Einheimisch

Manchmal frage ich mich, ob das Landleben wirklich so gesund ist. Zumindest geistig muss man, scheint’s, einige Abstriche machen. Eben fand ich mich, wie ich im Internet nach rosa Handtaschen suchte und dabei „Schni-schna-schnappi, Schnappi Schnappi SCHNAPP“ sang. Ich könnte das erklären, aber „Jetzt isse völlig durchgedreht“ ist die schnellere Erklärung, glaube ich. Eigentlich heißt es übrigens „ist sie“ und nicht „isse“, aber ich versuche mich dem hiesigen Dialekt anzupassen. Seit letzter Woche weiß ich, dass es mir nicht gelingen wird. Da standen im Supermarkt zwei Kunden, die sich wohl ewig nicht gesehen hatten und begeistert auf Arabisch aufeinander einredeten. Ich umrundete sie vorsichtig mit meinem Einkaufswagen, und als ich mich einige Meter von ihnen entfernt hatte, hörte ich in meinem Rücken: „Na, denn mach et ma jut, Kaal-Hainz!“.
Kölsch scheint mir wahrlich ein Dialekt zu sein, zu dessen Benutzung man in diese Ecke Deutschlands hinein geboren sein muss. Mir jedenfalls gelingt es nicht einmal, die Grundbegriffe des als „Kölsch“ apostrophierten Idioms zu meistern, und das trotz fleißigen Hörens von „BAP“. Blöd auch, dass mir, wenn ich meine Sprachenkenntnisse, die ich aufgrund von „Verdamp lang her“ erworben habe, zusammensuche, neuerdings immer die Version von Otto Waalkes dazwischen gerät. Die mit Hänsel und Gretel. Passt eigentlich nie.
Übrigens habe ich nach langen Suchen die perfekte Damenhandtasche gefunden. Rosa, mit leichtem Glitzer, gute Größe und ohne Einhörner. Im Gegensatz zu Wolfgang Niedecken, der „vür lauter Sökerei et Finge jlatt versäump hat“. Aber immerhin hat der vermutlich auch keine Damenhandtaschen gesucht. Ich bin allerdings nicht sicher, weil ich nicht weiß, was Damenhandtasche auf Kölsch heißt. Vielleicht handelt das Lied ja doch davon.
Ach ja, und wir haben inzwischen August, das bedeutet, Ende des Monats gibt es tatsächlich die ersten Weihnachtskekse. Ich bin fest entschlossen, mich nachdenklich in den Supermarkt zu stellen, einen Karton in der Hand, und zu murmeln: „…dat kömmt mir vür als ob dat Pfefferkuchen wär!“
Ich wette, dann würde mich jeder für einen Einheimischen halten.


2 Gedanken zu “Einheimisch

  1. Nichts ist peinlicher, als zu versuchen, in einem Dialekt zu sprechen, den man nicht richtig beherrscht. Ich verstehe Kölsch inzwischen ganz gut, aber ich ernte nur mitleidige Blicke, wenn ich mal versuche, einen Satz auf Kölsch zu sprechen, ich laß das inzwischen. Gut, wenn man Schni-Schna-Schnappi vorm Computer singt, sollte man sich vielleicht auch sicher sein, daß man allein ist.;-)

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