Plötzlich damals

Eben überkam mich ganz plötzlich so ein Früher-Gefühl. Das passiert manchmal, wenn ich bestimmte Dinge rieche (wie „Tosca“ oder Apfelkuchen“) oder sehe, aber eben war es profaner. Ich bin etwas erkältet, und dachte, Nasentropfen seien eine gute Idee. Irgendwie muss ich wohl zu viel erwischt haben, und hatte plötzlich das Gefühl von Chlorwasser im Schwimmbad in der Nase, damals, bei Oma, als ich noch ein Kind war. Zu einer Zeit, als der Tod nur das unausweichliche Ende des Lebens war, aber nichts, was mir die Menschen wegnimmt, die ich liebe. Damals noch nicht. Ich hatte sofort Tränen in den Augen (da hätte ich mir die Nasentropfen dann auch sparen können).
Was für ein blödes Konzept ist das nur, dieses „Sterben“? Ich vermisse die Oma so sehr… ehrlich, wenn unser Schöpfer da nicht mit einer richtig coolen Überraschung aufwartet, wenn wir sterben, dann hat er es irgendwie echt vermasselt.
Gerade jetzt zur Weihnachtszeit sollte Oma da sein. Sie hatte so Spaß daran. Hat ihre Weihnachtspyramiden aufgebaut und sie neben die Heizung gestellt und sich gefreut, wenn die Männchen auch ohne Kerzen rannten. Auf der Heizung standen auch die Teigstücke für die Berliner zum Gehen (aber Oma hatte in Berlin gelebt, also waren es „Pfannkuchen“ für sie!) und auf dem Couchtisch der Nachttopf mit den Keksen (ja, ein Nachttopf. Kann man Kekse auch anders servieren???). Und sie saß auf ihrem Sessel am Fenster, der Fernseher lief und sie stopfte Socken. Ich meine, sie hat nicht immer Socken gestopft, aber meine Kinder liebten von ihrer Omi gestopfte Socken viel mehr als fabrikneue, vermutlich, weil sie ein Zeichen waren, dass da jemand sie sehr, sehr lieb hatte.
Gab es in dieser heilen Welt auch mal Probleme? Nein, oder?
Daran könnte ich mich doch erinnern…

6 Gedanken zu “Plötzlich damals

    1. Möglicherweise war nicht alles besser, aber es ist trotzdem so – wie gut man es hatte, weiß man erst, wenn es weg ist. Egal wie sehr man sich bemüht, das Jetzt zu genießen. Ich möchte noch einmal Sonntags Morgens in der Sonne vor dem Haus sitzen und frühstücken und auf der Antenne auf dem Dach singt die Amsel…
      Okay, wir frühstücken jetzt auch auf der Dachterrasse. Und im Sommer randaliert dann der Specht im Wald, das ist nah dran…

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      1. Ich weiss, wovon du schreibst…. In solchen situationen denke ich dann oft: wenigstens habe ich das einmal gehabt/geniessen können. Wahrscheinlich ist das mehr, als viele menschen je bekommen werden…. Und dann erlaube ich mir in erinnerungen zu schwelgen 😍

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    1. Seit sie nicht mehr da ist, ist einfach soviel „Zuhause“ weg. Das Haus ist verkauft, da wohnen neue Leute drin und die haben andere Fenster reingebaut. Das mag aus energetischen Gesichtspunkten sinnvoll sein, aber aus nostalgischen ist es echt fürchterlich 😦

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