Lifehack

Ich hasse diese Überschrift. Doch, ehrlich. Früher nannte man das „Was Oma noch wusste“ und schrieb Bücher drüber und verkaufte die dann, und in den Büchern stand, dass Oma Salz auf Rotwein streute und Spannbettücher so falten konnte, dass das Endergebnis nicht wie… naja, wie ein zusammengeknödeltes Spannbettlaken aussah, sondern wie etwas, das man mit gutem Gewissen in einem Wäscheschrank verstauen konnte. Heutzutage weiß das nicht mehr Oma, sondern irgendein Youtuber, der einen Film darüber gedreht hat, der immer so anfängt: „Hüstelhüstel, läuft die Kamera schon, jaaaa… also heute zeig ich euch mal, wie man ein Spannbettlaken so zuammenfaltet, dass das Endergebnis…“ und so weiter. Und das ist dann kein Wissen mehr, sondern ein Lifehack.

Im Übrigen klingt das Wort „Lifehack“ wie eins dieser Zwitterworte, halb Englisch und Halb Deutsch, so wie „Backshop“, was einen wahren Engländer irritieren würde (vermutlich werden da Flux-Kompensatoren verkauft) oder den „Angel-Shop“ hier um die Ecke, von dem ich sicher bin, dass er irgendwie illegal ist (und der Begriff „Engelmacher“ wird auch nicht mehr so häufig gebraucht). „Lifehack“ ist bestimmt so etwas Ähnliches. Lebendiges Hack oder so. Jedenfalls hier im deutschsprachigen Raum; die Angelsachsen benutzen „Hack“ sicher schon seit dem 5. Jahrhundert, um etwas ganz anderes auszudrücken.

Einige Lifehacks sind aber in Wahrheit schon älter als Oma und somit keine wirklichen Lifehacks, sondern gutes, altes, mündlich (und nicht virtuell) weitergegebenes Wissen. Wie zum Beispiel die Sache mit dem Backpulver auf dem Hemdkragen. Soll gegen Verfärbungen helfen. Wollte ich ausprobieren, also holte ich meine große Blechdose mit den Backzutaten und fand Folgendes (und alles in den gleichen, kleinen  Papiertütchen): Tortenguss (rot), Vanillinzucker, Hefe, Bourbonvanille, Salatsauce (nur mit Wasser anrühren!) und Sahnesteif. Backpulver war alle.

Ich bin ja nicht sicher, wer sich diese Lifehacks so ausdenkt, aber sollte mein Versuch mit dem roten Tortenguss auf dem weißen Hemdkragen erfolgreich sein, dann schaut mal in meinen Youtubekanal…

 

5 Gedanken zu “Lifehack

  1. Lifehack… Stimmt, klingt irgendwie merkwürdig. Ist ja bei den meisten Anglizismen so, die kein anglophoner Mensch verstehen würde. Mein Favorit ist Public Viewing, was in Amerika eine öffentliche Leichenaufbahrung meint. Ich warte immer noch auf den Tag, an dem mich ein Amerikaner fragt, was ich gestern so gemacht habe und ich sage: „Wir waren beim Public Viewing und hatten einen Riesenspaß! Gut, die meisten Leute waren sturzbesoffen und es wurde viel gegrölt, aber dafür war das Programm vorn auf der Bühne echt klasse!“

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