Urlaubsgefühle

„Wohnen, wo andere Urlaub machen“ ist ein von uns immer mal wieder benutzter Spruch. Und die Gegend hier ist auch wirklich schön, damit hat das leichte Durchschimmern von Sarkasmus gar nichts zu tun. Es ist eher, ich muss es zugeben, das etwas abgewandelte: „Wohnen, WIE andere Urlaub machen“, das uns bei diesem Spruch nicht in Begeisterung, sondern eher in leicht augenverdrehendes Grinsen ausbrechen lässt. Ein typischer „Leben wo andere Urlaub machen“-Moment kam schon gleich am Anfang, als wir die Wohnung damals besichtigten. Der Weg war uns beschrieben worden als „…und dann in den Wald, und von da die kleine Seitenstraße, und von der geht ein winziger Trampelpfad ab, da fahren Sie dann hoch…“. Bevor wir den Trampelpfad entdeckten, flog uns ein Milan beinahe in die Windschutzscheibe. Wir haben nie herausgefunden, ob er kurzsichtig, lebensmüde oder lediglich bescheuert war. Vielleicht wollte er auch einfach nur mitteilen, dass wir in SEIN Revier eingedrungen waren, ich weiß es nicht, aber seit damals ist „Leben, wo andere Urlaub machen“ ein von uns vielzitierter Spruch. Im normalen Leben fliegen Milane nicht in Windschutzscheiben. Sowas passiert nur im Urlaub.

Zu diesem Urlaubsalltag gehört auch dieses gewisse Gefühl, wenn man in eine Ferienwohnung kommt und entdeckt, dass es für vier Personen nur drei Gabeln, zwei Teelöffel und eine kleine, leicht angerostete Pfanne gibt, und das Klopapier nicht über die Nacht reichen wird. Im Normalfall zieht man gleich am nächsten Tag los, kauft Besteck, Töpfe und Klopapier und nimmt das alles am Ende des Urlaubs mit nach Hause, wo man dann beim Anblick des nicht zur Restausstattung des Heimes passenden Bestecks immer an den tollen Urlaub in „Weißt du noch“ denken muss. So ähnlich ist das hier auch. Zwar habe ich in meinem vorigen Leben alles besessen, was man so an Standmixern, Kommoden und Klobürsten besitzen kann, aber das befindet sich in Hamburg, und weil mein Sohn da auch lebt, habe ich es nicht einfach mitgenommen. War schon schlimm genug, dass ich auf den Handmixer bestanden habe und das Kind den (natürlich! Ausgerechnet den!) am nächsten Tag verzweifelt suchte. Als wir dieses Mal da waren und ich noch ein paar meiner Sachen einpackte, die mir hier wirklich, wirklich fehlen, habe ich in meiner Verzweiflung nicht den Standmixer mitgenommen, sondern eine nie benutzte Nudelmaschine. Auch so ein „Leben, wo andere Urlaub machen“-Gadget. Im normalen Leben mache ich Nudeln nicht selber, aber hier? Mal gucken.

Manchmal allerdings kommt hier schon so ein „Wir sind Zuhause“-Gefühl auf. Das merkte ich, als ich mich auf den Weg zu „meiner“ Brombeersammelstelle machte. Das merkte ich, als ich mich auf der Straße stundenlang mit der Nachbarin unterhielt und jetzt bestens informiert bin über ihren Mann, ihren Sohn, die Schwiegertochter und das Haus der Nichte. Ich merke es, wenn ich die Hunde in der Nachbarschaft alle mit Namen kenne und wenn ich weiß, wer wieder abgehauen ist, wenn es unten im Tal „Tooooony“ schallt. Und vorhin lag in unserem Briefkasten Werbung. Die erste, seit wir hier wohnen.

Das kann nur eins bedeuten.

Wir gehören jetzt dazu.

4 Gedanken zu “Urlaubsgefühle

  1. Ankommen ist eines der besten gefühle, die man haben kann! Ich erinnere mich an den tag, wo mich der bürgermeister auf dem markt mit einem küsschen begrüsste ☺☺☺ angekommen, akzeptiert!
    Bisous vom meer, wo andere urlaub machen! 🙃

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    1. Weißt Du was? Das Meer fehlt mir. Wie verrückt. Vielleicht können wir da mal Urlaub machen oder so. Sonst ist es hier wirklich schön. Es gibt sogar einen Alpaka-Züchter. Alpakas braucht man, denke ich 🙂

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      1. Ein leben ohne alpaka ist….. nichts!

        übrigens: Ich habe ein gastzimmer, wenn man wieder mal unbeschwert reisen kann! Allerdings keine alpakas in der näheren umgebung 😦

        Bisous

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