
Ja… das macht echt nachdenklich… 😀

Ja… das macht echt nachdenklich… 😀
Meine Nachbarn haben nicht nur jede Menge Tiere, sondern auch Urlaub. Um beides zu verbinden, sind sie auf die großartige Idee gekommen, mir den Haustürschlüssel in die Hand zu drücken. Vorher wurde mir eine Kurzeinweisung gegeben: Katze versteckt sich im Kleiderschrank, die sieht man nie, nichts dabei denken, füttern und Katzenklo säubern. Mäuse füttern, säubern wenn nötig (soweit ich weiß, ist das Säubern von Mäusen alle 10 Minuten nötig, aber wir wollen mal nicht so sein). Hühner füttern, gucken, ob sie Eier gelegt haben (das haben sie noch nie, aber man kann ja nicht wissen). Zebrafinken füttern, bei Bedarf den kleinen Dussel, der gerade fliegen zu lernen versucht, vom Boden aufsammeln und wieder ins Nest zurück setzen. Falls er den Dreh mit dem Fliegen rausbekommt, fotografieren. Die Schildkröte frisst nicht mehr, die bereitet sich auf den Winterschlaf vor. Da ich aber Schildkröten liebe, machte ich mir in Gedanken einen Vermerk: Schildkröte knuddeln.
Gut, kein Problem. Ich schloss also heute die Haustür auf, und das Erste, was mir entgegenschoss, war die Katze, die angeblich nie ein Mensch außerhalb des Kleiderschrankes gesehen hat, und die dringendst beschmust werden wollte. Nachdem sie durchaus liebevoll ihre Krallen in meinen Hosen verhakt und meinen Finger durchgekaut hatte, füllte ich ihren Futternapf und säuberte das Katzenklo. Das fand sie so toll von mir, dass sie unbedingt noch eine Runde schmusen wollte.
Ich bin nicht sicher, ob das dieselbe Katze ist, von der mir erzählt worden war.
Irgendwann entschuldigte ich mich bei der Katze und ging die Mäuse füttern.
Die genaue Anzahl der Mäuse kenne ich gar nicht, jedenfalls sind es vier Käfige voll. Das war ein Versehen meine Nachbarin hatte keine Ahnung gehabt, dass Mäusedamen schon eine Stunde nach der Geburt ihrer Jungen wieder Lust auf Sex haben. Ehrlich gesagt, auf die Idee wäre ich auch nicht gekommen.
Wie war das
die Mäuse fressen alles oder waren es die Hühner? Ich verteilte Futter aus einem Kaninchenfuttereimer, auf dem handschriftlich das Wort Maus geschrieben stand. Danach kamen die Zebrafinken und die Hühner dran. Die wohnen alle in einer riesigen Voliere im Garten.
Ich zerhackte Gemüse, verteilte Körner, guckte, ob der kleine Fast-Flügge in seinem Nest saß, versuchte, in das andere Nest zu gucken, von dem ich weiß, dass da ungefähr 5 winzige, nackte Vogelbabys sitzen müssen (keine Chance ohne Taschenlampe) und wollte dann zu dem Programmpunkt mit dem Schildkrötenknuddeln übergehen.
Die Schildkröte wohnt in derselben Voliere wie die Hühner und die Zebrafinken, nur schläft sie derzeit unter einem Stück Baumwurzel. Also hob ich die Baumwurzel an, und fand a) die Schildkröte und b) jemanden, von dem mir meine Nachbarn nichts mitgeteilt hatten: eine kleine, braune Maus, die mich aus dunklen Knopfaugen ängstlich anguckte. Sehr niedlich, aber in einer Vogelvoliere völlig unangebracht.
Die nächste halbe Stunde verbrachte ich mit einem Plastiktopf in der einen Hand und einem Stock in der anderen bei dem Versuch, den unerwünschten Volierenbewohner zu fangen.
Schließlich kamen die Hühner, die dem Theater, welches ich veranstaltete, zuerst ziemlich fassungslos zugesehen hatten, auf die Idee, nicht nur blöde Kommentare (bockbockboaaaak) abzugeben, sondern mal ein bisschen mitzuhelfen, indem sie nach der Maus hackten und sie so die Gitterwände hochjagten, wo ich ihr dann den Plastiktopf überstülpen konnte.
Ja, und dann stand ich da, mit einem Plastiktopf krampfhaft an das Maschengitter gepresst und überlegte verzweifelt, was ich dazwischen schieben konnte, so dass die Maus gefangen war. In der Voliere lag außer einer Schildkröte nichts Geeignetes herum, und die wiederum lag zu weit weg. Und wollte eigentlich auch ihre Ruhe haben.
Schließlich leerte ich den Wassernapf auf dem Boden aus, schüttelte den Plastiktopf ein wenig, damit der Maus schlecht würde was auch klappte und stülpte den Napf über die Topföffnung. Hurra, Maus gefangen.
Einen Moment überlegte ich, ob ich die Kleine nicht in das freie Terrarium packen sollte, auf daß meine Nachbarn bei ihrer Rückkehr noch eine Maus mehr vorfinden, aber ich war nicht völlig sicher, ob sie wirklich eine weitere Maus benötigen.
Also brachte ich den Nager ans andere Ende des Grundstücks, wo er ins Dickicht flüchtete (ich hoffe, er hat sich den Weg zurück in die Voliere nicht gemerkt) und ging dann zurück ins Haus, um mich von der Katze zu verabschieden, die mich bei der Gelegenheit halb totschmuste.
Jedenfalls weiß ich jetzt, warum meine Nachbarin immer so gehetzt aussieht. Und warum sie den Urlaub so dringend nötig hatte
(Vor lauter Mäusejägerei bin ich gar nicht dazu gekommen, vernünftige Fotos zu machen. Der Zebrafink hier sieht jedenfalls reichlich genervt von mir aus. Morgen versuche ich es nochmal!)
LilyOfTheFields
Über das Leben, das Universum und die Männer. (est. 2007)
Ein Blick in das Arbeitsleben und die private Welt eines Berliner Pfarrers - ein Blog unter dem Motto "Solange wir schreiben, leben wir..."
Unabhängig, überparteilich, politisch nicht ganz ok, rockt die Party nicht besonders, eigentlich kacke, was willste machen.
schreibend - lesend - durchs Leben stolpernd - aus Sturheit optimistisch - gerne am Abgrund taumelnd
Irgendeiner muss es ja mal schreiben
Frau Heming probiert was aus
...der ganz normale Wahnsinn...
gutes leben im wilden westen
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich haben wollen!