Der Wäschefalter und ich

Vor einiger Zeit fand ich mich in der Situation, meinen gesamten Hausstand ersetzen zu müssen. Mir bis dahin selbstverständlich erscheinende Haushaltsutensilien, wie zusammenpassende Teller, wie Löffel, Rehrücken-Backformen und Muskatnussreiben, gab es plötzlich nicht mehr. Alles was ich besaß befand sich im Kofferraum eines Renault Twingo, und ein großer Teil davon waren zwei Bulldoggen und deren Körbchen, Leinen, Pullover, Näpfe und Futterdosen.

Das klingt jetzt schlimmer, als es war. Irgendwie ist es doch auch ganz toll, wenn man nach zwanzig Jahren „immer-das-gleiche-weiße-Porzellan-Geschirr“ mal ein paar im Sonderpostenladen schnell als Provisorium erstandene hellgrüne Steingut-Teller mit pinken Steingut-Tassen aus derselben Quelle mischen kann. Außerdem kann man so endlich mal überlegen, was man nun wirklich braucht und sich daher wieder anschaffen muss. Die elektrische Zitronenpresse zum Beispiel, die habe ich nur im ersten Überschwang mal benutzt, dann nie wieder. Auch der Joghurtbereiter stand seit einigen Jahrzehnten nur noch im Regal. Wichtig dagegen war der Kartoffelstampfer (ich habe den tollsten Kartoffelstampfer der Welt auf einem Flohmarkt gefunden!), die Küchenmaschine – ach ja, und eine Küche. Anfangs gab es in dieser Wohnung keine. Das erstaunte mich einigermaßen – in Hamburg bin ich einige Male hin und hergezogen, aber überall war die Küche schon eingebaut. Hier dagegen ist keine Küche in einer neuen Wohnung zu haben ziemlich normal. Wo genau ist da örtliche die Grenze? Habe ich beim Einzug in dieses Bundesland vielleicht das Schild übersehen: „Herzlich Willkommen im schönen NRW. Hier gibt es grüne Bäume, tote Bäume (dieser bekloppte Borkenkäfer!!!), plätschernde Bächlein, stillgelegte Zechen, Currywurst (behauptet Herbert Grönemeier wenigstens, ich kann das bisher nicht bezeugen), Kühe, Feuersalamander und Nummernschilder-Kürzel, aus denen man witzige Wörter bilden kann (SU-SI ist bei den Nachbarn sehr beliebt). Was es nicht gibt, lieber Besucher, sind Küchen in Mietwohnungen. Irgendeinen Nachteil muss dieses Land ja auch haben.

Inzwischen haben wir eine Küche. Eine eigene. Keine gemietete, sondern eine, die für immer und ewig uns gehört. Sollten wir mal aus irgendeinem Grunde zurück nach Hamburg ziehen, haben wir dann wohl zwei – oder wir verkaufen die Küche wieder, über Kleinanzeigen. Ich glaube, so machen das alle. In Wirklichkeit kreisen hier in NRW nur so um die 500 immer-die-gleichen Küchen, und wenn eine frei wird…

…aber he, eigentlich wollte ich ja von meinem Wäschefaltbrett erzählen. Ich wollte immer eins. Das sieht in der Werbung immer so toll aus: zack-zack-knick, und die T-Shirts sind alle sauber gefaltet und ganz gleichmäßig. Ich war mir nicht sicher, als ich es kaufte, ob das wirklich so toll ist oder ob ich wieder mal auf die Werbung reingefallen bin (der Beste aller Männer war ganz sicher, dass es unter die Rubrik „was hast du denn nun wieder für einen Krempel gekauft“ fällt), und ich war bereit, es bei Missfallen einem meines Söhne als Reminiszenz an Sheldon Cooper zukommen zu lassen, aber nein, es ist TATSÄCHLICH klasse. Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich es kaum erwarten, dass die T-Shirts auf der Leine getrocknet sind, damit ich sie zusammenlegen darf.

Wenn ich jetzt so durch die Räume laufe, stelle ich fest, dass jetzt eigentlich fast alles da ist, was ein ordentlicher Haushalt braucht, ohne die überflüssigen Sachen (wie den Pommes-Schneider), die im alten Haus geblieben sind.
Sogar die Hunde sind sorgfältig auf’s Outfit abgestimmt. Ich habe einen dunklen Hund, der seine Haare auf meinen hellen Klamotten verteilt, und einen hellen Hund, der dasselbe mit meinen schwarzen Hosen veranstaltet.

Doch. Ich bin glücklich.

5 Gedanken zu “Der Wäschefalter und ich

  1. Ich hab schon meinen dritten Wäschefalter, weil die Plastikdinger ja nicht lang halten. Ich finde sie toll (abgesehen, dass sie kaputt gehen)!
    Da ich immer nur im Süden Deutschlands gelebt habe, kann ich dir versichern, dass das mit den Küchen nicht nur in NRW so ist. Zwar ist es schön, wenn man eine Küche nach dem eigenen Geschmack kaufen kann, aber eben auch nur, wenn der eigene Geldbeutel da mitspielt. Hier in Schweden gibt es keine Wohnungen ohne Küchen. Nie würde jemand aus einer Wohnung oder einem Haus ausziehen und seine Küche mitnehmen! Genauso wie auch die Waschmaschine und der Wäschetrockner zum Inventar gehört. In vielen Mietwohnungen sind sogar die Schränke fest eingebaut.

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  2. Früher, als ich aus jugendlichem Leichtsinn immer mal wieder umgezogen bin, gab es auch in Köln Küchen, die sogar einen eigenen Raum hatten. Bis vor 20 Jahren, als ich die Wohnung besichtigte, in der ich immer noch wohne: Schlaf- und Wohnzimmer, Flur, Bad, mehr Räume gab es nicht. Meine damalige Freundin, die mich begleitete, fragte den Makler herausfordernd, wo die Küche sei, es gab nichtmal eine Spüle – ich hatte schöne Mühe, sie zurückzuhalten und dem Makler zu versichern, daß mir das völlig unwichtig sei, denn die Wohnung liegt zentral und war günstig. Der Makler zeigte auf eine Nische im Wohnzimmer, wo die Gastherme an der Wand hing und Wasseranschlüsse aus der Wand guckten, und erklärte meiner Freundin, das sei jetzt so üblich. Ich weiß nicht mehr, wie ich meine Freundin zum Schweigen brachte. Ich habe dann einen Vorhang angebracht. Allerdings sollte ich nichts kochen, was lange riecht, ich hätte die folgenden Tage noch was davon. Merkwürdige Sitte, keine Küche vorzusehen, anscheinend weiter verbreitet, als ich dachte.

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    1. Ich gucke immer mal wieder diese Hausrenovierung-Sendungen ( meistens aus Amerika). Die Hausrenovier-Leute betreten das Haus, und das Erste, was sie tun, ist die Wand zwischen Küche und Wohnzimmer einzureißen. Immer. Der einzige Vorteil, der mir da einfällt ist, dass man rechtzeitig merkt, dass der Milchreis anbrennt, auch wenn gerade Raumschiff Enterprise im Fernsehen läuft. Sonst finde ich diese offenen Küchen nicht wirklich praktisch. Aber ich bin ja auch altmodisch.

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      1. Ah ja – die Kücheninsel scheint ein Muss zu sein bei so einer Modernisierung, ich guck das auch manchmal. Allerdings habe ich noch nie eine in echt gesehen, die deutschen Wohnungen geben das irgendwie nicht her. Oder ich verkehre in den falschen Häusern.
        Ich habe es schon geschafft, eine Tiefkühlpizza anbrennen zu lassen, obwohl mein Herd quasi in meinem Wohnzimmer steht, weil ich nebenbei interessante Blogeinträge gelesen habe. Allerdings habe ich es bemerkt, bevor jemand die Feuerwehr rufen mußte, immerhin.

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