Werwolfkekse

Von den Rezensenten der Rezepteplattform „Chefkoch.de“ ist man ja so einiges gewohnt. Die ganz übliche Rezension eines Rezeptes beginnt mit der begeisterten Vergabe von fünf Sternen, und dann folgt die Erklärung: „…allerdings fand ich Kartoffeln in einem Kartoffelsalatrezept nicht so geeinget, also habe ich stattdessen Nudeln genommen und dann die Majonnaise durch Bananen ersetzt, und weil dann die Würstchen nicht mehr so richtig dazu passten, gab es stattdessen Bismarckhering.“ Ja, logisch eigentlich.

Heute, auf der Suche nach einem Keksrezept, stieß ich auf eine Variante dieses Originalthemas. In der (inzwischen neun Jahre alten) Rezension war die Rede von „schrecklichem Rezept“, davon, dass der Teig „nicht zu retten“ war, und „wie gut, dass die Tochter keine Lust zum backen hatte, die wäre so enttäuscht gewesen“. Eine kurze Nachfrage später stellte sich dann heraus: Die Dame  hatte die Zutaten ausgetauscht und war ganz verwundert, dass das nicht klappte. Im Abstand von mehreren Jahren kamen dann auch noch einige Kommentare zu der vernichtenden (und ungerechtfertigten) Rezension dazu. Solange man diesen Meinungsaustausch nicht in Echtzeit lesen muss, ist er ganz spannend. Spannend genug jedenfalls, dass ich mich für genau dieses Rezept (mit den Originalzutaten) entschieden habe. Meine Kekse sind trotzdem komisch geworden. Oh, nicht geschmacklich, da sind sie okay. Aber ich konnte keine Weihnachtsförmchen zum Ausstechen der Plätzchen finden, also habe ich Enten genommen und Pilze und Schafe (immerhin die sind einigermaßen passend) und Herzchen und Schildkröten. Und Elche von der Seite. Die beiden letzteren sind ein wenig problematisch. Den Schildkröten brechen nach dem Backen gerne mal die Köpfe ab (was eigentlich egal ist; die sind auch in der Realität oft genug im Panzer versteckt), während den Elchen von der Seite die Geweihe schon vor dem Backen in der Ausstechform stecken bleiben, woraufhin sie aussehen wie Werwölfe. Die Weihnachtskekse in diesem Jahr werden nicht die gewohnten besinnlichen Formen aufweisen, fürchte ich. Der EINE Keks mit dem Elch von vorne, der eigentlich ganz gut geworden war, wurde vom Kind auf die Lasagne geschmissen und von dort gegessen. Ich hab es auch nicht verstanden.

Jedenfalls habe ich dieses Jahr auch Weihnachtskekse gebacken, und ja, das Rezept ist simpel und schmeckt mit den richtigen Zutaten ganz lecker, und wenn man keine Werwolfförmchen benutzt, sehen die auch noch gut aus.

Ich glaube, morgen backe ich noch Vanillekipferl…

5 Gedanken zu “Werwolfkekse

  1. Werwolfkekse zur Weihnachtszeit haben durchaus ihre Berechtigung. Wenig bekannt ist die Tatsache, dass neben Schafen, Ochs und Esel auch mehrere Werwölfe an der Krippe des Jesuskinds standen. Die Wölfe waren ja der Grund, warum draußen auf den Weiden bei den Schafen Hirten stehen mussten. Als die Engel dann vorbeikamen und die Hirten zur Krippe hineinbaten, nahmen die ihre Schafe natürlich mit und die Wölfe wiederum dachten sich: „Hey, wenn’s da Schafe gibt, wird es sicher ’ne gute Party.“
    Das Interrogativpronomen „Wer“ hat sich irrtümlich in die Erzählung eingeschlichen. Ursprünglich klopften die Wölfe an der Krippentür um eingelassen zu werden. Einer der drei Weisen (ich glaube, es war Melchior, andere gehen von Kaspar aus – dazu gibt’s eine Doktorarbeit aus Heidelberg von 1937), fragte, wer denn da sei. Die Wölfe antworteten „Wir Wölfe“ und so kam das ganze ins Matthäusevangelium. Martin Luther war unglücklicherweise des Griechischen nicht so wirklich mächtig (er hatte nur Kurse an der Volkhochschule in Wittenberg belegt, nebenher kellnerte er in der Bar „Zum bekloppten Kopten“). Er verwechselte beim Übersetzen „Wer“ und „Wir“ und so entstand der Werwolf. Seine Frau Katharina sagte noch: „Martin, du spinnst“, aber er war dickköpfig. Letztlich wurde diese Passage aber dann ganz aus dem Evangelium gestrichen, weil die römisch-katholische Glaubenskongregation der Meinung war, dass man damit keine FSK 6-Freigabe bekäme und Luther hatte schon genug Probleme mit den Katholiken, also sagte er sich „Pffft – dann streich es eben“.
    Du siehst also – deine Kekse sind völlig richtig. Allerdings habe ich die Geschichte nur verkürzt wiedergegeben. Um historisch vollkommen korrekt zu sein, empfehle ich noch Keksformen mit Goldfischen, Kondomen und dem schiefen Turm von Pisa.

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  2. Würdest Du bitte, BITTE endlich selber anfangen zu bloggen?
    Kondomkekse bekomme ich hin (ich denke, ich kann sogar das schiefe Kondom von Nemo nachbacken) aber ich kann die Käsefußkeksform nicht mehr finden. Käsefüße waren so um Christi Geburt sehr verbreitet, weil das Fußspray noch nicht erfunden war. Ich nehme an, die ganze Welt roch damals nach Käsefüßen.
    Die Wölfe wurden übrigens von den Weisen nicht zur Krippe gelassen, weil die Grundimmunisierung gegen Staupe, Parvo und Hepatitis nicht im Haustierpass eingetragen war. Das hätte die Geschichte des Christentums zu sehr verändert, wenn Jesus sich mit Staupe angesteckt hätte, Daraufhin begannen die Wölfe, vor Wut gegen die Wände zu pusten. Die fielen dann zusammen. Auf den Ruinen wurde zuerst ein Barbecue-Grill, dann ein Parkplatz, danach eine Kirche und schließlich ein Radiosender eröffnet (vgl. Joseph Jacobs Erzählungen).

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