Nie wieder…

Es ist früh am Morgen. Der Tau liegt noch auf den Feldern. Die Sonne ist blässlich und kraftlos, aber der Himmel ist beinahe wolkenlos. Es könnte ein schöner Tag werden. Mir aber geht nur ein einziger Gedanke im Kopf herum: Nie wieder!

Ich denke an meine Bessi, die erste Hündin, die mit mir zusammen lebte, und jetzt an meine Fenja, die nicht alt genug war, um zu sterben, und die ich doch nicht vor dem beschützen konnte, was das Leben ihr angetan hat. In Gedanken sehe ich sie beide an meiner Seite laufen, Bessi schlank, mit langen dünnen Beinen und tänzelndem Schritt, Fenja mit ihrem gedrungenen Bulldoggenkörper und den geraden, kräftigen Beinchen. Hin und wieder dreht sich eine der beiden nach mir um, und da sind wieder Bessis schöne braune Augen über dem rötlichen Zottelbart, die mich voller Liebe anblicken: „Ist es nicht schön hier? Ist es nicht großartig, dass wir zusammen sind?“ Und dann meine Fenja, mit ihren großen Kulleraugen in dem liebenswerten zerknautschten Gesicht: „Alles okay? Können wir weiter?“

Ja, meine Kleinen. Meine Lieblinge. Ihr könnt weiter, aber ich nicht. Ich muss ja noch hier bleiben. Noch ist meine Zeit nicht gekommen, und da ist ja noch das Geschenk, dass mir meine Fenja gemacht hat. Mein kleines Mädchen, mein Baby, die kleine Bulldogge mit den viel zu langen Beinen, die völlig unerwartet bei mir zur Welt kam (nur Fenja wusste Bescheid. Aber die hat es bis zum Schluss nicht verraten!). Holly hat verstanden, dass Mami nicht mehr da ist, und sie sieht schon nicht mehr im Futternapf nach, ob Mami versehentlich etwas vergessen hat zu essen (was natürlich nie passierte. Erst ganz am Schluss…). Nie wieder, Kleines, nie wieder

Bleibt beieinander, meine Freundinnen. Mir gefällt der Gedanke, dass ihr zusammen seid und aufeinander aufpasst. Vielleicht spielt ihr ja, mit dem blauen Bällchen und dem rosa Quietschewurm, während ihr wartet. Ihr seid ja nicht alleine. Es sind schon so viele bei euch, in dieser anderen Welt. Zottel unter seiner Decke und Julchen, mit der mein Bruder und ich den Boden wischten (sehr zu ihrem Vergnügen). Sie sind schon so lange da, und inzwischen auch Bissmark. Und natürlich Schnurpi und Tobbi, die beiden Foxl, die immer in unserem Herzen bleiben werden. Ich denke, der Opa passt auf euch auf. Er hatte Hunde so lieb. Und die Oma, deren Arm merkwürdigerweise immer zu zittern anfing, wenn sie gerade Wurst schnitt, so dass dem daneben wartenden Hund eine Scheibe auf die Nase fiel… „Das Alter, da kann man nichts machen…“ – und sobald ich tat, als würde ich mich umdrehen, sahen sie sich an und grinsten. Beide.

Nie wieder… aber im Gedanken bleibt ihr alle bei mir. In meinem Herzen seid ihr für immer .

Langsam wird die Sonne wärmer. Wir werden einfach weiter leben. So gut es eben geht. Es ist nie verkehrt, mehr Liebe im Leben gehabt zu haben. Und davon hattet ihr alle soviel.

Danke, dass ihr da gewesen seid. Danke, dass ihr für immer bei uns bleibt.

Danke, meine Lieblinge.

4 Gedanken zu “Nie wieder…

  1. Du hattest ja schon ein paar Mal angedeutet, daß es Fenja nicht so gut geht – ich hatte schon eine Weile befürchtet, daß sie keine alte Hundedame wird. Es tut mir so leid!

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  2. Ihr beide habt einander ‚verdient‘. So viel gegenseitige liebe löst sich ja nicht einfach so auf. Ich denke an dich, nicht zuletzt, weil ich meine Mora mitten im lockdown über den regenbogen gehen lassen musste….
    Bisous vom meer

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