf. Sollte ich irgendwann mal eins schreiben, werde ich es genau so nennen. Wenn es ein gutes Selbsthilfebuch ist, wird auf den letzten Seiten dann auch verraten, wie man es schafft, sich nicht ablenken zu lassen, aber das habe ich noch nicht herausgefunden. Ich sollte zumindest wissen, worüber ich schreibe, wenn ich schon Selbsthilfebücher schreibe.
Jedenfalls, man kann es sich denken, räume ich jetzt NICHT auf. Ich habe nämlich das Freundebuch meines jüngsten Sohnes gefunden. Und begonnen, darin rumzublättern. Soooo niedlich! Mit Begeisterung nehme ich zur Kenntnis, dass mein Kleiner sich dereinst „Gans viel Playmobiel“ wünschte. Woraufhin sein großer Bruder bei „Das wünsche ich Dir“ eintrug: „Gaaaaaaaaaaaaaaanz viel Playmobil“. Einer seiner Klassenkameraden hat das schöne Sternzeichen „Skobion“ und möchte gerne „Torwatt“ werden. Ein anderer schreibt, sein Lieblingsspiel sei „Call of Duty 4“ (sie müssen damals in der zweiten Klasse gewesen sein) und wünscht ihm im Leben „Glüg“. Interessant ist auch das Lieblingsessen der Freunde. Einer liebt „Tomattensose“. Das ist ein schweres Wort, während lustigerweise ALLE das Wort „Pizza“ richtig schreiben. Mein Highlight ist allerdings „Katofelbrei mit Fischschtäbchen“. Das esse ich auch sehr gerne.
Ich habe keine Ahnung, wieso das Freundebuch bei mir liegt. Ich sollte es dem Besitzer mal schicken. Und dann könnte ich weiter aufräumen. Eigentlich. Wenn ich das richtig sehe, liegt da nämlich, mitten zwischen den ganzen Taschenbüchern, ein Stapel alter Fotos…

Politik für Hunde

Ganz ehrlich, die meisten politischen Rededuelle sind nur schwer zu ertragen. Für mich ist da der Fremdschämfaktor ungefähr ebenso hoch wie bei „Schwiegertochter gesucht“ oder wie die Sendung heißt, obwohl ich nicht weiß, ob ich mir da ein Urteil erlauben darf, denn ich habe sie nie gesehen. Nur den Schwiegersohn, den Jan Böhmermann dahin geschickt hat. Und der war ja eigentlich wirklich allerliebst.
Aber wenn ich schon diese Diskussionen unterträglich finde, wie schlimm muss das erst für Hunde sein? Nicht EINMAL sprechen die über etwas von Belang. Also, von Belang für Hunde. Dabei wäre es so einfach, aus meiner kleinen Bulldogge einen politisch interessierten Hund zu machen.

Zum Beispiel beim Thema Energie:
„Da wäre Gassi cherlich die bessere Alternative“

Oder Allgemeinbildung:
„Die Abkürzung für Frankreich ist Fressen ist aber auch eine tolle Stadt!“

Oder Außenpolitik:
„Die Musik in Südkorea ist gar nicht so ü Bällchen ist ein gutes Beispiel dafür“ (ja, es gibt einen Sänger, der Chen heißt. Ehrlich!) „Herrchen ist in Südkorea wirklich sehr beliebt!“

Vielleicht auch Kunst?
„Hü Pfote llo!!!“ (Shakespeare würde sich gewundert haben)

Und wenn dann der Hund so richtig gespannt zum Fernseher guckt, lässt man den Abend langsam ausklingen mit einem lockeren: „Ich verlasse jetzt diesen SITZ!!!

Die ganze Aufmerksamkeit der träge vor sich hindösenden Zuschauer wäre ihnen sicher.

Zumindest der vierbeinigen.

Du weißt, dass Du auf dem Dorf wohnst, wenn…

… Du darüber informiert bist, dass die Tochter vom Hubert, also, dem Meier, nicht dem Schulze, weil, der lebt ja jetzt in Köln, weil er da eine Wohnung geerbt hat, aber das geht nicht so gut, weil sein Hund – der Hund, den er vor zwei Jahren von der Erika bekommen hat, weil die Erika ihn nicht behalten konnte, als sie ins Altersheim kam, aber so toll ist das Altersheim nicht, und sie möchte am liebsten wieder raus, und das ginge auch, weil ihre Tochter doch die Einliegerwohnung hat, aber die hat ja nun einen neuen Freund und der soll angeblich trinken, das hat die Kollegin von Erich gesehen, der Erich, der vor Jahren im Lotto gewonnen hat, aber das ganze Geld ist schon weg und… (und Du wirst nie erfahren, was nun mit der Tochter vom Hubert ist!)

…vor der Haustür drei Rüden sitzen und Arien singen, wenn Deine Hündin läufig wird. Und niemand die vermisst.

…das Nachbarskind bei Dir reinkommt, um mal auf die Toilette zu gehen. Wortlos.

…Du plötzlich feststellst, dass Du keinen getrockneten Estragon hast. Und dann gezwungenermaßen herausfindest, dass Essen auch ohne schmeckt.

…Du dringend ein Trittbrett (links) für einen Ford 4000 Traktor benötigst, und Dein Nachbar kennt jemanden, der eine Cousine hat, deren Beichtvater mit einer Friseuse liiert ist, deren Onkel (zweiten Grades) das Trittbrett (links) rumliegen hat und es nicht braucht. Und es hat sogar die richtige Farbe.

…DHL Dir eine Benachrichtigung schreibt, dass es nur noch zwei Zustellstopps sind, bis Du Dein Paket bekommst. Und dann wartest Du 40 Minuten.

Ich bin ziemlich sicher, dass ich auf dem Dorf lebe…

Unterbrechung

Die Nachbarin kommt hoch: „Habt ihr auch keinen Strom?“ Jetzt, wo sie es sagt… das WLAN ist aus, und die ganzen Geräusche, die eben noch von unten aus dem Dorf kamen, sind verstummt. Hat nicht gerade noch der Nachbar gesägt? Ich dachte, er sei fertig…
„Was mach ich denn jetzt mit den Kindern“, fragt die Nachbarin. Witzig, dass man zum Kindererziehen Strom braucht, denke ich.
„Spazierengehen“, sagt der Beste aller Männer. Die Nachbarin guckt zweifelnd ihre Kinder an: „Neeeee…“
Kurz darauf schickt sie von unten eine WhatsApp-Nachricht: „Ich geh nicht raus. Da trifft man ja alle Nachbarn! Hörst Du die auch reden?“ Ja, hör ich: „Sacht die Hilde doch ebbe zu misch, Häääbääät, sacht sie, dat Radio inne Küche is aus. Dä Strom is wech. Kann nich sein, sach isch, isch hab ebbe noch jesääächt. Aber dä Strom is wirklisch wech!“ – „Wat machen wir nu?“ – „Waaaten bis dä Strom wieder da is!“
„Komisch“, sagt der Beste aller Männer, „Die Benzinrasenmäher funktionieren doch alle noch. Können sie doch die benutzen. Ich geh mal mit dem Hund raus“.
Als sie wieder kommen, ist der Strom immer noch nicht da.
„Tja, wenn ich nicht arbeiten kann, dann kann ich nicht arbeiten“, sagt der Beste aller Männer und macht es sich auf der Dachterrasse gemütlich.
„Jraaade hatte ich noch jesääächt“, sagt der Mann von unten. Seit zehn Minuten kann er sich gar nicht darüber beruhigen, dass er gerade vorher… Ich frage mich, ob er nicht ein Stromkabel durch“jesääächt“ hat.
Ich gucke mal im Internet. Die Störungsstelle meldet keinen Stromausfall in unserer Gegend, aber schreibt, die Techniker wären schon unterwegs. Lustig. Und dann geht plötzlich der Strom wieder an, und Sekunden später fängt Herbert wieder an zu sägen und die Kinder können wieder fernsehen, und vermutlich kann Hilde auch wieder Radio hören.
Nur der Beste aller Männer, der kann nicht arbeiten.
Er ist fest eingeschlafen.

Das liebe Wetter

Ich war mir schon immer ziemlich sicher, dass ich das Wetter beeinflussen kann. Viele Menschen können das – sie putzen die Fenster – ZACK, regnet es. Fensterputzen ist DAS Zaubermittel schlechthin für Regen; so bekannt, dass eigentlich jeder darüber Bescheid weiß. Einige Menschen meistern auch durchaus noch Level zwei auf der Wetter-Beeinflussungs-Scala. Beispielsweise, indem sie eine Wanderung unternehmen und dabei die Jacke zuhause lassen, denn die „braucht man bei dem Wetter ja nicht“. Alternativ kann man auch den Schirm zuhause lassen. Danach wird’s schwieriger. Für alle, die gerade dringend einen Regenguss benötigen, hier noch ein paar Tricks:
a) Stoffschuhe oder Sandalen kaufen. Und gleich anziehen. Wirkt schnell und nachhaltig.
b) Liegestuhlauflage draußen lassen und reingehen. Wirkt innerhalb von zehn Minuten.
c) Alle Pflanzen im Garten / auf dem Balkon gießen. Wirkt innerhalb einer halben Stunde.
d) Urlaub machen. Fun Fact: da WO ihr Urlaub macht, wird es regnen, aber zuhause wird eine Dürre ausbrechen, die sämtliche Balkonpflanzen vertrocknen lassen wird.
e) Falls Regen an einem bestimmten Termin gewünscht wird: Gartenparty planen (übrigens wird es am 21. August regnen. Ich sag’s ja nur).
Einer meiner Lieblingstricks um den Regen hervorzulocken, hängt mit meinen Tomatenpflanzen zusammen. Ich habe drei (von ca 20 Keimlingen. Doll ist das nicht…). Diese drei sind inzwischen echt groß, und es hängen jede Menge Tomaten dran. Allerdings vertragen Tomatenpflanzen Nässe nicht besonders gut und wir haben keine Überdachung auf der Terrasse. Sobald es regnet, rette ich die Pflanzen also, indem ich sie ins Treppenhaus stelle. Daraufhin wird innerhalb kürzester Zeit die Sonne wieder scheinen und sie können wieder raus. Woraufhin es wieder anfängt zu regnen und… man kann es sich denken. Irgendwie ist es komisch, wie prompt das funktioniert! Übrigens, ich habe noch nie in meinem Leben so viele Regenbögen gesehen wie in diesem Jahr…
Seit Wochen habe ich ein schlechtes Gewissen. All diese Überschwemmungen durch Starkregen… ratet mal, was ich zu dem Zeitpunkt getan habe! Ja, genau – ich habe einen neuen Sonnenschirm gekauft. Bildschön, stabil, farblich passend zur Gartenliege – und exakt da fing das an. Ich habe den Schirm sicherheitshalber seitdem nicht wieder benutzt, was irgendwie schade ist. Aber sollte jemand an irgendeinem bestimmten Termin dringend Regen brauchen und hier in der Nähe sein, sagt Bescheid, ich stelle ihn gerne nochmal wieder raus.

Ach übrigens – der Winter wird sehr mild. Der Schal, an dem ich gerade stricke, ist nämlich schon fast fertig!

Ich liebe die Stelle ab 3:50… übrigens wartete man monatelang auf Regen, um diese Szene drehen zu können. weshalb das Jahr 1952 in die Annalen der Geschichte als trockenstes Jahr EVER einging. Okay, vielleicht war das übertrieben. Aber was die Wahrheit ist: Die Szene wurde sieben Tage lang gedreht – mit jeweils sechs Stunden künstlichem Regen (und das ist nun mal ausnahmsweise nicht übertrieben). Das lag allerdings zu einem nicht kleinen Teil daran, dass echter Regen beim Filmen gerne mal verschwindet, weswegen man ihn immer wieder neu ausleuchten muss, gerade dann, wenn ein Gene Kelly darunter herum tanzt.
Noch ein Fun Fact: Im Film spielt Jean Hagen einen Stummfilmstar mit piepsiger Stimme, der dadurch gerettet wird, dass Debbie Reynolds sie synchronisiert. Allerdings war Debbie Reynolds‘ Stimme nicht so der Hit, weswegen Jean Hagen (die eine ganz gute Stimme hatte) in der Realität die sie synchronisierende Debbie Reynolds synchronisierte.

Gerade scheint die Sonne. Ich renne mal schnell raus; vielleicht merkt sie es nicht…

Zu schnell für mich

Heute beim Autofahren habe ich bemerkt, dass ich alt werde. Nein, ich habe keinen altersbedingten Fahrfehler begangen, das nicht. Es war Reinhard Mey, der mir den Hinweis gab. Ich hatte eine CD von ihm in den CD-Player gepackt und sang leidenschaftlich „Annabelle“ mit – und verhaspelte mich. Das ist mir noch nie passiert. Ich kenne dieses Lied, seit ich… keine Ahnung. Klein war? Fünf vielleicht, oder sieben? Und ich konnte es immer mitsingen, wenn ich auch als Siebenjährige vermutlich nicht den ganzen Sinn von „…doch mit diesem passiv-kulinarischen Genuss machte Annabelle kurzentschlossen Schluss…“ verstand. Heute verstehe ich ihn und wünschte von Herzen, er würde etwas langsamer singen. Damit ich mitsingen kann.

Was mir seit vorhin keine Ruhe lässt: Kann Reinhard Mey den Text selber noch singen? In dem Tempo wie 1972? Er müsste eigentlich etwas älter als ich sein (denn ich glaube beinahe, er war im Gegensatz zu mir 1972 schon volljährig).

Lieber Reinhard (wir kennen uns jetzt schon über 50 Jahre, ich finde, da darf ich langsam mal „Du“ sagen. Allerdings kennst Du mich nicht, also kannst Du, wenn Du willst auch ruhig weiter „Sie“ sagen), falls Du das liest: Sag mal ehrlich. Klappt das noch? Oder verhaspelst Du Dich auch?

Logik

Der Beste aller Männer: „Ich mag keine gelbe Marmelade“

:/

Der Beste aller Männer: „Ich liebe Mirabellenmarmelade“

???

Der Beste aller Männer: „Die Mirabellen können ja nichts dafür, dass sie gelb sind!“

😛