Heute mal vegan?

„Da ist“, sprach Oma, „überhaupt kein Fleisch drin. Nur Wurst!“ Sie war nie auch nur im geringsten erstaunt, wenn ich „nur Wurst“ dann trotzdem nicht aß. Ich war nämlich Pescetarier und aß kein Fleisch. Eigentlich hätte ich auch keinen Fisch gegessen, aber ich entschied mich zu einer Zeit für diesen Lebensstil, als Vegetarier noch ähnliche Exoten waren wie Meerschweinchen in california brindle oder Männer mit Röcken. In Restaurants bekam man jedenfalls kaum jemals ein vegetarisches Gericht; wenn, dann höchstens einen grünen Salat (weil es natürlich total anstrengend war, keinen Schinken rein zu tun) oder Pommes. Ohne alles. Einmal aß ich ein einem sehr vornehmen Restaurant und wählte das einzige als „vegetarisch“ angepriesene Gericht der Speisekarte, eine Pilzpfanne. Die kam dann – die Pilze waren in Speck angebraten.
Vermutlich kannte der Koch meine Oma.
Geschichten wie diese jedenfalls waren der Grund, warum ich kein Vegetarier wurde, sondern ein Pescetarier, und das, bevor der Begriff überhaupt erfunden wurde. Fisch gab es nämlich in Restaurants, und wenn mir gar nichts anderes übrig blieb, aß ich eben den.

Gestern war mein Sohn zu Besuch, mit seiner Freundin. Und das stellte mich vor ganz neue Herausforderungen. Den Indoktrinationsversuchen seiner vegan lebenden Biolehrerin („Kinder, heute gucken wir uns einen Film über die Zustände in deutschen Schlachthöfen an!“) begegnete er unverdrossen weiter Fleisch essend (sein Kommentar dazu: „Mama, fährst Du BITTE bei McDonalds vorbei? Ich hab das jetzt nötig!“), aber der Liebe wegen kapitulierte er. Er lebt jetzt größtenteils vegan (nur wenn keiner hinguckt, dann würde ich das nicht beschwören) und fühlt sich pudelwohl dabei. Und weil die beiden bestimmt Hunger hatten, habe ich mich an einem veganen Schokokuchen versucht. Und festgestellt: Das Zeug schmeckt. Das Ei fehlte mir überhaupt nicht. Dafür bekam ich ein Stück von den Kindern selbstgebackene vegane Pizza und fand die durchaus genießbar, wenn ich auch zugeben muss, dass Käse… nun ja. Ich mag Käse. Auch wenn ich den Herstellungsbedingungen von Käse nun so gar nichts abgewinnen kann. Aber vielleicht ist es doch mal wieder Zeit, meine Ernährung zu überdenken. Ganz bestimmt könnte ich so einige Kilo abnehmen. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Jedenfalls nicht, wenn ich die von Oma übernommenen Rezepte beibehalte. Besonders eines.
„Da ist“, sprach Oma nämlich“, „überhaupt kein Fett in der Buttercremetorte. Nur ein großes Paket Butter“.

Oma und ihre Lebenseinstellung fehlen mir wirklich…

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15 Gedanken zu “Heute mal vegan?

  1. Ich finde vegane Ernährung gut. Etwas anstrengend, denn man muss ewig aufpassen, genug B12 zu sich zu nehmen. Es verändert aber auch den Hormonspiegel, was viele nicht wissen, deshalb musste ich aufhören.

    Und Oma hat eine verdammt pragmatische Herangehensweise. 😉

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    1. Hatte…
      Mir ist vegan aus anderen Gründen zu anstrengend. Diese Überlegungen, ob bei an sich veganem Brot eventuell das Backblech mit Butter eingefettet worden ist, und ist das noch vegan, wenn es Spuren von Milch enthält? Außerdem mag ich Honig und auch Eier von den Hühnern, die ich kenne. Neuseeländische Wolle geht nicht, aber die vom Bauern nebenan sehr wohl. Naja…

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      1. Es ist ja auch hauptsächlich ein theoretisches Konzept. Aber jeder, wie er mag. Wenn man die Nachteile aufzeigt, ist man eh ein Spielverderber.
        Ich kann Deine Denkweise in allen Punkten nachvollziehen.
        Und entschuldige hatte…..

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  2. Liebe Feldlilie, deine Oma finde ich klasse, obwohl die Zustände in Schlachthöfen sicher verbesserungsbedürftig sind. An dieser Stelle nur der winzige Hinweis, dass du letztens den Freitagstexter-Pokal gewonnen hast. Falls du noch ein Foto nachlieferst, wäre mir der Schokokuchen auch der liebere Teil…

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      1. Neiiiin… ich hab es nur nicht mitbekommen. Bei sowas muss man mir von Zeit zu Zeit mal auf die Füße treten.
        Und kenne mich damit auch gar nicht aus – was muss ich tun, außer die Lorbeeren dankend entgegen nehmen? Einen neuen erstellen?
        Ich hab eigentlich nur versehentlich mitgemacht, weil Du darauf hingewiesen hattest…

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      2. Passt schon. Seit Dezemeber mühen wir uns, den Wettbewerb wieder flott zu kriegen, seit er beim Kollegen Spraakvansmaak hängen geblieben war. Das Interesse ist eindeutig erlahmt. Daher würde ich warten, ob überhaupt Nachfrage ist. Sonst hat sich das.

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    1. Oh, Hilfe, danke, dass Du mir Bescheid sagst, es ist mir völlig entgangen. Foto. Gut. Hätte ich vermutlich letzten Freitag machen müssen, oder? Ich kenne mich da doch gar nicht aus (ich schiebe mal ein bisschen Panik, bevor ich jetzt zur Arbeit gehe)…

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  3. Ich zweifle nicht unbedingt daran, dass so was schmeckt. Aber es schmeckt eben nicht wie das Original. Veganer Käse schmeckt nicht nach Käse und daher schmeckt eine vegane Pizza nicht wie eine Pizza. Bei Fleisch ist es das gleiche – ich weiß nicht, wie viele Fleischersatzprodukte aus Tofu und co. mittlerweile auf dem Markt sind, aber nichts davon schmeckt wirklich wie Fleisch.
    Mir kommt das alles vor, als wollte jemand dringend ein Stück Schokolade und man drückt ihm einen Lolli in die Hand mit den Worten: „Nimm den, der ist doch auch süß!“
    Manchmal muss es eben das ganze Pfund Butter in der Torte sein. Sonst ist es nämlich nicht Omas Torte, sondern nur… so was ähnliches wie ein Kuchen…

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    1. Ich mag Tofu als Tofu. Als Fleischersatz hab ich nie was gebraucht, denn wenn man kein Fleisch essen will, braucht man auch wirklich nichts ,was wie Fleisch schmeckt. Aber einige Sojaprodukte sind einfach lecker 🙂
      Die vegane Pizza schmeckte nicht wie Pizza, sondern wie Gemüsekuchen. Fand ich wirklich lecker.
      Der Kuchen schmeckte einfach nur wie Kuchen. Ohne Abstriche.

      Gefällt 1 Person

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