Das Krankenhaus

Eines der interessantesten Gebäude hier in der Gegend ist das ehemalige Krankenhaus. Majästetisch und meistens sehr einsam thront es auf dem Berg über dem Ort (unser Haus allerdings thront noch ein ganzes Stück darüber, aber das sieht man Dank des vielen Waldes dazwischen nicht).
Genau genommen ist es nicht ein Gebäude, sondern es sind derer fünf, und sie wurden im Jahre 1902 als Lungenheilstätte für männliche Erkrankte eröffnet und im Jahre 2002 dann wieder geschlossen. Was schade ist, denn wer würde an einem solchen wunderschönen Ort nicht gerne lungenkrank sein? Wobei es am Schluss allen medizinisch Hilfesuchenden offenstand – sogar den weiblichen.
Seit zwanzig Jahren jedenfalls steht das ehemalige Krankanhaus größtenteils leer, und genauso sieht es auch aus. Ein bisschen baufällig, ein bisschen, als würde es dort spuken und mehr als nur ein bisschen wunderschön.
Das haben inzwischen auch die Filmemacher entdeckt. Kaum ein Monat vergeht, an dem nicht wieder die grauen Filmwagen (mindestens 50 verschiedene Schattierungen von Grau!) mit der Aufschrift „Filmcrew“ oder „Beleuchtung“ auf dem Hof parken, kaum ein Monat, an dem nicht das Schild „Morgen von 14 – 19 Uhr keine Durchfahrt“ an der Kurve am Straßenrand steht oder ein Regieassistent mit Bart, Sonnenbrille und Walkie-Talkie im ganzen Bewusstsein seiner eigenen Wichtigkeit vor dem Gelände im Klappsessel sitzt, ein Buch liest und die Autofahrer warten lässt, und erst wenn das Handy quäkt, ist die Szene endlich im Kasten und man darf passieren.
Ich bin nicht sicher, wie viele Neuproduktionene es im deutschen Fernsehen pro Jahr gibt, aber es ist anzunehmen, dass in den meisten ein verwunschenes, leicht verfallenes und wunderschönes Krankenhaus zu sehen ist. Anders kann ich mir die dauernde Filmerei nicht erklären.
Frag man übrigens einen Menschen in der Nähe des Krankenhauses, ob es dort spukt, bekommt man die Antwort: „Ich habe noch nie einen Geist hier gesehen. Und ich lebe schon seit dreihundert Jahren hier!“
Ist echt wahr…

Bild: Postkarte

Morgendliche Freude

Der esoterisch-vegan Angehauchteste meiner Söhne schenkte mir vor einiger Zeit, nebst Bio-Kerzen und feinstaub-freien Räucherstäbchen (und einem Gutschein über jede Menge fleischhaltigen Hundefutters) eine wunderbare esoterisch-vegane Teemischung. Ich freute mich pflichtschuldigst (ich hab mich ja auch über die ganzen selbstgetöpferten Aschenbecher gefreut, obwohl ich gar nicht rauche) und stellte die Teemischung erstmal in den Schrank, um all die nicht-veganen, viel weniger esoterischen Tees aufzubrauchen, die meine Mutter mir kurz vorher geschenkt hatte. Nachdem ich nun aber mit Kamillentee, Blasen-Nierentee und der Guten-Abend-Mischung fertig war, habe ich des Kindes Tee wieder hervorgeholt.
Und habe seitdem so eine Ahnung, was am esoterisch-vegan-Sein so großartig ist. Seit ich morgens diesen Tee zubereite, ist mein Leben nämlich voller Spannung und Freude und der Suche nach Erleuchtung.
Erleuchten würde es mich zum Beispiel, wenn ich herausfände, wie man genau 80 Grad heißes Wasser hinbekommt. Mein Veg-Eso-Tee wünscht nämlich nicht, mit stinknormalem kochendem Wasser aufgegossen zu werden; oh nein, 80 Grad will er haben, um all seine tollen Wirkungen entfalten zu können. Irgendwo habe ich mal gelesen, man solle Wasser kochen und dann zehn Minuten stehen lassen, dann sei es genau 80 Grad heiß. Blöd nur, dass ich, wenn ich zehn Minuten auf mein perfekt gewärmtes Wasser warten muss, inzwischen meistens vergessen habe, dass ich überhaupt Wasser trinken wollte. Also schummle ich normalerweise und gebe zuerst einen guten Schwups kaltes Wasser in meinen Becher, bevor ich das Ganze mit kochendem Wasser übergieße. Und „das Ganze“ ist wirklich großartig! Das sind nicht nur irgendwelche Pflanzenkrümel, oh nein, es sind vielmehr richtige Stücke von… naja, von IRGENDWAS, und ich bin jedes Mal ganz begeistert, was sich da so in meiner Tasse findet. Laut Packungsaufschrift handelt es sich um Folgendes:
Gewürze, Orange, Mandel, Baiser, Rosinen und Rosenknospen.
Und he, das stimmt wirklich! Da sind so richtige, kleine Rosen-Knöspchen drinnen, und echte, als getrocknete Orange erkennbare Stücke. Ganz zu schweigen von den Mini-Baiser-Stückchen, die man auch rausfischen und so essen kann. Wenn man möchte. Und wenn man sich dann hat überraschen lassen, von all dem Kram, der jetzt im 80-Grad-heißen Wasser schwimmt, dann kommt überhaupt das Allertollste: Das ganze muss GENAU zwei Minuten lang ziehen. Im Normalfall pflege ich zu vergessen, dass ich überhaupt Tee gekocht habe, und entferne den Teebeutel irgendwann gegen Nachmittag aus der Tasse. Nicht so bei diesem Tee, oh nein. Der zieht seine zwei Minuten lang, und dann ist er fertig. Falls man es wagt, diesen Tee länger ziehen zu lassen, schmeckt er entweder nach Gras, oder das filigrane Gleichgewicht zwischen Wurzelchakra und drittem Auge gerät durcheinander.
Nach einer Tasse dieses Tees, wohlduftend, wohltemperiert, und entspannt genossen, ist man wirklich für alles, was der Tag so bringen mag, gewappnet. Selbst für die schlechten Einflüsse, die einem so über den Weg laufen könnten. Und derer gibt es viele.
Ich habe mir zum Beispiel eben einen Beutel Hagebuttentee aus dem Supermarkt in die Teetasse geworfen und ihn mit kochendem Wasser überbrüht.
Ich hatte ganz schnell mal Durst.







¯\_(ツ)_/¯

Also ehrlich, gerade war noch Sommer, und da wurde es plötzlich Weihnachten, und jetzt ist Weihnachten auch schon Geschichte, und ich bekomme in meinem Postfach Nachrichten darüber, welche Samen ich doch jetzt bitteschön spätestens aussäen soll, damit ich auch rechtzeitig Chilis ernten kann (Chilisamen nämlich). Gut, ich gebe zu, im letzten Jahr hat das mit den Chilis nicht so wirklich geklappt. Ich habe zwar welche ausgesät, aber als die sich so gegen Anfang November dazu entschieden, jetzt doch mal ein paar Früchte zu tragen, sagte das Jahr: „Nö, jetzt will ich nicht mehr, um diese Jahreszeit ISST man keine Chilis, sondern Lebkuchen“. Blödes Jahr. Ich hätte die auch getrocknet gegessen (also, die Chilis, nicht die Lebkuchen), aber da war 2021 stur.
Überhaupt erwies sich, so im Nachhinein, das Jahr 2021 als ziemlich uneinheitlich. Erst hieß es, man solle sich impfen lassen. Dann, man könne sich nicht impfen lassen, weil keine Impfstoffe da seien. Dann, man solle sich jetzt aber bitte schnell impfen lassen – es sei denn, man sei schon einmal geimpft, dann sei es höchste Zeit für’s zweite Mal. Dann wurde gesagt, man dürfe sich KEINESFALLS früher als sechs Monate nach der zweiten Impfung boostern lassen, und danach dann, wenn man länger als 3 Monate warte, sterbe man an Omikron – aber da hatten wir den Termin für fünf Monate nach der zweiten Impfung schon, und schneller geht’s auch nicht, weil die Ärzte nicht nachkommen. Oder kein Impfstoff da ist. Letzteres ist allerdings schon 2022, was nicht viel Gutes für das neue Jahr vermuten lässt.
Wobei es natürlich sein kann, dass man zwar an Omikron gestorben ist, aber dafür wenigstens genügend Chilis in Sommer hat.
Ich wünschte, ich hätte Weltbewegenderes zu schreiben, aber die wirklich weltbewegenden Dinge passieren anscheinend fernab unseres kleinen Dörfleins. Obwohl, doch, eine Sache wäre da noch. Mitten im html-Kurs (online, weshalb diese Geschichte auch in unserem Dorf passierte), während der Dozent sich begeistert über Umrandungen ausließ, hatte ich plötzlich die Eingebung, warum der Border-Collie Border-Collie heißt. Ich habe keine Ahnung, ob ich diesen Kurs bestehe, aber wenigstens das nehme ich als Lebensweisheit mit.

Wau!

Strick-Prokrastination.

„Ich wünsche mir“, sprach mein Sohn dereinst zu mir, „nur ein paar selbstgestrickte Socken zu Weinachten.“ Ich nehme an, er meinte mit dem Wörtchen „nur“, dass er mit diesem bescheidenen Wunsch meine arg strapazierte Geschenkekasse entlasten wollte, aber tatsächlich fände ich es viel weniger aufreibend, „nur“ mit ein paar hundert Euro in ein Geschäft zu gehen und irgendetwas zu kaufen. Socken zum Beispiel. Stattdessen sitze ich jetzt vor dem Fernseher und stricke. Vor dem Fernseher, weil nur dort die Langeweile beim Sockenstricken zu ertragen ist. Andere fleißige Sockenstrickerinnen finden diese Beschäftigung ja geradezu meditativ, aber statt beim Zwickel-Abnehmen in seliges Nirwana abzudriften, hadere ich gedanklich mit meinem Schicksal: „Wieso zum Donnerwetter hat der eigentlich so riesige Füße?“ – „Wie ging noch mal die Ferse?“ – „Wieso läuft da nichts Vernünftiges im Fernsehen?“- „Ob er das grüngeringelte Muster wirklich leiden mag?“ „Wieso um Himmelswillen besitzt dieses Gör auch noch ZWEI Füße???“

Weihnachten war ruhig, nett, hustenfrei und kinderlos. Ich habe endlich ein Kartoffelsalat-Rezept gefunden, das mir wirklich gut schmeckt, und es gab so viele selbstgebackene Weihnachtskekse, dass ich die nächsten drei Monate diesen Kartoffelsalat ganz bestimmt nicht essen sollte, um die überflüssigen Kekspfunde wieder von den Hüften zu bekommen. Außerdem habe ich gerade festgestellt, dass das Überkochen von Tomatensuppe dazu führt, dass die Küche aussieht, als habe der nette Serienmörder von nebenan die Weihnachtstage mit einem verbracht. Also, der mit dem Messer, nicht der mit dem Gift. Morgen sehe ich endlich meine Familie und werde dann Pflanzensamen, Puzzle, Comichefte und Langarm-Bodys in Größe 98 los. Und anderthalb Socken. Wenn ich mich nicht bald mal ransetze. Aber ich habe keine Lust. Dabei habe ich immerhin den Fernseher für mich alleine. Der Beste aller Männer ist nämlich mit dem Hund los – hier in der Nähe, weil gestern hier im Ort ein Hund entlaufen ist und weil der arme Kerl bestimmt furchtbar gefroren hat, so alleine in der Nacht draußen. Vielleicht findet er unseren Hund interessant genug, um seine Schüchternheit zu überwinden und sich einfangen zu lassen. Wer weiß. Überhaupt hält man hier zusammen, im Dorf, weshalb auch der Kellerhund einige Stunden bei mir verbracht hat, als Frauchen einen Unfall hatte – was wir allerdings nicht wussten. Das Handy war nämlich auch kaputt. Ich hatte nur mitbekommen, dass Hund furchtbar weinen musste, also holte ich sie hoch. Sie war immer noch unglücklich, aber wenigstens war sie das leise. Aber trotz allem hält man hier nicht SO zusammen, dass ich irgendeinen Nachbarn überreden könnte, den blöden letzten Socken zu Ende zu stricken. War ja auch nicht das, was sich das Kind gewünscht hat. Er sagte „selbstgestrickte“, nicht „von Nachbarn gestrickte“. Ich mach ja schon..

Ich wünsche euch eine schöne Zeit bist Silvester, und drückt mal die Daumen, dass der Hund wieder auftaucht. Und dass der Socken bis morgen fertig ist. Und überhaupt…


Also…

…es ist ja nun nicht alles schlecht an Corona. Zum Beispiel ist es super, dass man mit ungeputzten Zähnen einkaufen gehen kann. Oder mit Damenbart. Dafür aber ohne Lippenstift, das spart echt Geld, und es sieht einen schließlich ja doch keiner. Unerwünschte Sozialkontakte kann man einfach aus dem Weg husten, und man ist nicht mehr gezwungen, sich Sonntags nach dem Tatort „Anne Will“ anzusehen. Es gibt sowieso nur noch dieses eine Thema (seit dieser Typ mit dem unlogisch gefärbten Gesicht nicht mehr Herrscher über die USAner ist jedenfalls), und darüber hat man sich längst eine Meinung gebildet.
Großartig ist auch, dass wir bald alle Buchstaben des griechischen Alphabetes auswendig können, und daher bei Kreuzworträtseln keine Probleme mehr haben. Außer vielleicht bei den Namen der Musen, Aber vielleicht findet sich demnächst, wenn wir beim Omega angekommen sind, auch noch ein Thalia-Virus. Wäre doch toll. Außerdem wird die Welt plötzlich in Impfbefürworter und Deppen eingeteilt, was es viel einfacher macht, wo doch schon diese Mann/Frau Aufteilung gnadenlos versagt hat. Schließlich muss man sich jetzt noch mit allen Zwischenformen und denen am Rand herumschlagen. Ich habe kein Problem mit Leuten die sich nicht entscheiden können, welches Geschlecht sie haben, aber diese Sprache, die ich übrigens sehr mag, gibt nicht viel mehr her als „sie“ und „er“ und „es“ (wobei „es“ irgendwie immer ein bisschen nichtssagend klingt). Aber heutzutage muss man sich Mühe geben, es trotzdem allen recht zu machen, auch ohne die richtige Bezeichnung. Die Werbung macht’s vor mit dem Rechtmachen. Die hellhäutige, kaffeeservierende Hausfrau ist nicht nur völlig aus der Mode, sondern geradezu gesellschaftlich geächtet, und aus Gründen der Gleichberechtigung trinken chinesische Transvestiten mit dunkelhäutigen Lesben um die Wette, während der oder die Weihnachtsdiverse den Kinderlein Spielzeug bringt.
Nennt mich ruhig altmodisch, aber eine Werbung, die nicht den größten Teil der Bevölkerung anspricht, weil eben der größte Teil der Bevölkerung ganz anders ist als das Multikulti-sexuell-diverse-Familienleben da in der Werbung, das scheint mir eher kontraproduktiv zu sein. Um es ganz klar zu sagen, bevor sich hier wieder jemand beschwert: NEIN, ich habe keinerlei Probleme mit Homosexualität, mit Hautfarben oder sonstigen ehemals verfemten Charakter- Herkunfts- oder sonstigen Merkmalen von Menschen. Ich komme nur nicht gut damit klar, dass es jetzt in jedem Werbespot einen Quotenschwulen geben muss, dessen Hautfarbe nicht weiß sein darf (das wird billiger, wenn man für beides einen Schauspieler nimmt). Selbst die Karotten in der Werbung von Aldi waren einem regelrechten Shitstorm ausgesetzt, weil sie männlich und weiblich sind und weil sie mit diesem altmodischen Auslaufmodell dann auch noch Kinder bekommen haben. Ich meine, es sind KAROTTEN!!! Da reden die Leute davon, weltoffen und unvoreingenommen zu sein, aber so ein doofes Gemüse darf nicht so leben, wie es will, da gibt es gleich Probleme.
Das, im Übrigen, ist auch ein Vorteil an Corona. Wenn man die Schnauze voll hat von der Welt, macht man die Tür hinter sich zu und nennt es „Lockdown“ und nicht „Lasst mich doch alle in Ruhe, ihr habt sie ja nicht alle“.

Ich vermisse meine Familie trotzdem. Vielleicht sollte ich vor Weihnachten doch noch schnell einen neuen Lippenstift kaufen???

Oh Du total Fröhliche!

Die Umstände haben mich heute gezwungen, Eiweiß verbrauchen zu müssen.
Also, eigentlich haben mich die Umstände gezwungen, Kekse zu backen, was daran lag, dass mich die Umstände vorher dazu zwangen, Kekse zu essen (und wer würde dieses Problem nicht kennen? Allein der Umstand, dass Kekse DA sind, zwingt einen doch dazu!), und daher entschied ich mich, Engelsaugen zu backen. Diese Dinger mit Marmelade drin. Ich liebe die Teile. Nicht ganz so doll wie meine selbstgemachten Lebkuchen, aber für die fehlte mir die Zeit – ich musste nämlich gleichzeitig lernen, wie man ein Blockdisplay in ein Flexdisplay packt, um zu verhindern, dass… egal. Jedenfalls hatte ich keine Zeit. Und keine Backoblaten, das kommt noch dazu. Diese Lebkuchen sind nur mit Backoblaten wirklich toll. Jedenfalls buk ich alsdann Engelsaugen und hatte plötzlich einige Eiweiße über, mit denen man, so dachte ich, doch auch noch schnell Kokosmakronen backen könnte. Wenn man genug Kokosraspeln hat. Hatte ich aber nicht. Also machte ich aus einem Teil der Kokosmakronen – jenem ohne Kokosraspeln – einfach Nussmakronen. Und dann gingen mir die Nüsse auch aus. Da wanderte ich dann in der Küche herum, um lustige Lebensmittel zu finden, mit denen man ebenfalls Makronen backen könnte. Meine Top drei: Mehlmakronen, Linsenmakronen und Flohsamenschalenmakronen. Ich wette, das ist total lecker.

Dieses Schreibprogramm hier hat noch einen anderen Vorschlag. Als ich eben nochmal durchlas, was ich so geschrieben hatte, bemerkte ich, dass ich ein „O“ vergessen hatte, was das Programm, da es das Wort zu kennen schien, auch nicht anmäkelte. Es gibt also eventuell demnächst bei mir „Koksmakronen„. Für alle, die Weihnachten gerne ganz entspannt feiern wollen.

Ich könnte schwören, ich wollte was anderes schreiben, aber ich bin so völlig begeistert von den Koksmakronen, dass ich glatt vergessen habe, was das war. Ich frage mich nur, wo ich die für dieses Gebäck benötigten Koksraspeln herbekomme…

Weihnachtliches

Das, was mich am meisten „weihnachtlich“ fühlen lässt, sind im Moment nicht die Weihnachtskekse. Die gibt’s ja das ganze Jahr über. Dank Corona sind es auch nicht die Kinder (oder Enkel), nicht die Hoffnung auf tolle Geschenke und (obwohl auf einem ziemlich gutem zweiten Platz) auch nicht die 12 Paar Weihnachtssocken, die ich nun endlich wieder tragen kann. Nein, das Weihnachtlichste ist ausgerechnet die Werbung im Fernsehen. Und das schon seit ein paar Jahren. Ich liebe die Geschichte mit dem alten Mann, der vorgibt, er sei gestorben, um endlich seine Familie mal wieder zu sehen. Ich habe „Die besondere Weihnachtsgeschichte des Herrn Schmidt“ bestimmt zehnmal gesehen, ebenso den DocMorris-Weihnachtsfilm vom letzten Jahr. Und nein, ich bekomme kein Geld dafür, dass ich die hier erwähne. Es ist sowieso egal, wer die gemacht hat. Die Aussage in diesen Filmen ist nicht „Wir sind die Besten und die Tollsten (und die Billigsten)“, die Aussage ist: „Weihnachten. Jetzt. Seid mal ein bisschen nett zueinander“. Bei einigen dieser Filme, ich muss es zugeben, werden echt zuviele Zwiebeln geschnitten. Egal. Es ist Weihnachten, da darf man.

Der neue Weihnachtsfilm von Penny ist so einer, wo mir die Tränen kommen. Er ist so wahr. Aber in diesem Jahr ist bei mir der hier auf Platz eins:

Der… ist… süß…

Wer recht in Freuden wandern will…

Wie bei den meisten Menschen im digitalen Zeitalter, verrät auch mein Browserverlauf Interessantes über mich. Nein, nicht was ihr jetzt denkt. Ich habe natürlich keine Ahnung, was genau ihr denkt, aber ich bin ziemlich sicher, dass ihr auf „wie gewöhne ich meiner Waschmaschine das Wandern ab“ nicht gekommen wärt. Dabei scheint das ein recht verbreitetes Phänomen zu sein, den vielen Ergebnissen nach zu folgern, die Freund Google mir da serviert hat. Das Internet jedenfalls ist kein bisschen verwirrt über meine Anfrage, und behauptet a) dass der Boden, auf dem die Waschmaschine steht, wohl zu weich ist, und b) dass der Boden, auf dem die Waschmaschine steht, wohl zu hart ist. Außerdem seien die Beine wohl ungleich lang (nein, nicht meine. Die der Waschmaschine!), und wenn dann noch die Transportsicherung nicht gelöst wurde, dann wandern Waschmaschinen eben.
Nun, ich habe auf den zu harten Badezimmerfußboden eine zu weiche Gummimatte gelegt, in der Hoffnung, dass sich beides ausgleichen möge. Ich habe den geraden Stand der Maschine mittels einer Erbse überprüft, die stoisch auf der Platte liegen blieb, und die Transportsicherung wurde gelöst. Ich war dabei. Allein, die Waschmaschine wandert weiter durch die Weltgeschichte, soweit ihr Stromkabel es zulässt. Bis zum Treppenhaus kommt sie nämlich nicht, obwohl es, wie es scheint, ihr dringendster Wunsch wäre – ganz oben auf ihrer To-do-before-I-die-Liste. Einmal die Sonne sehen…
Möglicherweise ist die Wanderlust meiner Waschmaschine ja tatsächlich eher ein psychisches als ein physisches Problem. Vielleicht würde es helfen, wenn ich zwei bis dreimal am Tag mit ihr Gassi gehe, mittels eines 120-Meter Kabels (und einer gehörigen Portion Ignoranz gegen die Blicke der Nachbarn). Dann wäre ihrer Bewegungsfreude vielleicht genüge getan und sie würde sich wieder auf ihre ureigenste Aufgabe besinnen, nämlich meine Wäsche mittels der Fliehkräfte in einen einigermaßen unfeuchten Zustand zu versetzen.
Übrigens: Der einzige andere Eintrag in meinem Browserverlauf (da mein Computer die Einträge aus alter Gewohnheit bei jedem Ausschalten löscht) ist derzeit: „Wanderlieder Texte“. Wenn ich ihr das Wandern schon nicht abgewöhnen kann, dann will ich wenigstens Spaß dabei haben!

Promis und so

Ich lese mich gerade, weil ich alles andere schon getan habe, außer abwaschen, wozu ich keine Lust habe, durch einen Thread mit dem Thema „Was habt ihr mit Prominenten erlebt“.

Bei den meisten dieser Threads fällt mir wenig ein, aber bei dem Thema nun doch. Irgendwie sind mir im Laufe meines Lebens ziemlich viele Prominente über die Füße gelaufen. Ich glaube, das fing an, als ich im Restaurant arbeitete, damals, als die Schwarzwaldklinik so ach-wie-populär war. Der Schauspieler, der den Briefträger spielte, kam regelmäßig bei uns zum Essen. Dafür, dass er einen langweiligen Briefträger spielte, fand ich ihn… nunja, etwas ZU überzeugt von sich. Auf dem Weg vom Restaurant zu mir nach Hause, kam ich oft am Garten von „Oberschwester Hildegard“ vorbei. Die fand ich total sympatisch, vielleicht auch deshalb, weil ich sie (natürlich) immer nur sah, wenn sie im Garten arbeitete. Ganz und gar unerträglich fand ich das Ehepaar Walter Giller und Nadja Tiller, die sich dereinst herabließen, auf der Suche nach profaner Nahrung unser Restaurant zu besuchen. Für sie räumte ihre persönliche Security den Laden von unerwünschten Subjekten (wie anderen Kunden). Als ob sie was Besseres wären. Dabei war ihre beste Zeit damals ehrlich gesagt schon lange vorbei. Die meisten Jüngeren unter uns kannten sie nicht mal. Und ein Lächeln gab’s von denen auch nicht. Dabei war ich nett – das war ich aber zu allen. Irgendwann flirtete ich mal mit einem älteren Herrn, einfach so, weil er so lustig und lieb war, und weil das irgendwie bei den älteren Herren immer gut ankam. Als er bezahlt hatte, kam meine liebste Kollegin zu mir und stöhnte verzückt: „Weißt du eigentlich, wer das war?“ Nein, wusste ich nicht. Es war Vadim Glowna. Ich kannte den nicht mal.

Hmmm… wen gab’s da noch? Helmut Schmidt und seine Ehefrau Loki wohnten bei uns um die Ecke. Ich habe IHN nie persönlich gesehen; sie schon; beim Einkaufen. Ich fand sie immer schon großartig, aber das habe ich ihr in dem Moment lieber nicht gesagt. Ich meine, man steht da und überlegt, welches Klopapier wohl das Beste ist und wird von irgendjemandem angesprochen… das ist doch peinlich. Als Loki starb, war die Straße (ich fuhr jeden Tag da lang) gesperrt, und „ihr“ Gartenzaun voller Blumen. Beinahe genauso, als ihr Mann starb (aber bei ihr waren es viel mehr Blumen!). Wenige Wochen nach seinem Tod wurde fast vor dem Haus ein Kreisverkehr in der Straße eingebaut. Ich war immer ziemlich sicher, dass die Behörde damit gewartet haben, bis die beiden sich nicht mehr beschweren konnten…

Irgendwann fuhr ich die Langenhorner Chaussee lang, als ein Auto aus der Ausfahrt von Mc Donald’s kam. Zu schnell. Ich konnte gerade noch ausweichen. Silberner Mercedes. Ich schimpfte so aus Prinzip ein bisschen in die Richtung des Autofahrers und… dachte dann, verdammt, den hätte ich mal mich anfahren lassen sollen. Dann hätte ich jetzt ein Autogramm von Uwe Seeler.

Jürgen Drews und seine Frau sind mir mal mit einem Roller vor die Füße gefahren, aber ich habe mir Mühe gegeben, dieses schreckliche Erlebnis schnell wieder zu vergessen. Rod Gonzales (von den Ärzten) machte im selben Jahr Abitur wie ich und ging auf dasselbe Gymnasium wie mein ältester Sohn. Ich kenne ihn absolut nicht persönlich, deshalb wird er vermutlich nicht verstehen, dass ich irgendwie familiäre Gefühle für ihn hege, aber tatsächlich denke ich manchmal, wenn ich an der Eisdiele am LaNo ein Eis kaufe, HIER war der bestimmt auch schon. Das geht nicht anders. Das Eis da ist legendär. Sowas verbindet einfach.
Auch in meinen Lieblingsbaumarkt kamen ab und zu „Promis“. Ich erzähle lieber nicht, welche. Die Einkäufe sind noch nicht verjährt, und es muss ja nicht jeder wissen, wer welche Toilettenschüssel (Hängemodell, ohne Spülrand) jetzt sein Eigen nennt…

Lieferengpässe

Normalerweise läuft das mit dem Einkaufen ja so: Man sitzt gemütlich in einem Sessel und blättert in einer Zeitschrift und plötzlich stößt man auf ein Bild von einem Menschen, der Schafskäse isst. „Boaaah“, denkt man, „also auf Schafskäse hätte ich jetzt auch mal wieder Appetit“. Man schnappt sich sodann den Einkaufszettel und schreibt ‚Schafskäse‘ drauf. Also, wenn man in meinem Alter ist, macht man das so. Als ich noch jünger war, hätte ich nicht so schnell vergessen, dass Schafskäse plötzlich lebensnotwendig gewesen wäre… jedenfalls, man geht sodann mit seinem Einkaufszettel zum Supermarkt und kauft Schafskäse.
Das war’s.
Also, das war’s bis vor Kurzem. Seit Corona ist mir zum ersten Mal klargeworden, dass Schafskäse etwas ist, das nicht selbstverständlich ist. Wobei mir das gar nicht bei Schafskäse klargeworden ist, sondern bei Gemüse. Ich kam damals nach einem echt üblen Tag an der Kasse, mit lauter nörgelnden („Wieso müssen wir eine Maske tragen?“ „Wieso müssen wir so lange warten?“ „Doch, auch wenn ich den Vordermann mit der Schulter berühren kann, habe ich anderthalb Meter Abstand gehalten. Ich habe sehr LANGE Schultern!“) und Viren sprühenden („Ich niese dahin, wo ICH will“) Kunden in ein Zuhause, das nicht mein Zuhause war, sprang noch kurz vor Ladenschluss in den Supermarkt, um wenigstens etwas Vernünftiges zu Essen zu haben – und fand bis auf zwei Knollen Fenchel (den ich hasse) und ein paar aus einem Netz entflohenen Zwiebeln exakt NULL Gemüse mehr vor. Nichts. Gar nichts.
In dem Moment habe ich angefangen zu heulen. Mitten im Supermarkt.
Über das Heulen bin ich inzwischen hinaus. Was auch daran liegt, dass mich nörgelnden Kunden nicht mehr stören; sie nörgeln jetzt andere Leute an und nicht mehr mich. Aber Schafskäse hatten sie trotzdem gestern nicht im Supermarkt. Überall Schilder „Lieferengpässe“. Ich versuche, nicht so verwöhnt zu sein und mir klarzumachen, dass das Leben auch ohne Schafskäse weiter geht, aber vor lauter Schreck habe ich vergessen, Kekse zu kaufen. Und ob das Leben ohne Kekse weiter geht, das weiß ich nicht so genau. Also backe ich gerade welche. Aber komisch, wie man daran gewöhnt ist, einfach alles zu haben, oder? Sogar wenn man sich gerade mal nicht alles leisten kann, der Gedanke, dass es DA ist, war irgendwie beruhigend.

Ich weiß natürlich, dass diese Gedanken für einen Veganer absolut nicht nachvollziehbar sind. Also, ich versuche das mal anders zu erklären. Man blättert also in einer Zeitschrift, und stößt da auf ein Bild von… nunja, sagen wir, veganen Kuhbonbons. Kennt ihr die? Ich kannte sie auch nicht. Aber mein Sohn, der kennt die. Der ist Veganer, und der war absolut begeistert und schrieb mir: „boaaah“ (muss mein Sohn sein. Wer schreibt sonst dauernd „boaaah“?) – „Die sind genau wie die echten“ – „Nur weniger klebrig“ – die haben einen sehr abgerundet veganen Geschmack“ – „Die zerlaufen richtig“ – „himmlisch“.
Das war’s, was mein Sohn schrieb. Und jetzt denke ich, ich muss un-be-dingt vegane Kuhbonbons kaufen. Wie kann man auch anders, wenn der eigene Sohn davon so überzeugt ist? Und ich glaube, die hat der Supermarkt auch noch vorrätig.

Pfeif auf den Schafskäse…