Was tut man, wenn das Kind beschließt, un-be-dingt im 120 Kilometer entfernten Schlosspark von Schwerin nach Pokémon suchen zu müssen? Tja, man stopft das Kind ins Auto und fährt hin. Jedenfalls habe ich das so gemacht. Nur saß ich dann bei eher zweifelhaftem Wetter in Schwerin in einem Einkaufszentrum und fand die Menschenmassen irgenwie nervig. Das mit den Pokémon konnte dauern (tat es auch), also fuhr ich kurzentschlossen aus Schwerin raus und in ein kleines Dorf, das mir von meinem letzten Besuch noch in Erinnerung war. Dort gibt es eine alte Kirche, die ich sehr mag; und ich setzte mich auf eine Bank auf dem Kirchhof und las ein bisschen, umgeben von Grabsteinen und umflogen von Schmetterlingen, Bienen und uralten Militärflugzeugen, oder vielleicht war es auch immer dasselbe Flugzeug, das alle halbe Stunde über dem Dorf seine Runde drehte, ich weiß es nicht.
Irgendwann kamen plötzlich ein paar Leute, gingen in die Kirche, heirateten und verschwanden wieder. Und da sie beim Heiraten die Kirchentür offen ließen, hatte ich noch ein wenig Orgelmusikbegleitung beim Lesen. Zwei der Lieder kannte ich; das dritte allerdings klang wie „Meine Mu, meine Mu, meine Mutter schickt mich her“ – das haben wir früher im Musikunterricht immer als Kanon gesungen. Eine kurze telefonische Rückfrage bei meinem Lieblingspfarrer bestätigte, was ich schon gedacht hatte – das ist kein typisches Kirchenlied bei Hochzeiten; es sei denn, der Bräutigam ist ein Muttersöhnchen und will eigentlich gar nicht.
Interessanterweise bekam ich später durch Gesprächsfetzen mit, dass das junge Paar schon seit mindestens 25 Jahren in Sünde(!!!) zuammengelebt hatte (beide waren um die 70, würde ich schätzen, eher älter), bevor sie sich entschlossen, das Ganze doch mal kirchlich segnen zu lassen. Entsprechend profan waren dann auch die Pläne zur weiteren Gestaltung des Nachmittags: „…ich mach dann noch schnell die Buchhaltung…“
…
Irgendwann gegen 20 Uhr bekam ich dann auch meinen Sohn zurück, mitsamt einigen neuen Pokémon.
Nächste Woche will er wieder hin. Da hat sein Kumpel nämlich Geburtstag. Die Bank auf dem Kirchhof wird ja wohl frei sein…
120 km… das nenne ich wahre mutterliebe 🙂 🙂 🙂
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Ach, dafür fahren wir wieder mal nicht in Urlaub, das ist schon okay…
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ist ja auch ne gute Entfernung für das Aufsammeln von Pocémondingsbums!
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Wenn man schon mal da ist… 😛
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vollkommen Recht, die Frau …. absolut! 😉
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Es gibt auch Pokemons in Berlin und in Selchow und in Kiekebusch und Brusendorf. ..
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…und Kirchhöfe mit Bänken, nehme ich an?
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Klar. Die Bank in Brusendorf ist sogar ganz neu und von der Sonne beschienen und von einem unbekannten Gemeindeglied gespendet
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Die Bank gestern war uralt und verwittert und hate eiserne Löwenköpfe als Armlehnen. Ach, und sie stand im Schatten, und das war sehr schön…
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