Alles zu gut

„Du hast seit dem letzten Blogeintrag gar nichts mehr geschrieben“, sagt der beste aller Männer, und ich bewundere seine Fähigkeit, Selbstverständliches in wohlklingende Worte zu fassen. Natürlich habe ich seit dem letzten Blogeitrag nichts geschrieben, sonst wäre der letzte Blogeintrag ja der vorletzte. Und nach dem letzten hätte ich dann immer noch nichts geschrieben.
Aber er hat schon recht, ich schreibe nicht viel. Nicht, dass ich nicht wollte, aber irgendwie bin ich rundherum zufrieden, und was soll man da schon schreiben? „Alles toll“? Was für ein Blogeintrag soll denn das sein? Nein, Zufriedenheit eignet sich nicht für ergiebige Blogthemen.
Natürlich könnte ich anstandshalber ein wenig über das Wetter meckern. Wir haben Mai, und draußen ist Aprilwetter. Aber gerade, wo ich das schreibe, kommt die Sonne hervor und alles sieht so schön und grün und frisch aus, und ich denke, ist doch egal. Ich habe ein Dach überm Kopf und das ist sogar dicht, also pfeif auf’s Wetter.
Mein Sohn hat mir Pflanzensamen geschickt, und ich weiß nicht, wie er das gemacht hat, aber er hat genau die Samen erwischt, die ich mir nicht gekauft habe, weil ich dachte, zuviel Geld muss man ja nun auch nicht ausgeben. Jetzt habe ich bunten Mais, kleine Kürbisse (und ich hab mich schon geärgert, weil ich die Kerne vom letzten Jahr nicht finden kann!), niedliche, balkongeeignete Gurken und – worum ich das Kind gebeten hatte, Yin-und Yang-Bohnen. Er hatte welche und ich fand die so großartig, dass ich fragte, ob er mir wohl drei abgeben könne. Stattdessen hat er einfach neue bestellt. Wie soll man da nicht alles toll finden?
Neulich war eine Bekannte von mir hier mit ihrem kleinen Hund. Ihr Hund sieht aus wie eine Miniaturausgabe von meinem, aber ihrer hat offenbar die typischen, rassebedingten Krankheiten, was sie finanziell in den Ruin treiben wird. Meiner hat nichts davon. Die Kleine hüpft, springt, pupt (nun ja, darauf könnte ich verzichten) und hat meistens gute Laune. Nur nicht, wenn sie die beiden Kampfzwerge vom Nachbarn unten sieht, aber seien wir ehrlich, wer mag die schon leiden. Außer dem Nachbarn von unten natürlich. Und selbst dem sind die peinlich, wenn er mit ihnen spazieren gehen muss und sie dazu in von seiner Frau gestrickte Mäntelchen stopft. Gut, zum Alles-toll-finden ist das nicht unbedingt geeignet, denn ich leide mit dem kleinen Hund meiner Bekannten. Aber ich bin dankbar, dass es meinem Hund so gut geht. Das könnte auch anders sein.
Apropos Pflanzen: Es hat endlich geklappt. Ein Avocadokern hat sich entschieden, zu keimen, und ich bin stolzer Eigner eines wunderschönen, ca. 20 Zentimeter großen Avocadobäumchens. Ebenso wohnt bei mir ein selbst gezüchtetes Litschi-Bäumchen (10 Zentimeter). Weder die Chilis noch die Tomaten wollen so richtig, und dabei hatte ich nie mit denen Probleme. Ich hoffe, das wird noch. Von meinen selbstgezüchteten Zitrusbäumchen sieht einer phantastisch aus und einer ein bisschen gelblich, aber der bekommt jetzt jede Menge neue Triebe.

Wer bis hierher durchgehalten hat: Glückwunsch. Ich sag ja, nur so gute Nachrichten sind langweilig. Ich suche verzweifelt nach einer schlechten Nachricht, so zum krönenden Abschluss, aber mir fällt nichts ein. Außer vielleicht eins meiner Lieblingsgedichte von Wilhelm Busch, weil das so schön passt:

Unser Nachbar ist verdrießlich
und er mag sich wohl beklagen,
weil ihm eine Pläne schließlich
alle gänzlich fehlgeschlagen.

Uns’re Ziege starb heut morgen
geh und sag’s ihm, lieber Knabe,
dass er nach den vielen Sorgen
auch mal eine Freude habe!

So ist es…

6 Gedanken zu “Alles zu gut

  1. Der Busch ist natürlich ein schöner Abschluss, aber gelungene Pflanzgeschichten lese ich gern, weil ich aus Erfahrung weiß, dass es bei diesem Stadium nicht bleibt. Und wenn demnächst ein Erfolgsprojekt nach dem anderen verwelkt, verlaust oder einfach so eingeht, hast du wenigstens die für griechische Tragödien erforderliche Fallhöhe geschaffen. Hauptsache dem Hund passiert nix. 😉

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    1. Meine Pflanzen verwelken nicht! Allerdings – im letzten Jahr hat der Hund gerne mal geerntet. Fand sie witzig, so frisches Essen aus dem Blumentopf.
      Ich kämpfe ein wenig mit dem Klima hier. Es ist echt anders als in Hamburg. Durch die Berge ringsum fehlt bestimmt eine Sonnenstunde am Tag. Pflanzen, mit denen ich in Hamburg nie Probleme hatte, wollen hier einfach nicht. Dafür hab ich andere, die in HH immer eingegangen sind. Schon merkwürdig :/

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      1. Der Bock als Gärtner ist ja auch recht abgegriffen, Hund als Gärtner mal was anderes! Dass die Berge und die nordische Luft sich unterschiedlich auf pflanzliche Befindlichkeiten auswirken, kann ich mir gut vorstellen.

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  2. Mir gefällt der Eintrag ausnehmend gut! Es gibt doch um uns herum eh schon so viel Negatives. Ich werde mir ein paar Pflanztipps von dir merken für die Zeit, in der ich auch Muße für sowas habe.

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